Der Schock sitzt tief

„Ich habe nur noch geschrien“ - Lebensmüdes Überholmanöver eines Bikers mit Dashcam aufgezeichnet 

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Der Moment kurz vor der Kollision: Der Motorradfahrer taucht plötzlich hinter dem Lieferwagen auf.

Der Schock sitzt tief bei Gerlinde und Erich Würzinger: Ein Motorradfahrer prallte bei einem rücksichtslosen Überholmanöver in ihr Auto.

Hebertshausen – Inzwischen sind knapp zwei Monate vergangen. Trotzdem werden Gerlinde (68) und Erich (76) Würzinger den 13. April diesen Jahres nie vergessen. Das Ehepaar aus Hebertshausen war mit seinem Mercedes auf der Landstraße in der Nähe von Sulzrain unterwegs. Ein entgegenkommender Motorradfahrer wollte seinen Vordermann überholen und übersah dabei den Wagen des Paares. „Der Motorradfahrer hielt einen viel zu geringen Abstand zu dem weißen Lieferwagen, den er überholen wollte“, sagt Erich Würzinger. „Und als er mich auf der Gegenspur dann sehen konnte, war ein Aufprall bereits nicht mehr vermeidbar.“ Der Motorradfahrer prallte mit seinem Knie gegen den linken Kotflügel des Mercedes und drückte diesen stark ein. Dabei wurde er schwer verletzt (merkur.de berichtete darüber, dass der Fahrer seine Ersthelferin suchte). Gerlinde und Erich Würzinger trugen einen schweren Schock davon.

Aufnahme für Fahrschulen als Lehrmaterial

Nun ist es beiden ein Anliegen, an die Öffentlichkeit zu gehen – und zwar mit den Aufnahmen einer Dashcam, die das Paar in seinem Fahrzeug installiert hatte. Die Kamera zeichnete den Unfall mit 30 Aufnahmen pro Sekunde auf. Diesen Aufnahmen ist es zu verdanken, dass nicht nur die Verunfallten selbst, sondern auch die Polizei den Unfallhergang besser nachvollziehen können. Außerdem können sie Lehrmaterial sein: „Ich würde die Aufnahmen gerne Fahrschulen als Lehrmaterial zur Verfügung stellen“, sagt Erich Würzinger. „Es ist mir ein Anliegen, dass so etwas nie wieder passiert!“

Hier sieht man das Überholmanöver des Motorradfahrer

Der 76-Jährige ist selbst Motorradfahrer. „Aber dieser Mann hat solche Kardinalfehler gemacht, dass es mich schüttelt!“ So der Motorradfahrer habe einen viel zu geringen Abstand zu seinem Vordermann gehalten und er habe sich nicht vergewissert, ob Gegenverkehr kommt. Ein Aufprall sei daher bereits unvermeidlich gewesen, als sich der Motorradfahrer und das Ehepaar zum ersten Mal sehen konnten, findet Erich Würzinger.

1,5 Sekunden

Erich Würzinger ist noch immer geschockt.

Dies beweist auch die Dashcam-Aufnahme: Zwischen dem Moment, in dem der Motorradfahrer für den 76-Jährigen das erste Mal sichtbar wurde, und dem Moment des Aufpralls liegen weniger als 1,5 Sekunden. Aufgrund dieser extrem kurzen Zeit blieben auch die Ansätze des Motorradfahrers, wieder rechtzeitig auf die eigene Fahrspur zurückzukommen und den drohenden Unfall zu vermeiden, ohne Erfolg. Als die Airbags des Mercedes auslösten, habe es einen unglaublichen Knall gegeben, berichtet Erich Würzinger. Seinen Wagen habe es nach links auf die Gegenspur gezogen. Wenn der nachfolgende Verkehr nicht so geistesgegenwärtig gebremst hätte, wäre noch weit mehr passiert, glaubt der Hebertshauser. 

„Ich habe nur noch geschrien“, sagt Gerlinde Würzinger. „Als wir zum Stehen kamen, haben wir uns angesehen: Gibt es uns noch?“ Das Ehepaar kümmerte sich um den schwer verletzten Motorradfahrer. „Bei ihm war dann auch unmittelbar nach dem Unfall eine Ersthelferin, die sich absolut großartig verhalten hat“, berichtet Erich Würzinger. Genauso wie den Einsatz der Ersthelferin hebt das Ehepaar auch die Arbeit der Polizei und Feuerwehr hervor, die sich vor Ort um die Beteiligten gekümmert haben. 

Albträume und Ängste im Straßenverkehr

Der Unfall hat aber seine Spuren bei den Eheleuten hinterlassen: Schlaflosigkeit und Albträume sind nur ein Teil der Folgen. „Meine Frau hat seit dem Unfall eine Verschlechterung im Halswirbel-Bereich; ansonsten sind wir beide im Straßenverkehr viel unsicherer geworden“, sagt Erich Würzinger. „Im Moment würde ich mich nicht auf die Autobahn trauen“, ergänzt seine Frau. 

Auf die Frage, was er dem Motorradfahrer sagen würde, wenn er ihn wiedersehen würde, antwortet Erich Würzinger: „Ich würde ihm zu allererst alles Gute wünschen und dass er wieder vollständig genesen wird. Aber dann würde ich ihn schon fragen, wie man so fahren kann.“ Den schrecklichen Unfall vom 13. April kann niemand mehr rückgängig machen. 

Die Aufnahmen der Dashcam aber, die das Ehepaar Würzinger zur Verfügung gestellt hat, können andere wachrütteln – und auf die Gefahren von Überholmanövern hinweisen. Denn: „Jeder Straßenverkehrsteilnehmer – egal, ob Auto-, Motorrad- oder Fahrradfahrer – trägt eine Verantwortung für sich und seine Mitmenschen“, sagt Erich Würzinger.

Bei Schwaigen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ereignete sich am 31. Mai ein schwerer Kraftrad-Unfall. Ein 16-Jähriger bemerkte den Bremsvorgang einer Autofahrerin zu spät und überschlug sich, berichtet merkur.de

Nathalie Neuendorf

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