Tier war 54 Stunden verschollen

Hier meißeln sie Katze Mimi aus der Mauer

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54 Stunden im Versorgungsschacht gefangen: Feuerwehrleute meißeln Katze Mimi aus der Wand.

Fürstenfeldbruck - Katze Mimi verschwindet beim Toben auf dem Speicher von Tamara Pfeffer spurlos - da stellt sich heraus, dass das Tier in einen Versorgungsschacht gestürzt ist und dort feststeckt.

Mimi lebt eigentlich auf einem Bauernhof und ist ziemlich wild aufgewachsen. Im Haus von Tamara Pfeffer tollt der vierbeinige Gast ganz schön herum. Dabei soll sich die etwa ein Jahr alte Katze bei der Tierärztin und engagierten Tierschützerin eigentlich von ihrer Kastration erholen. Die 34-Jährige hat Mimi und ihrem Gefährten extra ein Zimmerchen im Dachgeschoss überlassen.

Doch in der Nacht auf Donnerstag machen sich die Racker so lange an der Luke zum Speicher zu schaffen, bis diese aufspringt. Nun wollen sie den Dachboden erkunden. Mimi ist die wildere und plumpst in den Versorgungsschacht. Erst 54 Stunden später sieht sie wieder Tageslicht. „Es ist ein Wunder, dass sie die Strapazen überstanden hat“, sagt Tamara Pfeffer

Die 34-jährige Bruckerin hat den kleinen Wildfang zwei Tage und zwei Nächte lang verzweifelt gesucht – und selbst kaum Schlaf gefunden. Der Schlag der aufspringenden Dachluke hat sie geweckt. „Wegen der Tiere hab ich natürlich sofort nachgeschaut.“ Doch Mimi und ihr Kumpel sind wie vom Erdboden verschluckt. „Ich habe alles abgesucht, wo ich mir nur irgendwie vorstellen konnte, dass eine Katze reinkriecht.“ Der Schacht, der vom Speicher bis ins Erdgeschoß recht, scheint der 34-Jährigen als viel zu eng. Sie stellt Futter auf, um die Katzen aus ihrem Versteck zu locken. Und tatsächlich taucht der Kater nach drei Stunden wieder auf.

Mimi bleibt verschollen. Wie oft sie das Haus schon durchkämmt hat, die Tierärztin weiß es nicht mehr. Die zweite Nacht bricht an. Ruhelos schleicht die Tierärztin durchs Haus. Sie lauscht. Jedem kleinsten Laut spürt sie nach. Plötzlich hört sie leise Kratzgeräusche. Kaum wahrnehmbar zuerst, dann lauter. Sie scheinen aus dem Bad im ersten Stock zu kommen. Das Zimmer ist zwar leer – auch hier hat Tamara Pfeffer natürlich schon alles durchkämmt. Aber in der Wand verläuft der Schacht. Steckt Mimi also doch da drin. Ist sie wirklich so tief gefallen?

Tamara Pfeffer hat jetzt jedenfalls einen Ansatzpunkt. Sie alarmiert die Feuerwehr. „Die waren ganz schnell da.“ Mit der Wärmebildkamera können die Rettungskräfte das Tier nicht lokalisieren. Doch ein Feuerwehrmann ist im Zivilberuf Kaminkehrer. Er fährt heim und holt seine Endoskopiekamera. Sie wird vom Speicher in den Schacht abgelassen. Und tatsächlich: 2,30 Meter tiefer klemmt Mimi fest – auf Höhe Badezimmer. Sieben Mann stemmen nun die Fliesenwand über der Badewanne auf. Da geht ganz schön was zu Bruch. „Ich hab aber keine Sekunde überlegt“, sagt Tamara Pfeffer. Schließlich geht's um Mimis Leben.

Als das Rettungsloch fertig ist, spitzt sich die Situation nochmal zu. Der Versorgungschacht ist so eng, dass die Feuerwehrmänner nicht hineingreifen können. Tamara Pfeffer hat schmalere Hände. Am Samstag kurz nach 9 Uhr schafft sie es, Mimi aus ihrem Wandgefängnis herauszuziehen.

Bilder: Hier meißeln sie Katze Mimi aus der Mauer

Bilder: Hier meißeln sie Katze Mimi aus der Mauer

Die Katze ist völlig geschockt, schlägt und beißt um sich. Die Tierärztin bekommt tiefe Kratzer und Schrammen ab. Aber die Rettung mit der ungeschützten Hand scheint ihr die einzig mögliche. Mit Handschuhen hätte sie das sich sträubende Tier nicht zu fassen bekommen. Und eine Betäubung kommt für die Tierärztin nicht in Frage. „Der Kreislauf der Katze war völlig herunten. Sie war dehydriert und unterkühlt.“ Eine Narkose hätte Mimi in diesem Zustand wahrscheinlich nicht überlebt.

Danach muss das Tier zur Beruhigung erstmal in einen Katzenkorb. Mimi ist mit ein paar Schrammen davon gekommen – und hat einige Krallen eingebüßt. „Erst gab's eine Infusion, jetzt liegt sie friedlich unter ihrer Decke, die ist völlig fertig“, berichtet Tamara Pfeffer am Tag nach der dramatischen Aktion. Ihre zerschundenen Hände sind verbunden. Aber die Tierärztin lächelt. „Ich bin so was gewohnt.“ Hauptsache Mimi hat inzwischen wieder ordentlich gefressen und getrunken. Ein paar Tage soll sie sich nun noch bei Tamara Pfeffer und ihrer Mutter ausruhen. Dann geht's zusammen mit ihrem Kumpel wieder zurück auf den Bauernhof.

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