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Taufkirchen will Gewerbegebiet am Bahnhof neu strukturieren

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Von: Iris Janda

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Luftbild des Areals zwischen Eschenstraße, S-Bahn, Lindenring und Waldstraße in Taufkirchen.
Zukunftsfähig und modern soll das neue „Quartier am Bahnhof“ in Taufkirchen werden. © Marcus Schlaf

Einladend ist es nicht, das Gewerbegebiet am Bahnhof von Taufkirchen. Die Gemeinde möchte das gemeinsam mit den beiden Großeigentümern ändern und hat nun den Startschuss für das „Quartier am Bahnhof“ gegeben.

„Dass sich hier etwas ändern wird, pfeifen die Spatzen von den Dächern“ – mit hier meint Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander (parteilos) das Areal zwischen Eschenstraße, S-Bahn, Lindenring und Waldstraße. Das Gewerbegebiet mit Eschen- und Lindenpassage stammt aus den 70er-Jahren und hat mit Leerstand sowie in die Jahre gekommener Bausubstanz zu kämpfen. Nun gibt die Gemeinde mit dem Projekt „Quartier am Bahnhof“ den Startschuss für eine Entwicklung hin zu einem modernen, klimagerechten Viertel. „Ein über zehn Hektar großes Gebiet in S-Bahnlage ist einzigartig im Raum München“, meint Christian Hörmann, der für das Vorhaben beauftragte Projektsteuerer der Cima GmbH, zum Potenzial des Areals.

Das Gebiet liegt größtenteils in der Hand zweier großer Grundstückseigentümer, dem Grünwalder Projektentwickler Rock Capital und der Bäckerei Genossenschaft Bäko. Diese „übersichtliche Eigentümerstruktur“ biete für das Areal eine „historische Chance für einen Neuanfang“, so der Rathauschef. Die Firma Bäko denke schon länger über eine Verlagerung ihrer Betriebsflächen nach, was zusätzlich Anlass für ein Überdenken der Struktur des Gebietes gab. Beide Großeigentümer sind in den Prozess eng eingebunden, der in einem Dialogverfahren entstehen soll. Ebenso sollen die Bürger und die Regierung von Oberbayern im Rahmen des Städtebauförderprogramms „Soziale Stadt“ in die Projektentwicklung eingebunden werden.

Der Fokus soll wie bisher auf der Gewerbenutzung liegen. „Es wäre fahrlässig diese Gewerbeflächen abzugeben“, meint Sander mit Blick auf die Finanzlage der Gemeinde. Allerdings soll es auch Flächen für Wohnen, Soziales und Kultur geben. Einrichtungen wie etwa das Jugendzentrum sollen auch in Zukunft in dem Quartier Platz finden. Zusätzlich sollen attraktive, grüne Freiflächen mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen. Beim Thema Klimaschutz müsse in völlig neuen Wegmarken geplant werden, etwa was Energielösungen, Konzepte für ein gesundes Mikroklima und klimaresiliente Grünplanung betreffe.

Expertengremium sichtet Entwürfe

Im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung soll in den kommenden drei Monaten ein erstes städtebauliches Konzept für das Areal erstellt werden. Dazu hat die Gemeinde die drei namhaften Architektur-Büros Kehrbaum Architekten, steidle Architekten sowie HENN Architekten beauftragt. Diese zeichnen unter anderem für die Entwicklung des Werksviertel Mitte am Ostbahnhof oder die Neuentwicklung des Gasteigs verantwortlich.

Die Büros erhalten eine Aufgabenbeschreibung, die auf den Ergebnissen des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) fußt. Dieses wurde im Zuge der „Sozialen Stadt“ vom Büro Dragomir von 2015 bis 2018 ausgearbeitet. „Die Entwicklung des Areals ist Kernpunkt des ISEKs“, betont Bauamtsleiter Stefan Beer. Das Gebiet sei die Quintessenz der weiteren Entwicklung von Taufkirchen.

Ein Expertengremium, bestehend aus Vertretern der Gemeinde, der Fraktionen, den beiden Eigentümern, der Regierung von Oberbayern sowie externen Fachleuten, wird Ende Februar 2022 die Entwürfe sichten und ein Ranking erstellen. Das Büro Dragomir wird als nicht stimmberechtigter Berater die Vorprüfung der Entwürfe übernehmen. Die Rangfolge der Entwürfe soll im März dann dem Gemeinderat präsentiert werden, der entscheidet, welche Idee weiter verfolgt wird. Danach erfolgt ab Ende März 2022 die Beteiligung der Bürger in Form von verschiedenen niederschwelligen Angeboten.

Auch wenn die Investitionslast beim Eigentümer liegt, „bis zum Schluss hat die Gemeinde das Heft des Handelns in der Hand“, betont Projektsteuerer Hörmann. Daher werde im engen Dialog mit den beteiligten Akteuren gearbeitet. Da solche Prozesse langwierig sein können, sei es schwer, einen Zeithorizont zu nennen. Die intensive Arbeit beginne erst nach der Vorlage der Entwürfe im Frühjahr. Christian Hörmann von Cima ließ sich auf eine vorsichtige Schätzung ein: Aus der Erfahrung mit ähnlichen Projekten könne bei bestmöglichem Verlauf frühestens 2025 mit ersten Arbeiten auf dem Areal gerechnet werden.

Iris Janda

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