Ein Beispiel für gelebte Solidarität

Projekt „Nach-Tisch“ unterstützt Hilfebedürftige in Oberhaching

Ehrenamtliche des Projekts „Nach-Tisch“ aus Oberhaching mit Gemüsekisten in der Hand.
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Die ehrenamtlichen Helfer vom Projekt „Nach-Tisch“ unterstützen unbürokratisch und praktisch hilfebedürftige Familien in Oberhaching.

Lebensmittel retten und sozialschwache Familien unterstützen – in Oberhaching zeigt das Projekt „Nach-Tisch“, wie unbürokratische Hilfe aussehen kann.

Unbürokratische und praktische Hilfe für sozial benachteiligte Menschen leisten die Helfer des „Nach-Tischs“ in Oberhaching. Die Idee zum Projekt entstand aus der Not heraus, wie Initiator Claus Kröhl vom Helferkreis Asyl erklärt: „Als der Hachinger Tisch im Herbst wegen des Lockdowns geschlossen hat, dachte ich mir, man muss doch etwas tun und zumindest Lebensmittel in kleineren Mengen an Einzelne verteilen.“

Doch die großen Händler, die normalerweise übrig gebliebene, noch haltbare Ware an den Hachinger Tisch spenden, durften aus Haftungsgründen keine Lebensmittel an die Helfer ausgeben. Erst als er bei Gemüse- und Feinkosthändler Sinan Riedl nachfragte, hatte Kröhl einen ersten Unterstützer an Board.

Für die Verteilung waren schnell Judith Seifert und Hermann Riedel vom Helferkreis Asyl gewonnen. Nina Hartmann, Integrationsberaterin bei der Caritas in Oberhaching, koordinierte den Kontakt zu hilfesuchenden Familien. Denn: „derzeit sind es hauptsächlich Flüchtlinge, die wir mit Lebensmitteln beliefern“, erklärt Kröhl. Das liege daran, dass sie erst eine Berechtigung für den Hachinger Tisch erhalten, wenn die Art des Aufenthaltsstatus geklärt ist.

„Für uns stehen aber nicht die Flüchtlinge im Vordergrund, wir beliefern alle Personen, die nicht Tisch-berechtigt, aber hilfebedürftig sind“, betont Helfer Riedel, der die Lebensmittel immer mit seinem Lastenfahrrad verteilt. Wichtig sei, dass sich bedürftige Personen bei der Caritas melden. „Wer sich nicht meldet, dem können wir auch nicht helfen“, erklärt Hartmann.

Seit der Hachinger Tisch wieder offen hat, erhalten die Ehrenamtlichen von „Nach-Tisch“ auch dort wieder übrig gebliebene Lebensmittel. Freitagmittag, wenn die Ausgabe des Tisches vorbei ist, fahren die Helfer dorthin, um die Waren abzuholen – andernfalls würden diese im Müll landen. „Es bleiben vor allem viele Backwaren, aber auch Gemüse übrig“, erklärt Riedel. Gemüsehändler Riedl stellt samstags nach Ladenschluss Übriggebliebenes bereit. „Ich bin kein Fan davon, Lebensmittel wegzuwerfen, die noch genießbar sind“, erklärt Riedl seine Motivation.

Die Menschen, die sie beliefern, würden sich über alles freuen, was sie bekommen, weiß Seifert. „Was wir bekommen ist der Rest vom Rest“, hebt die Helferin hervor. „Am meisten freuen sich die Kinder. Die sind immer neugierig, was wir mitgebracht haben“, fügt Riedel lächelnd hinzu. Derzeit erhalten sechs Familien vom „Nach-Tisch“ Hilfe, mit mindestens vier Personen pro Familie. „Es sind auch alleinerziehende Frauen mit vier Kindern dabei“, erklärt Kröhl. Nachdem die Ehrenamtlichen die Nahrungsmittel abgeholt haben, sortieren sie diese vor und bringen sie zu den Familie nach Hause.

„Für mich ist das ein tolles Beispiel, wie gut der Helferkreis Asyl und die Caritas zusammenarbeiten“, sagt Nina Hartmann begeistert. „Ich bin total glücklich, dass aus dem Helferkreis solche Ideen kommen.“ Auch entstehe durch die Lebensmittellieferungen ein besserer Kontakt zu den Familien, die sich womöglich auch in anderen Fällen eher an die Caritas wenden, wenn sie Hilfe benötigen.

Neben der Hilfe für sozial benachteiligte Oberhachinger werde durch das Projekt auch ein wertvoller Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung getan. Dieser Aspekt war vor allem für Judith Seifert wichtig: „Es ist Wahnsinn, wie viel hier Lebensmittel weggeworfen werden. In anderen Ländern wie Frankreichs gibt es da schon viel strengere Regeln. Man muss dagegen angehen“, so die Ehrenamtliche. Für Hartmann sei das Projekt ein sehr gutes Beispiel für gelebte Solidarität: „Es braucht immer nur einen Menschen, der die Hand reicht.“

Iris Janda

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