Held von Stockdorf: „Der hat koa Chance g’habt!"

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Gerhard Schober zeigt die Verletzungen, nachdem er den Bankräuber festgehalten hat

Stockdorf - Gerhard Schober (56) ist der Held von Stockdorf! Der Gastwirt hat am Freitag einen Bankräuber nach einem Zweikampf auf offener Straße zur Strecke gebracht. In der tz spricht er über die Verfolgungsjagd.

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Sparkasse überfallen - Verfolgungsjagd durch Stockdorf

Als Gerhard Schober (56) am Freitagnachmittag zurückkommt, gibt’s erst Mal einen dicken Kuss von seiner Rosi. „Was machst denn du für Sachen?“, fragt seine Frau. Die Stockdorferin hatte ihren Mann, den Wirt der „Würmtal-Stub’n“, fünf Stunden nicht gesehen – obwohl er eigentlich nur kurz zur Bank wollte. Geld einzahlen. Gerhard Schober war in der Zeit nicht untätig: Erst hat er einen Bankräuber (27) überwältigt, dann war er im Krankenhaus, danach bei der Vernehmung bei der Polizei.

Bilder: Sparkasse in Stockdorf überfallen

Bilder: Sparkasse in Stockdorf überfallen

Der Wirt ist schwer gezeichnet. Sein Trachtenhemd mit Blut besudelt, seine Unterarme verbunden, seine Haare blutverklebt. Es sind Spuren vom Kampf mit dem Bankräuber, der am Freitag gegen 9.15 Uhr die Kreissparkasse am Harmsplatz in Stockdorf überfallen hatte – und mit 10 000 Euro Beute geflüchtet war.

Schobers Frau Rosi (l.) ist froh, dass ihrem Mann nicht mehr passiert ist

Es ist gegen 9.15 Uhr, als Gerhard Schober den Vorraum der Bank betritt. Da sieht er zwei Angestellte, wie sie die Hände in die Höhe halten. „Mit dem Rücken zu mir stand ein Mann mit Kapuze über dem Kopf.“ Der Wirt dreht um, setzt sich in seinen geparkten Dacia Duster – und wartet. „Plötzlich rennt der Typ mit einer Stofftasche in der Hand aus der Bank.“
Der Gastwirt zögert keine Sekunde, er startet sein Auto, fährt mit quietschenden Reifen dem Bankräuber hinterher. Hundert Meter die Zugspitzstraße entlang. Dann rennt der Gangster nach links auf den Benno-Steg zu, eine Fußgängerbrücke über die Würm. Jetzt gibt Gerhard Schober nochmal Gas. Er weiß: „Wenn der Räuber den Steg erreicht, ist er weg“.

Mit der Front seines Dacias rammt der Wirt den Flüchtenden. Der Mann fällt. Gerhard Schober wirft sich auf ihn. „Der wollt’ sich gleich wieder aufrappeln, der Hund.“ Doch der gestandene Bayer lässt ihn nicht aus der Umklammerung. Der Bankräuber schafft es irgendwie, seine Pistole zu ziehen. „Hau ab, oder ich schieße“, schreit der Räuber. Dann schlägt er dem Wirt die Waffe mit Wucht auf den Kopf, beißt ihn in beide Unterarme. „Der hatte trotzdem keine Chance.“ Jetzt kommt ein Ehepaar dazu, gemeinsam halten sie den Täter fest – bis die Polizei kommt.

Keine viertel Stunde nach dem Überfall ist der Bankräuber, ein Türke aus Stockdorf, festgenommen. Gerhard Schober ist blutüberströmt, er hat eine Platzwunde am Kopf, Bissverletzungen an beiden Armen. Fünf Stunden später sitzt er wieder in seiner Kneipe. „Passt scho“, sagt er – und zapft sich ein Helles.

Jacob Mell

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