Woran liegt‘s?

Hochzeits-Hype in bayerischem Ort: Trauungen verdreifacht - auch wegen eines besonderen Zimmers

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Ja-Wort mit Aussicht: Das bietet das 2016 eingerichtete Trauzimmer im Almbad Huberspitz in Hausham.

Rekordzahlen im Haushamer Standesamt: In nur zwei Jahren ist die Zahl der Trauungen von 34 auf 128 in die Höhe geschnellt. Das liegt nicht zuletzt an einem hoch gelegenen Ort.

  • Das Haushamer Standesamt kann sich vor Hochzeiten kaum mehr retten.
  • Binnen zwei Jahren hat sich die Zahl der Trauungen verdreifacht.
  • Ein besonderes Trauzimmer mag dazu beigetragen haben.

Hausham – Heiraten auf dem Berg? „Ja, ich will“, sagen da viele Paare. Während sie auf dem Gipfel der Gefühle am Huberspitz die Ringe tauschen, erlebt das Haushamer Standesamt einen regelrechten Höhenflug an Eheschließungen. Schworen sich 2017 noch 34 Paare in der Gemeinde die ewige Treue, waren es 2018 schon 90. Im vergangenen Jahr der nächste Sprung auf 128 Trauungen.

Hochzeits-Hype in Hausham: Trauzimmer auf Huberspitz zieht

Ein nicht unerheblicher Anteil der Zeremonien wurde im 2016 neu eingerichteten Trauzimmer im Almbad Huberspitz von Peter Kirchberger abgehalten. „Das wird wirklich super angenommen“, schwärmt der Wirt. Mit der originellen Idee habe es Hausham in die Top-Riege der Hochzeitsdestinationen im Landkreis geschafft.

Tegernsee-Schliersee-Syndrom jetzt auch in Hausham: 60 Prozent gar keine Einheimischen

Wie am Tegernsee oder Schliersee längst üblich, klopfen damit vermehrt auch Heiratswillige von außerhalb an den Türen des Haushamer Standesamtes an. Rund 60 Prozent seien nicht einheimisch, verrät Standesbeamtin Sylvia Heyder. Viele davon kämen von der Großstadt aufs Land. Einfach, weil dort alles noch ein bisschen persönlicher ablaufe. „Bei uns wird niemand durchgeschleust“, versichert Heyder. Egal ob im Trauzimmer im neuen Rathaus oder eben auf dem Huberspitz.

Trauzimmer im Almbad Huberspitz: Viel Gründe machen es beliebt

Letzterer ist als Hochzeitsort auch aus logistischen Gründen beliebt, weiß Kirchberger. Zwar gebe es durchaus noch höher gelegene Orte für eine Trauung, etwa auf dem Wendelstein oder sogar auf der Zugspitze. Die Anreise sei dort aber nur per Gondelbahn möglich und damit, vor allem für ältere Hochzeitsgäste, nicht ganz so komfortabel. 

Das Almbad Huberspitz hingegen lasse sich auch per Taxi oder mit dem hauseigenen Shuttlebus erreichen. Die Eheleute dürften sogar mit dem eigenen Auto hochfahren, betont Kirchberger. „Das erleichtert die Logistik doch ganz erheblich.“

Video: Hochzeits-Traditionen und ihre Ursprünge

Trauzimmer Huberspitz mit „Wow-Efffekt“

Der Wirt erklärt sich den Ansturm aber auch mit dem „Wow-Effekt“ im Trauzimmer. Ob der offene Kamin oder das Panorama vor der Tür: Ein Ja-Wort auf 1050 Metern Höhe ist eben etwas ganz Besonderes. Ein Extra-Lob würden viele Eheleute und ihre Familien den Standesbeamtinnen aussprechen, sagt Kirchberger. „Die ganze Zeremonie ist sehr persönlich und einfühlsam. Das finden die Leute sensationell.“

Lesen Sie auch: Weil es so kurios ist: Huberspitz-Trauzimmer kommt ins Fernsehen

Einen Annahmestopp musste weder das Standesamt im Tal, noch das Trauzimmer am Huberspitz bislang wegen des Hochzeitshochs aussprechen. „Wir machen alles möglich, damit jeder seinen Wunschtermin bekommt“, sagt Heyder. Auch wenn es keine Bevorzugung gebe: Bei Haushamer Paaren bemühe man sich natürlich ganz besonders. Generell haben die angehenden Eheleute viele Freiheiten bei der Gestaltung der Zeremonie. Auch Live-Musik ist möglich. „Es ist ihr Traumtag, und den sollen sie so erleben, wie sie es möchten“, sagt die Standesbeamtin. Weil immer mehr Paare nicht mehr kirchlich heiraten würden, gewinne die standesamtliche Trauung auch an emotionaler Bedeutung.

Auch am Huberspitz bemüht man sich, allen Ansprüchen gerecht zu werden, betont Kirchberger. Um niemandem seinen Wunschtag verwehren zu müssen, lasse man teilweise auch bis zu drei Eheschließungen pro Tag zu. „Wir schauen aber, dass sich die Gesellschaften nicht über den Weg laufen“, meint Kirchberger schmunzelnd. Gar nicht so leicht, weil viele das schöne Panorama gleich noch für das Schießen von Hochzeitsfotos nutzen würden.

Für die Standesbeamtinnen jedoch haben die Serien-Trauungen einen entscheidenden Vorteil: Sie müssen nicht allzu oft an ihre doch recht abgelegenen Außenstelle pendeln. Wobei: Das mit der Konzentration ist immer so eine Sache, räumt Heyder schmunzelnd ein: „Wenn ich nach links schaue, sehe ich runter auf den Schliersee. Da kann man schon mal abschweifen.“ Und auch 2020 wird die Standesbeamtin dieser Gefahr wieder ausgesetzt sein: Aktuell liegen bereits 100 Anmeldungen für Trauungen vor.

sg

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