Windkraft

Hürden bei Planung von Windrädern in Krailing - massiver Widerstand vom „Gegenwind Würmtal“

Grafik
+
Einer Studie eines Ingenieurbüros zufolge sind maximal vier Windräder in Krailing realistisch.

Die Studie eines Ingenieurbüros offenbart hohe Hürden für die Anlage von Windrädern im Wald zwischen Krailing und Gilching - schon jetzt formiert sich großer Widerstand.

Nach dem Wunsch von Bürgermeister Rudolph Haux (FDP) soll die Gemeinde Krailling mit Windkraft ihren Teil zum Klimaschutz leisten. Wie das realisiert werden könnte, hat ein Ingenieurbüro untersucht und in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorgestellt. Das Ergebnis: Dass im Wald zwischen Krailling und Gilching irgendwann tatsächlich Windräder stehen, wird ein mühsames Unterfangen. Weil die Gemeinde dafür einige Verhandlungen führen muss. Und weil sich schon jetzt massiver Protest abzeichnet.

„Gegenwind Würmtal“ nennt sich die Gruppe, die vor der Sitzung lautstark gegen Windkraft mobil machte und fehlende Transparenz beklagte (siehe Kasten). Laut Jan Haas, der im Vorfeld andere Bürger mit Flyern auf das Thema aufmerksam gemacht hatte, gehören derzeit etwa 30 Personen zur Initiative. Der Pentenrieder hofft aber auf eine weitaus breitere Unterstützung. „Die Diskussion ist ja erst am Anfang.“

Genau aus dem Grund sei all die Aufregung gar nicht angebracht, beschwichtigte Haux mehrfach. „Jetzt klären wir erstmal, ob Windräder überhaupt möglich sind.“

Windkraft in Krailing: Höhe der Windräger mögliche Hürde - Bundeswehr und Flughafen müssten ihre Radarzonen erhöhen

Und das könnte Studienersteller Robert Sing zufolge durchaus schwierig werden: Grundsätzlich sei das Gebiet zwar gut für Windräder geeignet. Realistisch seien aber maximal vier mit einer Höhe von 188 bis 205 Meter. Damit die Anlagen wirtschaftlich arbeiten, müssten sie aber höher sein. Dafür wiederum müssten Bundeswehr und Sonderflughafen ihre Radarzonen erhöhen. „Das ist nicht aussichtslos, aber ein hartes K.o.-Kriterium“, erklärte Sing dem Gremium.

Das fasste an dem Abend keinen Beschluss. „Wir sind beim ersten Schritt“, so Haux. Für alle weitere sagte der Rathauschef einen „transparenten und demokratischen Prozess“ zu – bis hin zu einem Ratsbegehren. Die Kritiker sind davon nicht überzeugt, zumal jüngst ein Bürgerentscheid in Ebersberg pro Windkraft ausging. „Der Text war manipulativ verfasst“, sagt Windrad-Gegnerin Ulrike Hennig. „Wir sind eher für eine Ideenwerkstatt, in der wir uns aktiv einbringen können“, sagt Haas.

Manche Gemeinderäte wittern darin eine gezielte Aktion. So hatte Andrea Schulte-Krauss (Grüne) in der Sitzung von „rechten Rattenfängern, die Bürger aufwiegeln“ gesprochen. Gegen diesen Ausdruck hat die Familie Haas inzwischen Anzeige erstattet und eine Rüge des Bürgermeisters gefordert. „So etwas gibt es gar nicht und es wäre auch nicht sanktionierfähig“, teilt die Gemeinde mit.

Der Protest in Krailing richtet sich gegen Windkraft allgemein.

Kommentar zu der Windrad-Debatte in Krailing

Der Windrad-Protest scheint die Gemeinde Krailling und ihre Vertreter überrascht zu haben. Womöglich auch, aus welcher politischen Richtung Gegenwind weht. Auch wenn mitnichten jeder Kritiker der AfD nahesteht, konnte man vor Ort den Eindruck gewinnen, dass – auch höherrangige – AfD-Politiker die Windkraft zum Wahlkampfthema machen wollen. Öl in deren Feuer gegossen hat die Gemeinde mit der schlecht kommunizierten Zuschauerbegrenzung (Kasten), in deren Folge mehrere Protestler nach Hause geschickt wurden. Diese Panne schürt Zweifel an der Transparenz und schadet der sachlichen Debatte.

Romy Ebert-Adeikis, Redakteurin

Begrenzter Einlass für Interessierte

Für heftigen Ärger sorgte bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Krailling auch eine Zugangsbeschränkung für Bürger. Trotz Maskenpflicht und Negativtest konnten nur zehn Zuschauer die Sitzung verfolgen – wesentlich weniger als vor Ort waren. „Wir sind an die Bestimmungen gebunden, dass auf zehn Quadratmeter Fläche nicht mehr als eine Person kommen darf“, erklärte Haux in der Sitzung, die seit der Pandemie in der ohnehin größeren Grundschulturnhalle stattfindet. In der Sitzungsvorlage angekündigt war die Beschränkung allerdings nicht.

Auch in anderen Kommunen sind Begrenzungen aufgrund der Abstandsregelungen nötig. So können in Neuried derzeit nach Angaben der Gemeinde maximal 20 Personen zusätzlich an Sitzungen teilnehmen, die ebenfalls einen negativen Schnelltest, Impf- oder Genesungsnachweis benötigen. In München ist das Platzangebot je nach Sitzungsort und Anzahl von eingeladenen Fachexperten unterschiedlich, auf eine Begrenzung wird in Einladungen aber hingewiesen.

Dort werden die Vollversammlung des Stadtrats sowie die Sitzungen der Bezirksausschüsse Neuhausen-Nymphenburg, Schwabing-Freimann und Berg am Laim dafür im Internet gestreamt. Auch Neuried hat Livestreams teilweise angeboten. Mehrere Kraillinger forderten einen ähnlichen Service auch für ihre Gemeinde. „Das ist einen Gedanken wert, vor allem für solche Themen“, sagt Gemeinde-Sprecher Alexander Broschell. Die Übertragung werde aber nicht im Internet zu sehen sein, sondern eher auf eine Leinwand vor der Turnhalle.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare