„Immer geht es gegen die Hunde“

Unterhaching: Strengere Kontrollen entlang der Hundemeile

Ein Mann geht mit seinem Hund entlang eines Feldweges Gassi.
+
Die Gemeinde Unterhaching möchte künftig die Einhaltung der Regeln entlang der Hundemeile im Landschaftspark strenger kontrollieren.

Einen zweiten Zaun wird es entlang der Hundemeile zwar nicht geben, dennoch bleibt der Beschluss des Unterhaching Ferienausschusses vom August 2020 für Hundebesitzer nicht ohne Konsequenzen. Diese sind nun verärgert, dass ihre Vierbeiner an den Pranger gestellt werden.

Anlass für die Debatte um die Hundemeile, dem Freilauf-Bereich im nördlichen Teil des Landschaftsparks, war ein Antrag der CSU-Fraktion zur Erweiterung eben jener. Eine Verbreiterung der 1,6 Kilometer langen Strecke von fünf auf zehn Meter wurde mit einer Mehrheit aus CSU und Grünen beschlossen. Als Voraussetzung dafür wurde allerdings von der Unteren Naturschutzbehörde der Bau eines Zauns zur Abgrenzung der von Bodenbrütern genutzten Wiesen auferlegt.

Vehementer Protest aus der Bürgerschaft, die mit ihrer Initiative „Artgerechte Hundemeile“ 1180 Unterschriften gesammelt hatte, und ein Antrag von SPD und Freien Wählern führten dazu, dass der Beschluss nun im März erneut auf der Agenda stand.

Ausführlich erörterte die Verwaltung in ihrer Sitzungsvorlage, dass die derzeitige Nutzung der Hundemeile nicht mit dem übereinstimme, was 2008 zu ihrer Einführung beschlossen wurde. So hieß es damals, dass die Ausweisung zur Hundemeile zurückgenommen werden muss, wenn sich zeige, dass die Hunde weit mehr als fünf Meter Auslauf verwenden und die angrenzenden Wiesen unverhältnismäßig stark verschmutzen. Genau das sei laut Verwaltung zu beobachten. Die Disziplin der Hundehalter habe über die Jahre abgenommen. So würden die Vierbeiner immer weiter in die Grünflächen hineinlaufen und dort Löcher graben. Auch der Kot werde weniger entsorgt, umso weiter die Tiere von der eigentlichen Hundemeile entfernt sind.

Hundekot und Löcher stellen für die Landwirte, die die Wiesen im Sommer kostenneutral mähen, ein großes Problem dar. „Die von uns beschäftigten Landwirte haben verstärkt festgestellt, dass sich das Grüngut nicht mehr zur Verfütterung eignet, weil da Hinterlassenschaften der Hunde drinnen sind“, erklärt Rathaussprecher Simon Hötzl. Im Hundekot können sich die Eier eines speziellen Parasiten befinden.

Bei Milchkühen, die den belasteten Kot übers Futter aufnehmen, kann es dadurch zum Befall verschiedener Organe, des Fötus und der Fruchthülle kommen. Beschwerden dieser Art gebe es schon über Jahre hinweg und hätten in letzter Zeit verstärkt zugenommen. Der Bereich unmittelbar um die Hundemeile werde ohnehin nicht als Futtermittel verwendet, aber auch bei der regulären Wiesenmahd wäre bei der Durchsicht vermehrt Hundekot aufgefallen. Wenn die Landwirte aus diesen Gründen nicht mehr die Flächen bewirtschaften möchten, muss die Gemeinde die Pflege auf eigene Kosten übernehmen.

Unabhängig davon gebe es auch beim Thema Artenschutz dringliche Argumente, die gegen eine Ausweitung der Hundemeile sprechen. So zeige sich ein deutlicher Rückgang der als besonders geschützt geltenden Feldlerche. Bis zum Jahr 2013 konnten auf dem Wiesenstreifen zwischen Startbahn und Bundeswehr-Zaun noch fünf bis sechs Brutpaare gezählt werden. Seitdem nehme die Population kontinuierlich ab.

2019 wurde die Feldlerche auf der Fläche vollständig vergrämt, 2020 gab es immerhin wieder zwei Brutpaare. „Ein Zusammenhang mit der intensiven Nutzung als Hundemeile gilt als sehr wahrscheinlich“, so die Verwaltung. Kartierer der Unteren Naturschutzbehörde hätten beim Monitoring vor Ort beobachten können, dass die freilaufenden Hunde eine Störung der Brutpaare darstellen, „weil sie die möglicherweise gerade brütenden Feldlerchen aufscheuchen“. Dadurch könne es leicht zum Auskühlen der Eier und zur Aufgabe der Brut kommen.

Aus diesem Grund sei eine Nutzung als Hundemeile auch nicht mit den fachlichen Anforderungen an ökologische Ausgleichsflächen, wie es die Wiesen im Landschaftspark sind, vereinbar. Die Nutzung einer Hundemeile auf der ökologischen Ausgleichsfläche hat die Untere Naturschutzbehörde bisher lediglich geduldet. Daher ist eine Rückkehr zum status quo laut Verwaltung nicht mehr möglich, obwohl der Gemeinderat jetzt einstimmig die Entscheidung des Ferienausschusses aufgehoben hat. Die Gemeinde müsse in Zusammenarbeit mit der Behörde ein stringentes Konzept zur Überwachung der Regeln und der konsequenten Ahndung von Verstößen erarbeiten sowie die Aufklärung, etwa durch mehr Beschilderung, verstärken.

Die Hundehalter sind verärgert, dass ihre Tiere an den Pranger gestellt werden. „Wir sind zwar froh, dass der Zaunbau abgewendet wurde, aber wie diese Diskussion geführt wurde, hat mich extrem enttäuscht“, sagt Claudia Thielen, Initiatorin der Bürgerinitiative. Über eine artgerechte Hundemeile sei in der Sitzung nicht diskutiert worden. Vielmehr hätte die Verwaltung fadenscheinige Argumente herangezogen, zu der der Initiative jeglicher Beleg fehle.

„Die Stellungnahme der Behörde, die keiner im Wortlaut kennt, rückt die Gemeinde nicht raus. Unsere Anfragen bleiben unbeantwortet, da stellt sich die Gemeinde tot“, zeigt sich Thielen verärgert. Die Wiesen seien hoch frequentiert und werden von Freizeitsportlern und Spaziergängern extensiv genutzt. „Es kann keiner verifizieren, dass der Hund daran Schuld ist“, meint Thielen zum Rückgang des Bodenbrüter-Bestands.

„Das ist richtig frustrierend, immer geht es gegen die Hunde“, so die Neubibergerin. Sie und ihre Unterstützer wünschen sich eine gleichwertige Behandlung aller Nutzergruppen und vor allem Einsicht in die Stellungnahme der Naturschutzbehörde. „Wir hätten das gerne selbst juristisch überprüft, aber die Verwaltung ermöglicht es uns nicht. Das werden wir uns nicht gefallen lassen“, betont Thielen.

Die strengeren Kontrollen werden sich nicht auf eine Nutzergruppe beschränken, betont Simon Hötzl: „Regelverstöße werden geahndet, ungeachtet davon, ob sie durch Hund oder Mensch erfolgen. Die Feldlerchen dürfen nicht gestört werden.“ Laut Hötzl geben es keinen Grund, der Gemeinde zu unterstellen, sie würde Informationen zurückhalten. „Wir haben alle Beschlüsse und grundliegende Unterlagen der Sitzungsvorlage beigefügt“, erklärt er. Die Vorschläge der Behörde seien in der Vorlage im Volltext zitiert worden. Im einseitigen Schreiben der Behörde werde im Allgemeinen davon gesprochen, dass Hunde Bodenbrüter stören können. „Wir haben daraus zitiert. Mehr steht im Kern in dem Schreiben nicht drinnen“, so Hötzl weiter.

Iris Janda

Weitere Nachrichten aus der Region finden Sie in unserer Übersicht.

Besuchen Sie HALLO auch auf Facebook.

Auch interessant

Kommentare