Taufkirchner Gemeinderatsmitglied legt Mandat nieder  

Weniger Politik senkt den Blutdruck

Matteo Rudolph
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Matteo Rudolph, der vor seiner Heirat Dolce hieß, tritt von seinem Amt als Gemeinderatsmitglied zurück.

Matteo Rudolph änderte nicht nur seinen Nachnamen von Dolce in Rudolph, sondern künftig auch seinen Wohnort. Der 31-Jährige zieht nach München und legt damit sein Ehrenamt als Taufkirchner Gemeinderatsmitglied nieder. Mit HALLO spricht er über die vergangenen sieben Jahre.

HALLO: Am 24. Juni fand die letzte Sitzung mit Ihnen als Gemeinderatsmitglied statt, bevor Sie von Taufkirchen nach München ziehen. Wie geht es Ihnen mit dem Ende Ihres Mandats?

Rudolph: Es ist schon schwer, die Fraktions- und Parteikollegen zu verlassen, weil man sich natürlich deutlich weniger sehen wird. Das schmerzt schon ein bisschen. Die Aufgabe an sich hat mir auch Spaß gemacht. Menschlich gesehen gehe ich mit einem weinenden Auge. Wegen des Frustrationspotenzials, das die Politik mit sich bringt, werde ich in Zukunft aber sicherlich einen niedrigeren Blutdruck haben (lacht).

Das heißt, Sie wollen sich jetzt erst mal eine Pause von der Politik nehmen?

Ich werde mich jetzt nicht gleich wieder in die nächste Aufgabe stürzen, aber habe zu dem SPD-Ortsverein Obermenzing schon Kontakt aufgenommen und werde Veranstaltungen beiwohnen und sehen, wie man sich einbringt. Aber ich muss jetzt nicht gleich an vorderste Front.

Auf welche Momente aus Ihrer Amtszeit in Taufkirchen blicken Sie zurück, die Ihnen in Erinnerung bleiben?

Sicherlich war einer der heraus­forderndsten Momente die Flüchtlingsbewegung 2015, kurz nach dem Antritt meiner Amtszeit.

Warum?

Plötzlich hat man sehr deutlich den Charakter einzelner Mandatsträger in Taufkirchen wahrgenommen.

Können Sie das konkretisieren?

Es ist so: Es gibt wenig Kritikpunkte, aber damals war auch seitens des Bürgermeisters und einzelner Gemeinderäte nicht der Wille erkennbar, wirklich Gas zu geben und sich der Aufgabe zu stellen. Das war eine der größten Herausforderungen – auch politisch –, die wir auszuhalten hatten, weil natürlich auch gewisse Ängste in der Bevölkerung da waren. Da hätte ich mir gewünscht, dass wir uns als Gemeinde dieser Herausforderung stellen; und zwar positiv stellen.

Was wäre ein anderer Ansatz gewesen?

Es gab eine sehr hohe Einsatzbereitschaft in der Bevölkerung. Man hätte als Gemeinde einfach mehr unterstützen können.

Im vergangenen Jahr traten Sie als Bürgermeisterkandidat für Taufkirchen an. Wie hat diese Erfahrung Sie geprägt?

Der politische Ton wird rauer. Manche werden aggressiver oder fahren plötzlich einen Kuschelkurs. Ich weiß gar nicht, ob auch ich mich im Wahlkampf verändert habe. Ich habe immer versucht, keine „Rolle“ zu spielen, sondern der Gleiche zu bleiben, der ich immer bin.

Was hat Ihnen an der Kandidatur am besten gefallen?

Für mich war es eine sehr schöne Erfahrung, weil man mit wahnsinnig vielen Menschen ins Gespräch kommt – auch wenn sie einem sagen: ‚Ich wähle Sie nicht‘, fand ich es schön, die Position oder die Gründe dahinter zu hören.

Wenn auch nicht als Bürgermeister; auf welche Entwicklung, die Sie begleitet haben, sind Sie besonders stolz?

Dass wir in Taufkirchen nun eine Notrufsäule mit Defibrillator am Bahnhof haben. Das war ein unmittelbarer Antrag, bei dem ich weiß: ‚Wenn ich damals diesen Antrag nicht gestellt hätte, würde es das heute nicht geben.‘ Auch die großen Projekte, die man mit unterstützt hat, sind schön.

Welche Projekte meinen Sie?

Zum Beispiel der Neubau der Grundschule, der auch eine der größten Aufgaben der nächsten Jahre darstellen wird. Es ist natürlich schön, wenn man weiß, dass man da mitgewirkt hat.

Gibt es Entwicklungsschritte, die Sie gern noch weiter begleitet hätten?

Ja. Eine der größten Punkte, in die ich mich schon gerne weiter eingebracht hätte, ist die Gesamtentwicklung. In der Frage, welche Flächen in Zukunft in Taufkirchen bebaut werden, verstehe ich mich als jemanden, der vieles gern bewahrt hätte. Entwicklung ist wichtig, aber ich erlebe, dass von Jahr zu Jahr immer dann, wenn eine Fläche bebaut wird, doch darüber nachgedacht wird, auch die Nachbarfläche zu bebauen. Ich gehe davon aus, dass Taufkirchen in 100 Jahren genauso verstädtert sein wird wie München. Diese Entwicklung hätte ich schon gerne mit beeinflusst beziehungsweise verhindert.

Lukas Hein wird Ihren Platz einnehmen. Ein guter Nachfolger?

Ich hätte nicht gedacht, dass die Fraktion sich noch verjüngen wird. Ich bin froh, dass er mit seinem noch jüngeren Elan reingeht. Er ist auch gut vernetzt, ist im Sportverein aktiv, studiert Politikwissenschaft und ist ein sehr sympathischer, kluger Kopf. Er wird sicherlich eine Bereicherung für den Gemeinderat sein.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Gemeinde?

Das ist abhängig von Entwicklungen, die ich heute noch nicht absehen kann, aber generell wünsche ich mir, dass Taufkirchen im Gemeinderat und der Verwaltung Entscheidungsträger hat, die sich bei ihren Entscheidungen auch moralisch immer selbst fragen, ob sie jetzt wirklich gerade das Beste für die Gemeinde und ihre Bürger machen und danach dann auch handeln.

Interview: Melanie Schröpfer

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