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Unterhachinger Verein setzt sich für Lebensmittelrettung ein

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Von: Iris Janda

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Lebensmittelretter aus Unterhaching.
Blumen, Margarine, Backwaren, Gemüse – all das wäre ohne die fleißigen Lebensmittelretter aus Unterhaching im Müll gelandet. © ija

Beim Unterhachinger Verein für Lebensmittelrettung und gegen Ressourcenverschwendung wandert nichts in den Mülleimer. Dabei stehen das freundliche Miteinander und der Einsatz für die gemeinsame Sache im Vordergrund.

Wer montags gegen 10 Uhr im kleinen Turnerweg in Unterhaching bei Sabine Spieler ankommt, ist sofort mitten im Geschehen. Mehrere Frauen räumen und sortieren fleißig Lebensmittel in der kleinen weißen Hütte in der Einfahrt, laufend fahren Menschen mit dem Auto vor und bringen kistenweise Obst, Gemüse und Backwaren vorbei. Mittendrin wuselt die 34-jährige Spieler, Hausherrin und Gründerin des Vereins für Lebensmittelrettung und gegen Ressourcenverschwendung, zwischen Helfern, Lebensmitteln und Kaffeetisch hindurch. Sie begrüßt die ankommenden Lebensmittelretter, hilft beim Einräumen und bietet immer wieder zwischendurch Kaffee und Krapfen an.

Den gemeinnützigen Unterhachinger Verein gibt es seit 2020. Aktive Mitglieder zahlen seit vergangenem Jahr 12,50 im Monat und dürfen sich so viele der geretteten Lebensmittel wie möglich mitnehmen. Diese stammen derzeit von sechs Supermärkten und Discountern sowie einem Bäcker aus der Region. Der Verein erhält die Speisen erst, nachdem die Tafeln ausgesucht haben, was sie benötigen. „Es ist Wahnsinn, wie viele Lebensmittel übrig bleiben, allein bei einer einzigen Filiale“, sagt Spieler. „Wenn ich mir überlege, wie viele Märkte es allein in München und Umgebung gibt, das sind Unmengen an Lebensmitteln, die containerweise weggeworfen werden.“

Verdorbenes wird aussortiert

In der weißen Hütte werden die Lebensmittel von den Umverpackungen getrennt und in verschiedenen Kartons sortiert. „In den Paketen ist schon mal eine Paprika dabei, die schlecht ist, die sortieren wir dann aus“, erklärt eine der Helferinnen. Das bedeutet aber nicht, dass diese in den Müll wandert – bei den Lebensmittelrettern wird alles verwertet. „Wir haben ein Vereinsmitglied, das einen Hof mit Hühnern hat, die freuen sich darüber“, meint Spieler lachend.

Auch unterstützen die Lebensmittelretter viele Vereine, etwa die AWO in Ottobrunn bei ihrem wöchentlichen Mittagstisch oder Tierschutzvereine wie die Igelstation. Für die sammeln die Ehrenamtlichen auch Zeitungspapier. Außerdem gibt es ein Helfer-Team, das Gemüse einkocht und damit die Obdachlosenhilfe an der Münchner Freiheit unterstützt. Und aus den Bioabfällen, die am Ende übrig bleiben, machen einige der Mitglieder am Ende noch Bokashi-Dünger.

Vereinszweck ist der Umweltschutz, jeder kann Mitglied werden, egal ob Gutverdiener oder Sozialhilfeempfänger. „Mir ist egal, ob jemand mit dem Porsche oder dem Radl vorfährt, Hauptsache die Lebensmittel werden verwertet“, verdeutlicht Spieler. Viel wichtiger als das Einkommen sei die richtige Einstellung der Mitglieder. „Wir nehmen gerne Leute auf, die gut ins Team passen und für die die Lebensmittelrettung im Vordergrund steht“, erklärt Spieler.

Verschenkergruppe für Gebrauchtes

Alle sind über verschiedene WhatsApp-Gruppen vernetzt, neben Infos zu geretteten Lebensmitteln gibt es auch eine Verschenkegruppe, in der gebrauchte Gegenstände getauscht werden. Lieferungen treffen täglich bei Spieler ein, auch wenn montags mit den Resten vom Wochenende immer am meisten ankommt. Und nicht nur in der Früh, auch noch am Nachmittag oder am Abend kann es passieren, dass sich einer der Märkte kurzfristig meldet und noch Ware abzugeben hat. So zum Beispiel am Vortag eine Bäckerei aus Ottobrunn, die kistenweise Krapfen übrig hatte. In solchen Fällen reicht eine Nachricht in die Gruppe und schon ist ein Abnehmer gefunden.

Bei dem Verein geht es für viele Mitglieder um mehr als den Umweltschutz-Aspekt, die Gemeinschaft und das freundschaftliche Miteinander sind ebenso wichtig. Bei Kaffee und Tee wird geplauscht, über die Vernetzung per WhatsApp und Facebook nehmen die Mitglieder Teil an den Rettungsaktionen der anderen. Gerade während Corona seien diese Begegnungen so wichtig gewesen, erzählt Spieler.

In Sabine Spielers Leben steht das Engagement für den Verein im Vordergrund. Sie ist selbst sechs Tage die Woche unterwegs, um Lebensmittel abzuholen. „Ich fahre für den Verein rund 1000 Kilometer im Monat“, erzählt sie. Das klingt nach einem Vollzeit-Job, ihr Geld verdient die Unterhachingerin aber mit zwei Stellen in der Gastronomie. „Wenn ich damit meine Miete verdienen könnte, würde ich nichts anderes machen“, erzählt sie lachend. Ursprünglich hat sie spanisch und französisch auf Lehramt studiert, „aber das wäre mir beruflich zu langweilig und zeitlich nicht mit der Lebensmittelrettung vereinbar.“ Ihre jetzigen Arbeitsstellen kann sie dagegen gut mit dem Ehrenamt verbinden und so ihre ganze Leidenschaft hinein stecken.

Seit zehn Jahren engagiert sich Spieler für das Thema, in der Zeit hat sie bereits sechs Autos verschlissen. Nicht nur, dass das Fahrzeug von den Rettungsaktionen immer mit Brotkrümeln, Salatblättern und Co. verschmutzt ist, auch das schwere Gewicht der Träger und Kisten macht ihm zu schaffen. Daher ist Spielers größter Wunsch ein eigener Lieferwagen für den Verein. „Vielleicht findet sich dafür ja ein Sponsor“, meint die 34-Jährige augenzwinkernd.

Iris Janda

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