Herrschingerin wütend

S-Bahn-Lokführer lässt dutzende Pendler nachts in eisiger Kälte stehen

Ausharren – nichts anderes blieb den Fahrgästen am Dienstagabend übrig. Nachdem sie aus einem Schienenersatz-Bus ausgestiegen waren, wartete der S-Bahn-Fahrer nicht auf sie.

Germering – Es läuft nicht ganz rund bei der Münchner S-Bahn an diesem Dienstagabend. Zuerst hat der Zug, den Katharina Weber gegen 22.30 Uhr vom Münchner Hauptbahnhof in Richtung Herrsching nehmen will, Verspätung. Dann steigt sie gegen 23 Uhr in die nächste Bahn, muss in Pasing jedoch wieder aussteigen. Von dort aus fahren wegen nächtlicher Bauarbeiten Schienenersatz-Busse nach Germering-Unterpfaffenhofen. „Als ich mit dem Bus in Germering ankam, ist mir die S 8 aber vor der Nase weggefahren“, berichtet Katharina Weber.

Eisiger Wind und Minustemperaturen am Bahnsteig

Es ist kurz vor Mitternacht, als die Herrschinger Anglistik-Studentin (31) nach einer Faschingsparty in München in Unterpfaffenhofen strandet. Über den Bahnsteig weht ein eisiger Wind, die Temperaturen liegen unter dem Gefrierpunkt – und die nächste Bahn fährt in 40 Minuten. Katharina Weber friert. Geschäfte am S-Bahnhof, in denen sie sich aufwärmen könnte, sind bereits geschlossen. „Und von Taxis in der Nähe fehlte jede Spur“, sagt sie. Ihr und ungefähr 50 weiteren Pendlern bleibt nichts anderes übrig, als in der Kälte auszuharren.

Trotz Blickkontakt: S7-Lokführer lässt Rollstuhlfahrer stehen (merkur.de)

„Der Fahrer muss uns gesehen haben“

Dabei hätte der Zugführer in Unterpfaffenhofen nur wenige Minuten länger auf die Pendler im Bus warten müssen, sagt Katharina Weber. Zwar sei der Schienenersatz-Bus etwas verspätet gewesen. „Der Fahrer muss uns aber gesehen haben. Als wir durch die Unterführung zum Gleis gelaufen sind, haben wir allerdings nur noch gehört, wie der Zug über uns davongerauscht ist.“

So erklärt die Deutsche Bahn den Vorfall

In der Regel würden Bahnfahrer auf verspätete Pendler warten, damit diese ihren Anschluss nicht verpassen, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Nachfrage. Es gebe jedoch einen Ausnahmefall: „Wenn der Zug abfahrbereit ist, – also wenn er bereits das entsprechende Signal bekommen hat und die Türen fest verschlossen sind –, dann muss der Zugführer losfahren“, so der Sprecher.

Das Leben eines Busfahrers: Ein normaler Tag am Steuer des 840ers in Fürstenfeldbruck (merkur.de)

Nichtsdestotrotz bedauere er den Vorfall. Katharina Weber ärgert sich dennoch. Erst gegen 1 Uhr kam sie in Herrsching an – zwei Stunden nachdem sie losgefahren war. Normalerweise benötigt sie die Hälfte der Zeit.

Informationen, Austausch und Beschwerden rund um die S8 kann man auch in der Facebook-Gruppe „Meine S8 kommt nicht“ äußern.

Rubriklistenbild: © Facebook-Gruppe “Meine S1 kommt nicht“ (Archiv)

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