Heiratsantrag: Am Bahnsteig sagte sie JA!

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Gesucht und wiedergefunden: Robert und Ondina.

Gröbenzell - Über ein Vierteljahrhundert waren Robert Kraus und Ondina Leichtenstern getrennt, jetzt sind sie wieder ein Paar. Beide verbindet eine außergewöhnliche Beziehung. Und genauso einmalig ist der Heiratsantrag.

Kraus hielt über das S-Bahn-Mikro um die Hand seiner Liebsten an. Lesen Sie hier die bezauberndste Liebesgeschichte des Jahres!

Es ist Samstagmorgen, kurz vor 10 Uhr. Ondina Leichtenstern sitzt alleine in der S 3 von Gernlinden in Richtung Innenstadt, Esting und Olching ziehen draußen vorbei. Plötzlich erklingt eine vertraute Stimme aus den Lautsprechern. „Achtung, es folgt eine wichtige Durchsage!“ Die anderen Menschen im Zug erwarten schon die übliche Verspätungsmeldung. Nur die zierliche, blonde Frau sitzt wie versteinert da. Und als die Lautsprecher Worte wie Liebe, Glück, Zusammensein und Heiraten ausspucken, werden auch die älteren Damen, das junge Pärchen und der Geschäftsmann hellhörig. Die Gespräche verstummen, die Münder stehen offen.

Spätestens jetzt ist allen klar: Sie werden Zeuge eines Heiratsantrages. Dann die entscheidende Frage: „Willst du meine Frau werden?“ Durch die S-Bahn geht ein leises Raunen. „Wie romantisch“, entfährt es einer der alten Damen und auch dem Geschäftsmann im strengen Anzug huscht ein Grinsen übers Gesicht. Was in der Adressatin der warmen Worte vor sich geht, lässt sich nur erahnen. In Gröbenzell schließlich steigt sie aus. Am Bahnsteig wird sie schon erwartet. Mit einem Blumenstrauß steht da ein Mann mit grau meliertem Haar. Es ist Robert Kraus, ihr zukünftiger Ehemann. Denn die Antwort fällt eindeutig aus. „Ja ich will“, sagt sie und fällt ihm in die Arme.

Es war ein Antrag der besonderen Art, den der 47-Jährige seiner Angebeteten gemacht hat. Und noch sagenhafter ist die Geschichte, die die beiden verbindet. Es ist eine Geschichte über Liebe und Trennung, über Sehnsucht und Wiedersehen. Zum ersten Mal begegnen sich die beiden vor über 29 Jahren. Beide machen ein Praktikum in einem Münchner Kindergarten. Kraus erinnert sich noch genau: „Ich kam in diesen Raum und da war dieser blonde Engel.“ Schnell werden die beiden ein Paar, erleben unbeschwerte, glückliche Monate. Doch dann die Trennung. Quasi über Nacht wird das Paar auseinander gerissen. Warum, das wollen die beiden für sich behalten. Die Jahre vergehen, beide gehen neue Beziehungen ein, bekommen Kinder, stehen fest im Berufsleben. Doch die Liebe überdauert die Jahre.

Vor allem Robert Kraus lässt der Verlust seiner geliebten Ondina keine Ruhe. „Was ist aus ihr geworden? Wie lebt sie? Ist sie glücklich?“ Immer wieder forscht er nach, doch seine große Liebe scheint wie vom Erdboden verschluckt. Im Jahr 2007 wird die Vergangenheit zur Gegenwart. Über das Internet stöbert er Ondinas Bruder in den USA auf. Er ist es, der nach über einem Vierteljahrhundert wieder den Kontakt herstellt. Am 16. Februar 2009 schließlich hat Ondina Leichtenstern eine E-Mail in ihrem Postfach. „Zum Glück bin ich gesessen“, erinnert sie sich. Es folgen zaghafte Annäherungsversuche. Schließlich treffen sich die so lange Getrennten am 16. April 2009 am Bahnhof Gröbenzell. Es dauert nicht lange und das einstige Teenager-Pärchen ist wieder zusammen.

Jetzt, genau zwei Jahre später, stehen sie wieder am Bahnsteig in Gröbenzell und liegen sich in den Armen. Ein bisschen haben sie ihr Glück auch der Deutschen Bahn zu verdanken. „Wir waren sofort von der Idee begeistert“, sagt Sandra Bobic von der Fahrgastkommunikation. Und das Unternehmen hat sich auch nicht lumpen lassen. Neben einer Karte mit warmen Worten hat die Bahn auch ein paar Reisegutscheine spendiert. Die Flitterwochen können also kommen.

Der Hochzeitstermin steht auch bereits fest: Geheiratet wird am 16. April 2012. Genau drei Jahre nach dem ersten Wiedersehen – und ein Jahr nach dem romantischsten Heiratsantrag in der fast 40-jährigen Geschichte der Münchner S-Bahn.

Tobias Gehre

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