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Respect Coaches an der Carl-Steinmeier-Mittelschule in Hohenbrunn

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Von: Iris Janda

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Mehrere Jugendliche strecken sich in einem Kreis Hände und Füße entgegen.
Die Respect Coaches zeigen Schülern in Hohenbrunn, wie ein respektvolles Miteinander funktioniert. © pixabay

Seit Oktober sind zwei Respect Coaches an der Carl-Steinmeier-Mittelschule in Riemerling tätig. Sie lehren den Umgang miteinander in unserer diversen Gesellschaft.

Die Welt, in der wir leben, wird immer komplexer und schnelllebiger. Was oftmals schon Erwachsene überfordert, ist für Kinder noch schwieriger. Deshalb reicht es längst nicht mehr aus, wenn an den Schulen nur Prozentrechnen, Gedichtanalyse und Englischvokabeln gelehrt werden. Auch Sozial- und Medienkompetenz sowie das respektvolle Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft müssen gelernt sein.

Genau da setzt die Arbeit von Barbara Schmidt und Florian Berwig an. Sie sind seit Oktober als Respect Coaches der Awo München-Land an der Carl-Steinmeier-Mittelschule in Riemerling tätig. Die Coaches veranstalten an der Schule präventive, aufklärende Projekte gegen Extremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit. Ihren Einstand hatten Schmidt und Berwig, die beide Politikwissenschaften studiert haben und sich später im Bereich Coaching und Pädagogik weitergebildet haben, im November. An vier Projekttagen veranstalteten sie in Zusammenarbeit mit den Jugendsozialarbeitern 15 Workshops unter dem Motto „Vielfalt ist eine Chance“.

Die Respect Coaches stehen zwar im engen Austausch mit den Kollegen aus der Jugendsozialarbeit, die bei akuten Streitigkeiten und Problemen vermittelnd einschreiten, ihre Arbeit setzt aber im Vorfeld an. „Wenn die Schüler sich prügeln, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen“, erklärt Berwig.

Die Absprache mit den Sozialarbeitern sei aber wichtig, um Rückschlüsse für die präventive Arbeit zu schließen. „Wir versuchen, durch Aufklärung akute Erscheinungen vorher abzufedern“, verdeutlicht der Coach.

Das deutschlandweite Projekt der Respect Coaches wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2018 entwickelt und wird von diesem finanziert. Es ist Teil des Jugendmigrationsdienstes (JMD), dessen Aufgaben verschiedene Träger wie zum Beispiel die Awo übernehmen.

Die Arbeit der Coaches richtet sich an Schüler nach der Grundschule von 10 bis 27 Jahren. „Auch wenn wir von Gesprächen mit den Jugendsozialarbeitern in der Grundschule wissen, dass die das auch schon gebrauchen könnten“, meint Berwig. Von der Mittelschule über das Gymnasium bis zur Berufsschule sind die Respect Coaches an allen Schulformen aktiv. „Eine Mittelschule braucht unsere Arbeit nicht mehr, nur weil dort in der Regel mehr zu integrierende Schüler sind“, erklärt der Coach. „Es braucht jeder, überall!“

Die Coaches erstellen für die jeweilige Schule, die sie betreuen, ein Präventionskonzept je nach dortigem Bedarf. Die Themen reichen von Rassismus und Extremismus über Aufklärung zu den Herausforderungen der LGBTQ*-Gemeinde bis hin zu digitaler Medienkompetenz. Der richtige Umgang mit dem Internet sei besonders wichtig. „Die Kinder kennen sich heutzutage zwar mit der Technik aus, aber sie können die langfristigen Folgen von ihren Handlungen im Netz nicht abschätzen“, erklärt Berwig. „Wenn ich früher einen Blödsinn in der Schule gemacht habe, blieb davon nichts nachhaltig zurück. Heute vergisst das Netz aber nicht.“

Viele Themen, eine Botschaft

Bei allen Themen geht es um die menschliche Diversität. „Wir haben die Vielfalt, wir sollten sie wahrnehmen und sollten sie als Chance erkennen“, sagt der Coach. Andernfalls bestehe die Gefahr, jemanden zu verletzen, was nachhaltige Folgen haben könne.

Die Gruppenstunden geben die Coaches je nach Themenbereich selbst oder laden dazu Experten ein, zum Beispiel von Fachstellen zum Thema Sexualität oder aus verschiedenen Religionsgruppen. „Der Form der Aufklärungsarbeit sind kaum Grenzen gesetzt“, sagt Berwig. Die Inhalte können durch Workshops, Vorträge, Ausstellungen oder künstlerische Bildungsarbeit vermittelt werden.

Wichtig ist für die Coaches neben der Arbeit mit den Schülern auch die Kooperation mit der Schulleitung und den Lehrern. So müssten diese Stunden von der Unterrichtszeit abgeben. „Das ist sehr wichtig, weil unser Coaching so als Schulpflicht gilt. Dadurch ist garantiert, dass alle Schüler auch daran teilnehmen.“

Wie konkret die Arbeit der Respect Coaches aussieht, konnten die fünften Klassen und die Deutschklasse Ende November an der Carl-Steinmeier-Mittelschule erleben. In den Workshops haben sie nicht nur erfahren, was Vielfalt und respektvoller Umgang damit bedeutet. Sie haben durch die Gemeinschaftsprojekte auch gelernt, was es bedeutet, Kompromisse einzugehen, sich miteinander auszutauschen und Meinungsverschiedenheiten respektvoll zu klären.

Besonders vom Workshop mit einem Rapper schwärmt Berwig. Am Anfang hätten sich die Schüler noch wild beschimpft. Der Rapper habe dann mit den Schülern die Beschimpfungen aufgearbeitet und erklärt, warum sie nicht verwendet werden sollten. Durch den Workshop hätten die Kinder gelernt, wie man sich in Form eines Rap-Battles respektvoll beschimpfen kann, ohne den anderen zu beleidigen. „So haben die Schüler nun ein dauerhaftes Mittel an der Hand, wie sie ihrer Wut Ausdruck verleihen können, ohne respektlos zu sein.“

Die Coaches haben an der Mittelschule bewusst mit den fünften Klassen gestartet, weil sie diese am längsten begleiten können. „Wir hoffen, dass wir durch unseren Einstand mit den Projekttagen die Schüler für unsere Coaching-Arbeit geöffnet haben“, meint Berwig. Derzeit arbeiten er und seine Kollegin die Projekte und Aktionen für das kommende Jahr aus. Es gehe darum, dauerhaft und regelmäßig mit den Schülern zu arbeiten. „Wenn wir so 40 Aktionen machen können, wäre das super.“

Iris Janda

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