Nach Zusammenstoß auf der Piste

Profi-Snowboarderin sucht Unfall-Fahrerin mit Video

+
Michaela Hampe trug eine Helmkamera, die den Unfall beim Skifahren auf der Zugspitze aufzeichnete.

Herrsching/Garmisch-Partenkirchen - Profi-Snowboarderin Michaela Hampe steht nach einem Skiunfall mit schweren Folgen vor einem Scherbenhaufen. Nun setzt die 44-Jährige alle Hoffnung auf ein Video.

Eigentlich war dieser Mittwoch ein Traumtag auf der Zugspitze: Perfekte Pisten, toller Schnee und gute Sicht machen Deutschlands höchsten Berg zum Paradies für Skifahrer und Snowboarder. Auch Michaela Hampe nutzt diesen Tag. Die 44-jährige Herrschingerin gehört zu den Profis auf den Brettern, ist mehrfache Weltmeisterin im Sandboarden und hält einige Titel auf dem Snowboard. Doch dieser Vormittag auf der Zugspitze verändert ihr Leben.

„Ich fuhr den steileren, oberen Teil der Sonnenkar-Piste, als eine Gruppe sternförmig vom linken Pistenrand startete“, erzählt sie. Sie wich einem Kind aus, als ihr plötzlich aus dem Nichts von hinten die Beine unter dem Körper weggerissen wurden. Unter Schock konnte sie sich noch aufrappeln und feststellen, dass sie von einer Skifahrerin in schwarzem Helm, roter Bogner-Jacke (Fire&Ice), weißer Hose und silbernen Schuhen gerammt worden war. Die Kollision hat sie sich bis heute mehrmals angesehen: Sie wurde von einer Kamera gefilmt, die Michaela Hampe auf ihrem Helm trug.

Doch unten am Lift merkt Hampe, „dass ich starke Schmerzen habe“. Der Skispaß war vorbei. Und nicht nur der: Später stellt sich heraus, dass die Verletzung deutlich schlimmer ist als zunächst befürchtet: Kreuzbandriss, Gelenkerguss, Riss im Knochen mit Einblutung, Blockaden mehrerer Wirbelkörper und Rippenprellung sowie Hämatome an der Hüfte. Für Leistungssportler wie Hampe kann das ein Karriereende bedeuten. „Eine vollständige Heilung ist langwierig bis unmöglich“, sagt sie enttäuscht.

Aber sie will kämpfen. „Ich werde alles tun, um wieder fit zu werden. Wichtig ist für mich jetzt erst einmal, die Unfallgegnerin zu finden.“ Das Video könnte ihr helfen. Sie hat außerdem Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei erstattet – den Fall bearbeiten die Beamten in Garmisch-Partenkirchen – und den Unfall einen Tag später bei der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) gemeldet. „Leider sind uns rechtlich die Hände gebunden“, sagt BZB-Sprecherin Verena Lothes. Das Unternehmen könne nicht den Personalausweis jedes Wintersportlers kontrollieren oder Unfallverursachern den Zutritt zum Skigebiet verweigern. Dennoch „tun wir unser Bestes, wenn uns solche Fälle gemeldet werden“. Der BZB-Angestellte riet Hampe, die Skiwacht zu kontaktieren. Doch einen Tag später war es schwer, die Verursacherin zu finden. Meldet sich ein Betroffener gleich, sind die Chancen groß, den Täter noch auf der Piste zu finden. Nicht so im Fall von Hampe. „Ich will der Frau nichts Böses, aber sie hat wohl gar nicht mitbekommen, wie schwer sie mich verletzt hat“, meint sie. Doch die Folgen sind gravierend.

Bei den nächsten Wettkämpfen, bei denen sie zum Teil ihre Titel verteidigen wollte, wird sie fehlen. Im Moment geht sie auf Krücken, wird wohl mehrere Monate außer Gefecht gesetzt sein und keinen Sport machen können. Stattdessen steht intensive Reha auf dem Programm. „Für mich ist das eine Katastrophe, weil ich auch nicht arbeiten kann und einen immensen Verdienstausfall habe“, sagt die Physiotherapeutin. Versichert ist sie dagegen nicht. So bleibt ihr im Augenblick nur die Hoffnung, jene Skifahrerin zu ermitteln, die ihr das alles eingebrockt hat. „Wenn ich sie finde und sie sich wenigstens entschuldigt für das, was ich jetzt durchmachen muss und an Lebensqualität verliere, dann wäre mir zumindest mental schon sehr geholfen.“

Thomas Kirmaier/Janine Tokarski

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Supermarkt stellt diesen ganz besonderen Kühlschrank auf - und wird dafür gefeiert
Supermarkt stellt diesen ganz besonderen Kühlschrank auf - und wird dafür gefeiert
Geretsrieder heiratet im TV eine Frau, der er vorher nie begegnet ist
Geretsrieder heiratet im TV eine Frau, der er vorher nie begegnet ist
Hohenlindenerin kämpft mit weichen Bandagen
Hohenlindenerin kämpft mit weichen Bandagen
Münchner Wirt übernimmt Traditionsgaststätte
Münchner Wirt übernimmt Traditionsgaststätte

Kommentare