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Hetzkampagne am Tegernsee: Hoeneß reagiert auf Plakate eher unerwartet, Unternehmerin ist stocksauer

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Von: Christina Jachert-Maier

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Die Schmäh-Plakate wurden über bezahlte Werbeflächen geklebt. Die Firma Tiefenbacher Außenwerbung hat Anzeige erstattet.
Die Schmäh-Plakate wurden über bezahlte Werbeflächen geklebt. Die Firma Tiefenbacher Außenwerbung hat Anzeige erstattet. © THomas Plettenberg

Am 70. Geburtstag von Uli Hoeneß hatten Klima-Aktivisten sich mit Schmähplakaten vor der von ihm mitbegründeten Wurstfabrik in Nürnberg postiert Nun tauchten die Plakate auch am Tegernsee auf.

Bad Wiessee – Die illegalen Plakatierer kamen vermutlich bei Nacht und Nebel, um ihre Botschaft auf großformatigen Werbetafeln und Litfaßsäulen in Bad Wiessee zu platzieren. Dort ist Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern, zuhause. „Uli Hoeneß Nimmersatt wurstet uns die Erde platt“ steht auf den Plakaten, die den prominenten Gemeindebürger als blutige Gestalt zeigen.

Es ist das gleiche Motiv, mit dem Umweltaktivisten am Mittwoch, 5. Januar, bei einer Blockade der Nürnberger Wurstfabrik HoWe ihren Protest gegen die Bedingungen in der Fleischindustrie untermalten. Uli Hoeneß gehört zu den Gründern des Unternehmens, am Mittwoch war sein 70. Geburtstag. Seit 2001 führt Florian Hoeneß, Sohn des Ex-FC Bayern-Chefs, die Geschäfte.

Kein Kommentar von Uli Hoeneß: „Will die Leute nicht wichtiger machen, als sie sind.“

Es waren Aktivisten von „Extinction Rebellion“ und „Animal Rebellion“, die mit Metallkonstruktionen die Einfahrt der Howe Wurstwaren KG versperrten. Beteiligt waren Pressemeldungen zufolge etwa 40 Personen. Florian Hoeneß gab zu der – nicht angemeldeten – Demo am Werkstor keine Stellungnahme ab. Und auch sein Vater will den Aktivisten und ihrer Hetzkampagne keine Aufmerksamkeit schenken. „Ich kommentiere das nicht, weil ich die Leute nicht wichtiger machen will, als sie sind“, erklärt Hoeneß. Er werde auch keine Anzeige erstatten. Hoeneß hatte zuletzt Veganer aufs Korn genommen.

Nach Hoeneß-Schmähplakaten am Tegernsee: Anzeige wegen Sachbeschädigung

Dies hat allerdings die Firma Tiefenbacher Außenwerbung am Donnerstag getan. Auf deren Werbeanlagen in Bad Wiessee kleben die Schmähplakate. „Eine Unverschämtheit ist das“, ärgert sich Christina Fehr als Vertreterin des Unternehmens mit Sitz in Bad Kissingen. „Das können wir so nicht stehen lassen.“ Das Unternehmen hat bei der Polizei Bad Wiessee Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet. Fehr geht es vor allem auch um die Kundschaft, die Flächen gemietet hat und deren Werbung nun durch große Hassplakate teils verdeckt ist. Entfernt werden können sie allerdings erst nächsten Montag: Im Moment ist kein Mitarbeiter in der Region.

Die Gemeinde Bad Wiessee wiederum hat keine Handhabe, die Schmähplakate im Ortsgebiet eilig zu entfernen. Die – streng gefasste – Plakatierverordnung der Kommune greift hier nicht. Für die dauerhaft postierten und genehmigten Litfaßsäulen und Werbetafeln sei allein die Firma Tiefenbacher zuständig, erklärt Maximilian Macco, Leiter des gemeindlichen Ordnungsamts. Die Gemeinde wolle sich aber „ganz ausdrücklich“ von den Schmähplakaten distanzieren, macht Macco klar: „So etwas ist nicht hinnehmbar.“ Gegen die öffentliche Hetze könne sich aber nur der Betroffene selbst zur Wehr setzen.

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Uli Hoeneß auf Plakaten verunglimpft: „Tatbestand der Verleumdung erfüllt“

„Neben Sachbeschädigung ist schon auch der Tatbestand der Verleumdung erfüllt“, meint Anton Schwinghammer von der Polizei Bad Wiessee. Inzwischen wisse die Polizei von vier Standorten in Bad Wiessee, an denen die Hetzplakate hängen. Möglicherweise seien es aber auch noch mehr. Die Polizei habe die Firma Tiefenbacher gebeten, all ihre Standorte im Tegernseer Tal in Augenschein zu nehmen und weitere Hassplakate bei der Polizei zu melden. Dass Hoeneß selbst keine Anzeige erstattet hat, kann Schwinghammer gut nachvollziehen. „So etwas sollte man nicht so hoch hängen.“ Ansonsten hätten die Urheber der geschmacklosen Aktion ihr Ziel doch erreicht. Die Polizei gebe die Anzeigen an die Staatsanwaltschaft weiter.*tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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