Schon wieder! Sanitäter im Sanka k.o. geschlagen

+
Um sich vor Messer-Attacken zu schützen, tragen viele BRK-Sanitäter in Nürnberg schon – auf eigene Kosten angeschaffte –Schutzwesten

München - In Oberhaindlfing im Kreis Freising ist die Besatzung eines Krankenwagens angegriffen worden. Das ist kein Einzelfall. Immer öfter werden die Helfer zu Opfern. Die ersten Sanitäter schützen sich.

Was ist nur los in unserer Gesellschaft? Offensichtlich haben viele nicht einmal mehr vor den Menschen Respekt, die Tag und Nacht im Einsatz sind, um anderen zu helfen. In Oberhaindlfing (Kreis Freising) wurde jetzt die Besatzung eines Krankenwagens angegriffen. Die Retter waren alarmiert worden, weil eine 18-Jährige mit einer Alkoholvergiftung kollabiert war!

Unfassbar: Während die BRK-Sanitäter die junge Frau im Krankenwagen behandelten, umringte eine Horde Betrunkener das Fahrzeug und forderte vehement die „Freilassung“ der 18-Jährigen. Einer der Randalierer, ein 21-Jähriger aus Kirchdorf, schaffte es schließlich trotz Polizeipräsenz, den Krankenwagen zu stürmen und einem der Rettungsassistenten einen Kinnhaken zu verpassen!

Feuerwehr 2011: Spektakuläre Einsätze ohne Feuer

Feuerwehr 2011: Spektakuläre Einsätze ohne Feuer

Erst an Silvester hatte eine grölende Menge die Feuerwehr in Puchheim angegriffen. Dort wurden die Einsatzkräfte – als sie in 25 Metern Höhe von der Drehleiter einen Balkonbrand bekämpften – mit Silvesterraketen beschossen!

Statt Dankbarkeit bekommen unsere Retter heute oft ganz andere Aufmerksamkeit. Sie werden bespuckt, beschimpft und sogar geschlagen! Um sich vor Messerattacken zu schützen, haben Sanitäter in Nürnberg inzwischen 40 Schutzwesten angeschafft – auf eigene Kosten.

Für BRK-Landesgeschäftsführer Dieter Deinert (48) das falsche Signal: „Ich fürchte, das verschärft die Lage noch. Wir müssen wieder dahin kommen, dass Rettungskräfte unantastbar sind.“

Allerdings hat das BRK das Thema im Fokus. Deeskalation steht inzwischen bei allen Fortbildungen ganz oben. Wenn auch noch unter dem Etikett „Patientenbetreuung“. Seit einem Jahr werden außerdem auch Daten gesammelt. Das Fazit für die Zeit von Januar bis August 2011? „Es gab in ganz Bayern rund 200 kritische Einsätze“, so Deinert. „Haupt­ursachen: häusliche Gewalt und Alkohol.“ Interessant: Neben Nürnberg gibt es im Freisstaat noch drei weitere Schwerpunkte: Ingolstadt, den Rettungsbezirk Weilheim-Schongau und Passau. Allerdings weist Deinert darauf hin, dass die Zahl der verbalen und körperlichen Übergriffe angesichts von über 700 000 Einsätzen glücklicherweise immer noch im „Promillbereich“ liege.

Feuerwehr 2011: Die kuriosesten Einsätze

Feuerwehr 2011: Die kuriosesten Einsätze

Alarmierend ist aber: Die Zahl der Fälle steigt stetig. Das bestätigt Dr. Rupert Schmidt (44), Notarzt aus Schongau. Er bietet gemeinsam mit seinem Praxiskollegen Dr. Jiri Faltis (37) seit einigen Jahren auch für Sanitäter und Notärzte Selbstverteidigungskurse in Krav Maga an, einer Technik der israelischen Armee. Schmidt: „Unser Ziel ist es, so zu agieren, dass es erst gar nicht zu Konflikten kommt – und auf alles vorbereitet zu sein. Wenn wir zu Konflikten gerufen werden, schau ich erst mal, ob in der Wohnung was herumliegt, das als Waffe genutzt werden könnte und räum es weg …“ Das wird immer wichtiger, denn immer öfter sind Ärzte und Sanitäter vor der Polizei vor Ort. Schmidt: „Die Polizei ist einfach unterbesetzt.“

WdP

Auch interessant

Meistgelesen

Weihnachtsengel tödlich verunglückt
Weihnachtsengel tödlich verunglückt
Lebensbedrohlicher Leichtsinn: Die gefährlichen Bootstouren auf der Isar
Lebensbedrohlicher Leichtsinn: Die gefährlichen Bootstouren auf der Isar
Starnberg: Spaziergänger finden Toten am Kanal
Starnberg: Spaziergänger finden Toten am Kanal
Achtung, Juckreiz: In diesem See soll derzeit keiner baden
Achtung, Juckreiz: In diesem See soll derzeit keiner baden

Kommentare