Yannik Rouault aus Ottobrunn steckt seine Energie in den Bundestags-Wahlkampf

Einer, der gekommen ist, um zu bleiben

Yannik Rouault als Direktkandidat der ÖDP
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„Ich will nichts bereuen müssen oder mir denken, ich hätte mehr machen können.“ Der Ottobrunner Yannick Rouault kandidiert für die ÖDP für den Bundestag.

Der 27-Jährige Ottobrunner Yannick Rouault steckt bereits mitten im Wahlkampf: Er ist Direktkandidat der ÖDP im Landkreis München. Für ihn ist nach dem 26. September die politische Reise aber nicht zu Ende: Er will auch darüber hinaus das Gesicht der Partei im Landkreis sein.

Ottobrunn - Ein Fleckchen Grün im Landschaftspark vor einer mächtigen Buche, nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar – womöglich eine durchaus bewusste Wahl, die ÖDP-Bundestagskandidat Yannick Rouault als Ort für das Interview gewählt hat. Mit Picknick-

decke im Gepäck und legerer Kleidung macht er auf den ersten Blick einen entspannten Eindruck, wirkt nicht wie jemand, der bereits mitten im Wahlkampf steckt. Doch das trügt: Schon seit einigen Wochen macht der 27-Jährige auf verschiedenen Plattformen auf sich aufmerksam, produziert monatlich einer Folge seines Podcasts „Wie komme ich in den Bundestag fast?“ und steht an Infoständen in den Gemeinden. „Kleinparteien müssen deutlich früher mit dem Wahlkampf loslegen“, erklärt Rouault. Anders als Parteien, die bereits in dem Gremium vertreten sind, brauchen kleine Parteien, um überhaupt Direktkandidaten für Bundestagswahl aufstellen zu können, ausreichend Unterstützer-Unterschriften. Die benötigten 200 im Landkreis und 2000 in Bayern hatte die ÖDP schon fast erreicht, da wurde die Anzahl aufgrund der Corona-Pandemie auf 25 Prozent reduziert. Damit ist die erste Hürde genommen.

Doch die nächsten Hürden sind deutlich größer: Damit der Otto­brunner ein Bundestagsmandat erhält, müsste er entweder mehr Erststimmen als die Kandidaten der etablierten Parteien erhalten oder die ÖDP müsste ungefähr zwölf bis 14 Prozent der Stimmen holen, damit er über die Landesliste in das Gremium einzieht. Ein utopisches Vorhaben?

Wer dem freischaffenden Fotograf und Kameramann zuhört, hat nicht den Eindruck, einen Träumer vor sich zu haben. Rouault weiß, was er will. Er will der ÖDP im Landkreis ein Gesicht geben und für Kontinuität sorgen – etwas, das er bisher bei der Kleinpartei vermisst hat. „Wir wollen Strukturen schaffen, die bleiben“, erklärt er. Damit ist für ihn auch klar, dass er gekommen ist, um zu bleiben: „Wenn die ÖDP meine politische Heimat ist, werde ich auch weiter für sie antreten.“ Das nächste Ziel nach der Bundestagswahl wären die Landtagswahlen.

Doch warum mit 27 Jahren in den Bundestag? Und warum für die ÖDP? „Hätte mir das vor zehn Jahren jemand gesagt, hätte ich vermutlich gesagt ,Du spinnst‘“, erklärt er lachend. Politisch engagiert sei er aber schon immer gewesen. Rouault ist in die Grundschule an der Friedensstraße in Ottobrunn gegangen und war später auf dem Gymnasium Neubiberg. Dort war er im AK Bildungspolitik tätig, organisierte Schulstreiks und Podiumsdiskus­sionen. Um an einer Demonstra­tion teilzunehmen, hätte er auch schon mal die Schule geschwänzt und das Nachsitzen in Kauf genommen. „Ich hatte schon damals Lust, über Politik zu reden und den anderen Schülern die Zusammenhänge greifbar zu machen“, erinnert sich Rouault zurück. Der Gedanke, dieses Engagement bei einer Partei einzubringen, kam allerdings erst vor vier Jahren.

Seit 2017 ist er bei der ÖDP und kandidierte auch bei den vergangenen Kommunalwahlen 2020 für den Gemeinderat. „Dass ich da den Platz knapp verpasst habe, ärgert mich noch immer.“

Er ist in einem ökologisch geprägten Elternhaus aufgewachsen, ein Auto kaufte die Familie erst, als er und sein Bruder den Führerschein machten. Die Sorge um den Klimawandel und seine Auswirkungen prägte ihn bereits früh. Als er entschloss, sich für eine Partei zu engagieren, stand vor der Frage, ob Grüne oder ÖDP. „Das ist auch die häufigste Frage, die wir am Infostand bekommen“, erklärt der Halbfranzose. Für die Kleinpartei sprach für ihn vor allem, dass sie keine Wirtschaftsspenden annimmt und eine wachstumskritische Position vertrete. Das Volksbegehren Artenvielfalt hätte ihm außerdem gezeigt, dass die ÖDP aktiv Politik machen und etwas bewegen könne. „Vielleicht gefällt mir auch die Underdog-Position“, meint Rouault und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich bin immerhin auch Fan der Spielvereinigung Unterhaching.“

Als freiberuflicher Kameramann ist der Ottobrunner vor allem im Bereich Wissenschaftsjournalismus tätig und arbeitet an öffentlich-rechtlichen sowie privaten Fernsehproduktionen mit. Im Juni stellte er außerdem sein Foto-

Projekt „Manheim – Ein Dorf verschwindet“ zum Braunkohletagebau in Nordrhein-Westfalen im Ottobrunner Rathaus aus.

Im Rahmen seines Studiums an der Hochschule für Medien in Stuttgart produzierte er auch kurzzeitig eine Late-Night-Show, bei der er vor der Kamera stand. Damals hätte er aus der Erfahrung heraus mit dem Gedanken gespielt, Moderator zu werden. „Aber ich wollte die Leidenschaft für die Kamera nicht aufgeben“, meint er.

Wenn er in den Bundestag kommt, müsste er diese Leidenschaft, zumindest vorerst, aufgeben. Ist er bereit für dieses Opfer? „Ja, dann würde ich mich komplett darauf konzen­trieren und wäre voll und ganz Abgeordneter“, sagt Rouault und fügt nach kurzem Zögern hinzu „weil ich auch wirklich glaube, dass man es machen wollen muss und bereit sein, es zu tun“. Deshalb stecke er jetzt auch alles in den Wahlkampf: „Ich will nichts bereuen müssen oder mir denken, ich hätte mehr machen können.“

Nun geht für ihn alles darum zu zeigen, dass es noch eine andere Partei gibt, die sich ökologische Themen auf die Fahne geschrieben hat. „Die Zielgruppe ist da, man muss es den Leuten nur sagen“, ist er sich sicher. „Mein Wunsch ist eigentlich, dass irgendwann im Bundestag und Landtag nur noch Parteien vertreten sind, die ökologische Themen in verschiedenen Ausprägungen behandeln“, so Rouault. Am Ende doch ein Träumer? „Natürlich ist das utopisch, aber man muss auch noch ein bisschen träumen können.“

Iris Janda

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