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Gesamtverkehrskonzept für Gräfelfing bringt über 150 Vorschläge – wirklich Neues aber nur für Achse im Zentrum

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Deutlich weniger Fahrbahn und Parkfläche, bis zu acht Meter breite Gehwege – so kann sich das Verkehrsbüro „Obermeyer“ eine neue Bahnhofstraße vorstellen.
Deutlich weniger Fahrbahn und Parkfläche, bis zu acht Meter breite Gehwege – so kann sich das Verkehrsbüro „Obermeyer“ eine neue Bahnhofstraße vorstellen. © Romy Ebert-Adeikis

Die Gräfelfinger Bahnhofsstraße soll schon seit langem umgewandelt werden, nun wurde nach langen Befragungen ein Konzept veröffentlicht. Die Pläne und Reaktionen:

Gräfelfing - Als Ideen – „nicht für morgen, eher für übermorgen“ – kündigte Alisa Picha-Rank in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Gräfelfing an, was sich ihr Büro „Obermeyer Infrastruktur“ für die Mobilität im Ort überlegt hat. Mehr als zwei Jahre hat es dafür den Verkehr gezählt, Bürger, Firmen sowie Pendler befragt. Herausgekommen ist ein über 100 Seiten langes Gesamtverkehrskonzept mit mehr als 150 Einzelmaßnahmen.

Vor allem eine Idee sorgte für Diskussion: „Die komplette Umgestaltung der Bahnhofstraße ist ein maßgeblicher Punkt für uns“, sagte Helmut Ammerl vom Verkehrsbüro. Zur Zeit sei – vor allem der westliche Teil – ein „ziemlicher Verhau“ und Unfallschwerpunkt.

Vision für Bahnhofsstraße: Das soll kommen

Die Vision: ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit bis zu acht Meter breiten Gehwegen, Längs- statt Senkrechtparkern und gegebenenfalls auch Tempo 20. „Alle rechtlichen Voraussetzungen dafür sind erfüllt“, betonte Ammerl. Ziel sei, die aktuelle Raumverteilung – zwei Drittel für Autos, ein Drittel Fuß- und Radverkehr – umzudrehen, um Flächen für Außengastronomie, Lieferzonen oder Grünstreifen zu schaffen.

Dafür müssten aber 50 bis 60 Stellplätze aus der Bahnhofstraße in die Bürgerhaus-Tiefgarage weichen. „Die maximale Auslastung lag dort bei 45 Prozent“, sagte Ammerl. Um diese künftig zu erhöhen, soll die Zufahrt besser ausgeschildert und die maximale Parkdauer von vier auf acht oder zehn Stunden erhöht werden.

„Vor der Vier-Stunden-Regel war die Tiefgarage immer komplett voll“, merkte Günter Roll (BVGL) an. CSU-Fraktionssprecher Thomas Heidenreich fürchtete, dass diese bei Wegfall der Beschränkung vor allem von Arbeitnehmern genutzt würde, die jetzt noch in Nebenstraßen parken. In der Bahnhofstraße selbst würden die 50 wegfallenden Stellplätze dann dennoch fehlen.

Vision für Bahnhofsstraße: Neuer Park-Bedarf wird abgedeckt

„Diese Plätze sind aktuell von Dauerparkern belegt“, erklärte Picha-Rank das Ergebnis der Verkehrszählung. Der sonstige Park-Bedarf werde – bis auf kurze Zeiten am Vor- und Nachmittag – mit dem neuen Konzept gänzlich abgedeckt. „Für diese gewissen Zeiten hoffen wir, dass vielleicht doch der ein oder andere mehr das Rad nimmt oder zu Fuß kommt“, so Ammerl.

Einige der anderen Vorhaben des Konzepts plant die Gemeinde aber ohnehin bereits – wie die Umwandlung der Stefanusstraße zur Fahrradstraße oder den Umbau der sogenannten Technomarkt-Kreuzung. „Den großen, neuen Wurf sehe ich aber nicht“, kritisierte Marion Appelmann (CSU).

Rückbau der Alten Pasinger Straße

Eine größere Neugestaltung schlägt das Verkehrsbüro auch für die Haupteinfahrt in die Heitmeiersiedlung vor. Dabei soll die Alte Pasinger Straße so umgebaut werden, dass sie in nördliche Richtung nur noch als Fahrradstraße dient. Diese würde Radfahrer bis zur Leharstraße führen, wo diese die Staatsstraße überqueren können und über eine neue Würmbrücke in den Paul-Diehl-Park gelangen sollen. Die Bushaltestellen in der Alten Pasinger Straße müssten dann auf die Staatsstraße verlegt werden, wo Buchten angelegt würden. Die Kreuzung Alte Pasinger Straße/Staatsstraße 2063 soll so verkehrssicherer und grüner werden.

Expressbusse, neue Querungen und Ampeln

Ein großer Wunsch aus der Bürgerschaft sind direktere Busverbindungen nach Martinsried oder Freiham. „Aktuell muss man immer über das Gewerbegebiet Lochham fahren“, erklärte Alisa Picha-Rank vom Büro „Obermeyer“. Als mögliche Expressbuslinen schlugen die Planer daher Verbindungen zwischen dem Gewerbegebiet und dem S-Bahnhof Lochham beziehungsweise dem geplanten U-Bahn-Halt in Martinsried vor sowie von Letzteren zur Gräfelfinger Bahnhofstraße.

Um die Kreuzung Lohenstraße/Staatsstraße 2063 verkehrssicherer zu machen und Busse zu beschleunigen, sei den Experten zufolge eine Ampel sinnvoll. Ein weiterer Schwerpunkt seien neue Fuß- und Radüberwege an der Würmtalstraße (Ecke Bahnhofstraße sowie Ecke Finkenstraße) sowie an der „Technomarkt-Kreuzung“, die aber bereits neu geplant wird. Mehr Wege ins Grüne hätten sich die Gräfelfinger an der Würmstraße gewünscht. Am Friedhof fehlen abgesenkte Bordsteine.

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