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Dem „Discofieber“ vorbeugen

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Von: Iris Janda

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Die Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums konnten bei der Übung dabei zusehen, wie die Feuerwehr den Fahrer befreit.
Die Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums konnten bei der Übung dabei zusehen, wie die Feuerwehr den Fahrer befreit. © Iris Janda

Beim Aktionstag „Discofieber“ am Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching erfuhren Zehnt- und Elftklässler, welche Folgen das Eingehen von Risiken im Straßenverkehr für sich und andere hat.

Feuerwehrleute, Sanitäter, Kriseninterventionsteam und Polizei – jede Menge Einsatzkräfte tummeln sich vergangenen Mittwoch auf dem Parkplatz der Bayernwerk Sportarena in Unterhaching. An einem Baum steht ein verunglückter Kleinwagen, zwei junge Menschen müssen daraus befreit werden. Die Szenerie wirkt echt – lediglich die zahlreichen hinter einer Absperrung stehenden Schüler und Brandmeister Marco Scheimgraber von der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching, der die Aktion über ein Mikrofon kommentiert, passen nicht ins Bild. Die Rettungsaktion ist Teil von „Discofieber“, einem Aktionstag am Lise-Meitner-Gymnasium zur Prävention von Unfällen junger Autofahrer durch Alkohol, Drogen, Leichtsinn oder Ablenkungen etwa durchs Handy. Zum bereits fünften Mal fand der Aktionstag an der Schule statt.

Christopher Hübner, Englisch- und Geografielehrer sowie Verkehrsbeauftragter des Gymnasiums ist Organisator des Aktionstages, der vom Bayerischen Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung (ZPG) ins Leben gerufen wurde und gefördert wird. „Für mich ist das eine der besten Veranstaltungen zur Verkehrserziehung, bei der verschiedene Themen wie Alkohol, Drogen und auch Handy am Steuer aufgegriffen werden“, erklärt Hübner. Daran teilgenommen haben die Schüler der zehnten und elften Jahrgangsstufe, also junge Erwachsene, die derzeit oder demnächst ihren Führerschein machen.

Wie wichtig Prävention in dieser Altersklasse ist, zeigen die Unfallstatistiken. Auch wenn die Zahl der Menschen, die bei Verkehrsunfällen in Bayern sterben, seit vielen Jahren deutlich zurückgeht, sind junge Fahrer noch immer eine besonders gefährdete Gruppe. Die ersten zwei Jahre nach Erwerb des Führerscheins gelten als die unfallträchtigsten überhaupt. Laut einer Statistik verunglückt jeder vierte von ihnen am Wochenende – meist auf dem Heimweg von der Disco, einer Party, einem Volks- oder Dorffest. Die typischen Disco-Unfälle passieren dabei meist in der zweiten Nachthälfte beziehungsweise in den frühen Morgenstunden. „Discofieber“ soll die Jugendlichen dazu befähigen, ihre Risiken im Straßenverkehr zu erkennen und sie dazu bewegen, Verantwortung zu übernehmen.

Besonders die emotionale Seite wird bei dem Aktionstag in den Vordergrund gerückt. Vor der spektakulären Rettungsaktion erfahren die Schüler etwa drei Stunden lang aus erster Hand, welche Folgen sogenannte „Disco-Fahrten“ für Fahrer, Mitfahrer und im schlimmsten Fall für Hinterbliebene haben können und welche Belastung und Arbeit auch auf die Einsatzkräfte von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr zukommt.

Eine Beamtin vom Unfallkommando der Polizei München, ein Notfallsanitäter des Arbeiter Samariter Bund, ein Kollege des Kriseninterventionsteams und die Freiwillige Feuerwehr Unterhaching berichteten in der Aula des Gymnasiums von echten Einsätzen aus ihrem Berufsalltag. Des Weiteren schilderte ein Rechtsanwalt, welche rechtliche Konsequenzen Alkohol oder Drogen am Steuer für den Fahrzeuglenker haben können. An der Stille im Raum werde deutlich, wie sehr die Berichte der Einsatzkräfte die Schüler bewegen und nachdenklich stimmen, erzählt Hübner. Vorab seien die Schüler informiert worden, dass sie jederzeit den Raum verlassen können, wenn es ihnen zu viel werde, und mit den Sozialarbeitern sprechen können. Die emotionalen Geschichten seien der wichtigste Teil für die Prävention, meint der Verkehrsbeauftragte. Die Rettungsaktion am Ende bilde dazu einen guten Kontrast, bei dem die Schüler aus nächster Nähe sehen könnten, wie die Rettungskräfte bei einem Verkehrsunfall zusammenarbeiten und um das Leben der Verunglückten kämpfen.

In diesem Fall schnitten sie innerhalb von 15 Minuten den jungen Fahrer, einen Schüler, der mit künstlichem Blut präpariert wurde, aus dem Fahrzeug, indem das Dach entfernt wurde. Der Einsatz wurde von der Alarmierung der Rettungskräfte bis zum Abtransport der Verletzten realitätsnah durchgespielt.

Brandmeister Scheimgraber war für den Aktionstag nur voll des Lobes. „Das ist eine tolle Sache, wir unterstützen da jederzeit gerne wieder. Schließlich haben wir so auch auf lange Sicht weniger Einsätze.“ Zudem sei die Veranstaltung für sein Team auch eine gute zusätzliche Übung für den Ernstfall. Damit dieser erst gar nicht Eintritt, sind Präventionsaktionen wie „Discofieber“ am Lise-Meitner-Gymnasium das effektivste Mittel.

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