1. tz
  2. München
  3. Region
  4. Hallo München

„Helfen ist für mich eine Selbstverständlichkeit“

Erstellt:

Von: Verena Rudolf

Kommentare

In der Ukraine hilft der 22-jährige Student Moritz Baller aus Taufkirchen sowohl Menschen als auch Tieren. Baller ist derzeit in der Nähe der polnisch-ukrainischen Grenze und kümmert sich dort um ein Auffanglager für zurückgelassene Haustiere.
In der Ukraine hilft der 22-jährige Student Moritz Baller aus Taufkirchen sowohl Menschen als auch Tieren. © oh

Es sei sein großes Ziel, die Hilfsbereitschaft hier in der Region für die Menschen in der Ukraine weiter aufrechtzuerhalten, sagt Moritz Baller. Unermüdlich seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine setzt sich der Taufkirchner für Menschen und Tiere im Kriegsgebiet ein.

Seit mehr als 130 Tagen herrscht in der Ukraine Krieg. Ein Land mit seinen Menschen befindet sich seit über vier Monaten im Ausnahmezustand.

Ebenso wie im Leben der Ukrainer hat sich bei Moritz Baller, 22, aus Taufkirchen seither einiges getan. Anstatt in Ruhe daheim seine Bachelor-Arbeit im Fach Mechatronik Fernwerktechnik zu schreiben, war Baller allein in den vergangenen Tagen mehrmals in der Ukraine. Tatenlos zusehen, entspricht nicht Ballers Naturell. Seit Russland die Ukraine angegriffen hat, ist Baller gemeinsam mit Freunden und seiner Familie aktiv und immer wieder in der Ukraine, um Menschen und Tieren vor Ort zu helfen (HALLO berichtete).

Tausende an Kilometern haben Baller und sein Hilfsteam in den vergangenen Wochen und Monaten zurückgelegt, um in Taufkirchen gesammelte Sachspenden abzugeben. Ob medizinische Produkte, Nahrungsmittel oder Hygieneartikel — alles, was in der Ukraine dringend benötigt wird, findet in den Transportern Platz. Die nächste offizielle Fahrt ist für Freitag, 8. Juli, angesetzt.

Moritz Baller ist bereits seit knapp einer Woche wieder in der Ukraine. Kurz nach dem Telefonat mit HALLO setzte sich der 22-Jährige vergangene Woche wieder in sein Auto mit Ziel Kriegsgebiet. Ein Freund, Janick, habe in der Nähe der polnisch-ukrainischen Grenze ein Hunde-Shelter aufgebaut, so berichtet Baller. Nun sei Janick nach Polen ausgereist, um Hundefutter zu kaufen. Da er sich aber bereits seit über 90 Tagen im Land aufgehalten habe, ließen die Grenzbeamten Janick nun nicht wieder in die Ukraine einreisen.

Für Baller ist die Entscheidung klar: Er wird sich vorläufig um das Shelter, das Auffanglager für herrenlose Haustiere, kümmern. „Das muss sein, es bleibt nichts Anderes übrig“, sagt er. Für ihn gäbe es gar keine andere Wahl, es sei sein Schicksal und für ihn eine Selbstverständlichkeit, sofort in die Ukraine aufzubrechen. Und die Bachelor-Arbeit? Die könne er ja auch dort schreiben und hoffen, dass sein Freund bald wieder einreisen darf.

An die Schrecken des Krieges habe er sich nach all den Fahrten mittlerweile fast gewöhnt. „Es ist leider so, dass ein Luftalarm seine Bedrohlichkeit verloren hat“, erzählt er. Anfangs habe man noch das Gefühl gehabt, sich so schnell wie möglich in einem Bunker in Sicherheit zu bringen. „Doch mittlerweile geht es mir so wie vielen Ukrainern. Es gibt die Arbeit, die erledigt werden muss, und so macht man trotz Luftalarms einfach weiter.“ Dennoch versuche er natürlich das Risiko, so gut es geht, einzuschätzen und Schritte und Handlungen abzuwägen.

An das, was er vor Ort mitbekommt, daran habe er sich allerdings nicht gewöhnt. „Es ist unglaublich zu sehen, was für Spuren der Krieg hinterlässt. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Russen wahllos zerstören. Ich habe so viele zerstörte Häuser gesehen, die definitiv keine militärischen Ziele waren“, so Baller und fügt hinzu: „Sieht man zum Beispiel eine Kinderjacke im Treppenhaus liegen, so kann man erahnen, in welcher Panik die Menschen ihr Haus verlassen haben, dass sie nicht mal mehr zurück sind, als eine Kinderjacke zu Boden fiel. Solche Bilder hinterlassen bei mir einen bleibenden Eindruck.“Und ebenso wie so viele Ukrainer möchte Baller verstehen. Verstehen, welches Ziel Putin verfolgt. Verstehen, warum die Russen wahllos Zerstörung anrichten und ausgerechnet nachts Raketen abschießen, damit die Menschen aus dem Schlaf hochschrecken und Panik bekommen. „Wohin führt das alles? Wie lange geht das noch? Das sind die Gedanken, die ich so habe“, sagt Baller. Dann aber schieben sich praktische Überlegungen dazwischen und Baller wird wieder zum Handelnden, zum praktischen Helfer in der Not.

Selbstlos zu sein und andere gerne zu unterstützen, so sei er schon als Jugendlicher gewesen, erzählt Baller. „Ich bin so aufgewachsen und erzogen worden.“ Seine Eltern würden ihn auch jetzt bei seinem Engagement für die Ukraine sehr unterstützen. „Ich melde mich von der Ukraine mehrmals täglich bei ihnen, um sie zu beruhigen, dass es mir gut geht, aber auch um Rückmeldung zu bekommen, was es bei ihnen Neues gibt.“ Denn: Nach wie vor werden Sachspenden gesammelt. „Das ist unser großes Anliegen — jetzt, wo der Krieg schon so lange anhält: Die Hilfsbereitschaft der Menschen hier daheim aufrechtzuerhalten.“

Im Internet unter www.moritz-baller.de gibt es eine aktuelle Bedarfsliste an Spenden, die dringend benötigt werden. Ob medizinische Produkte wie Erste-Hilfe-Kästen, Nahrungsmittel wie Energieriegel oder Fertiggerichte oder Hygieneartikel und Futter für Tiere.

Am Freitag, 8. Juli, geht es wieder in die Ukraine. „Wir benötigen dringend Spenden entsprechend unserer Sachspendenliste auf der Homepage und auch gerne finanzielle Unterstützung“, ergänzt Matthias Baller, der Vater von Mortiz. Die Spenden können in Taufkirchen bei Matthias Baller nach telefonischer Vereinbarung abgegeben werden. Auch dazu gibt es ständig aktualisierte Informationen unter www.moritz-baller.de.

Auch interessant

Kommentare