Ersatzteil-Probleme und Vandalismus

S-Bahn-Lift kaputt: Rollstuhlfahrerin muss Treppen hochrobben - seit mehreren Wochen

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Josefine Irlenborng muss seit Wochen die Treppe hochrobben, wenn sie zum Zug will. 

Der Lift am S-Bahnhof Hebertshausen ist seit Wochen defekt - eine Rollstuhlfahrerin muss sich seither auf Händen die Stufen hochquälen.

  • Seit fast zwei Monaten ist der Aufzug an der S-Bahn Hebertshausen defekt.
  • Neben Technikproblemen liegt das auch an vandalierenden Jugendlichen.
  • Jetzt protestierten Einwohner für das Reparieren des Lifts.

Hebertshausen – Den Reisenden am S-Bahnhof Hebertshausen (Kreis Dachau) bietet sich im morgendlichen Berufsverkehr seit Wochen ein unerträglicher Anblick. Josefine Irlenborn stemmt sich vor der Treppe, die hinauf zu den Gleisen führt, aus ihrem Rollstuhl. „Dann quäle ich mich mühselig auf Händen rücklings die 30 Stufen hoch“, sagt die 19-jährige Hebertshauserin, die querschnittsgelähmt ist. „Den Rollstuhl tragen hilfsbereite S-Bahnfahrer derweil die Treppe hinauf“, berichtet die Büroangestellte, die täglich mit dem Zug zu ihrem Arbeitsplatz in München pendelt. Ihr bleibt keine andere Wahl, denn seit sieben Wochen ist der Fahrstuhl am Bahnhof defekt.

Defekter S-Bahn-Lift in hebertshausen: DB-Monteur bleibt im Aufzug stecken

Zum wiederholten Mal. Immer wieder streikt die Technik. Immer wieder setzen ihn Jugendliche mutwillig außer Betrieb. Die Wut der Hebertshauser entlud sich am vergangenen Samstag in einer Demo. 70 Menschen versammelten sich am Bahnhof, darunter Mütter mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer oder Senioren mit Gehwagerl. „Alle diese Menschen haben Anspruch auf einen barrierefreien Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln“, betont Anja Kittlitz, die gemeinsam mit Stephanie Jäsche die Demo organisierte.

Die Bahn will den Lift zwar dauerhaft instand halten, nur: bislang gelang ihr das einfach nicht. Kurios in diesem Zusammenhang: Am 21. Oktober war ein DB-Monteur vor Ort und blieb prompt im Aufzug stecken. Die Feuerwehr Hebertshausen befreite den Mann, indem sie die Glasscheiben zerschlug. Hebertshausens Zweiter Bürgermeister Martin Gasteiger war als Feuerwehrmann im Einsatz und meint (nur halb) im Spaß: „Eigentlich war die Rettung ein Fehler. Er hat signalisiert, dass es ihm gut geht. Wir hätten ihn drin lassen können und abwarten, bis noch jemand von der Bahn kommt. Der hätte vielleicht den Aufzug endgültig wieder in Gang gebracht.“

Jugendliche manipulieren Aufzug - Feuerwehr muss anrücken

Neben der streikenden Technik gibt es noch ein gravierendes Problem: Die kriminelle Energie von Jugendlichen. Seit Beginn des Jahres treiben sie am Bahnhof ihr Unwesen. Mit einem speziellen Schlüssel manipulieren sie den Aufzug immer wieder. Achtmal hatte die Feuerwehr heuer bereits eingeschlossene Personen befreien müssen. 

Am 8. Mai kam es gar zu einer lebensbedrohlichen Situation, als ein 16-Jähriger in den Aufzugschacht gestiegen war und andere den Lift genau in dem Moment nach unten fahren ließen, als der Schüler versuchte, über eine Rettungsleiter aus dem Schacht zu klettern. Lift und Leiter verkeilten sich. Wiederum war es die Feuerwehr, die den Schüler befreite; er blieb unverletzt.

Aufzugsproblem in Hebertshausen: Bürgermeister verärgert über Deutsche Bahn

Die Bahn brauchte hinterher sechs Wochen, um den Lift wieder zum Fahren zu bringen. Die Polizei hat mittlerweile einen 16-Jährigen aus Pfaffenhofen an der Glonn sowie einen 14-Jährigen aus Aubing als Täter ermittelt. Ihnen droht eine Verurteilung wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung.

Für Bürgermeister Richard Reischl gehört das Aufzugsproblem schon fast zu den laufenden Angelegenheiten. „Ich bin es leid, immer wieder der Bittsteller bei der Bahn zu sein. Ich habe mir vorgestellt, dass ich als Bürgermeister bei Aufzugsproblemen schneller bei der Bahn Gehör finde. Aber da habe ich wohl falsch gedacht.“

Deutsche Bahn hat jetzt Ersatzteile für defekten Lift

Erst am Dienstag kam auf Nachfrage unserer Zeitung ein positives Signal von der Bahn. „Es gab umfangreichere Schäden an der Aufzugskabine und dem Aufzugsschacht. Dafür mussten Ersatzteile über die Herstellerfirma angefordert werden. Die Teile werden gerade im Moment eingebaut“, sagt ein DB-Sprecher. Danach, so verspricht er, „sollte der Aufzug wieder funktionieren“. Das wird auch Josefine Irlenborn freuen. Sie hofft, dass sie dann das nervige Schild mit der Aufschrift „Außer Betrieb“ nicht mehr lesen muss. Und vor allem: endlich wieder im Rollstuhl nach oben fahren kann.

Klaus Rabl, Thomas Zimmerly

Die S-Bahnhöfe im Landkreis sind im Winter teils voller Schnee - die Bahn kommt mit dem Räumen nicht hinterher. Eine Rollstuhlfahrerin ist dieses Jahr gestürzt und dabei nur knapp dem Schlimmsten entkommen.

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