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Weil viele Läden nicht für alle zugänglich sind, soll ein Förderprogramm in Gräfelfing jetzt helfen

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Einige Läden wie die Post haben immerhin außen eine Klingel.
Einige Läden wie die Post haben immerhin außen eine Klingel. © Romy Ebert-Adeikis

Auf große Probleme stoßen Rollstuhlfahrer in Gräfelfing, wenn sie Läden besuchen wollen. Wenige sind barrierefrei zugänglich. Das soll sich jetzt ändern...

GRÄFELFING Wenn es nach Pia Glasow ginge, sollte es überall so sein wie in Berlin: „Dort ist alles viel behindertengerechter, einfach fortschrittlicher“, findet die 27-Jährige, die an einer Tetraspastik leidet. „Ich kann nur kürzeste Strecken gehen“, sagt die Gräfelfingerin.

*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Ein Einkaufsbummel ist nur mit ihrem E-Rollstuhl machbar – und deswegen in wenigen Geschäften Gräfelfings überhaupt möglich. „In vielen Läden war ich noch nie drin, weil ich mit dem Rollstuhl einfach nicht reinkomme“, erklärt Glasow. „Und das sind deutlich mehr als man heutzutage erwarten würde.“

Pia Glasow
Pia Glasow © Romy Ebert-Adeikis

Barrierefreies Einkaufen in Gräfelfing: Nur wenige Läden mit Rollstuhl zugänglich

Beispiel Bahnhofstraße: Allein auf dem kurzen Abschnitt zwischen Rottenbucher und Steinkirchner Straße ist von gut 40 Läden weniger als die Hälfte barrierefrei zugänglich. Vor den anderen gibt es Treppenstufen, aber keine Rampen. „Die Treppen sind aber nur das eine. Viele andere Läden sind auch einfach zu eng oder die Rampen zu steil“, sagt Glasow.

Viele Geschäfte in der Bahnhof- und Rottenbucher Straße in Gräfelfing haben Stufen – für Rollstuhlfahrerin Pia Glasow eine unüberwindbare Hürde.
Viele Geschäfte in der Bahnhof- und Rottenbucher Straße in Gräfelfing haben Stufen – für Rollstuhlfahrerin Pia Glasow eine unüberwindbare Hürde. © Romy Ebert-Adeikis

Ob bei der Eisdiele, Corona-Teststation oder dem Bäcker – macht die Gräfelfingerin nicht auf sich aufmerksam, kann sie nicht bedient werden. „Das ist mir schon unangenehm. Ich mache gern alles so weit selbstständig wie es eben geht.“

Auf Glasows Schwierigkeiten ist jetzt auch Günter Roll aufmerksam geworden. Der BVGL-Gemeinderat und Gräfelfinger Inklusionsbeauftragte hat sich überlegt, wie man Geschäfte zugänglicher machen könnte. Seine Idee: Die Gemeinde soll Ladenbesitzer und Hauseigentümer finanziell dabei unterstützen, Geschäfte barrierefrei umzubauen.

Günter Roll
Günter Roll © Romy Ebert-Adeikis

Barrierefreies Einkaufen in Gräfelfing: Förderungen zum barrierefreien Bauen ermöglichen

„Ähnlich wie unsere Energie-Förderprogramme für Hausbesitzer“, sagt Roll, der einen entsprechenden Antrag an den Gemeinderat gestellt hat. Vorstellen könnte er sich, dass Gräfelfing dafür 50 000 Euro pro Jahr im Haushalt bereitstellt. „Dann könnten zum Beispiel zehn Projekte mit maximal 5000 Euro gefördert werden.“

Ob das für einen echten Umbau ausreiche, könne er als Laie zwar nicht abschätzen, so Roll. Allerdings würden Betroffenen auch kleinere Maßnahmen weiterhelfen. „Die Poststelle hat zum Beispiel jetzt draußen eine Klingel angebracht. Wenn ich was brauche, kann ich klingeln und jemand kommt raus“, berichtet Glasow.

Rolls Vorschlag muss in den nächsten drei Monaten von Gräfelfings Gemeinderäten diskutiert werden. Für ihn steht fest: „Wer der Meinung ist, dass wir so eine Förderung nicht brauchen, der sollte daran denken, dass wir alle nicht jünger werden und das auch älteren Bürgern hilft.“

Eine Befürworterin hat seine Idee schon: die Behindertenbeauftragte des Landkreises München, Sigrid Karl. Sie begrüße das Projekt, „da es zeigt, dass Inklusion nicht nur auf dem Papier steht, sondern auch im kommunalen Gemeinschaftsleben angekommen ist“. Neben Kommunen gebe es aber auch größere Stiftungen – etwa die Aktion Mensch –, die auch bestimmte Umbauvorhaben fördern.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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