Hier schrubben sie Müller wieder sauber

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Bei Müller-Brot wird geschrubbt

Neufahrn - Den insolventen Betrieb von Müller-Brot in Neufahrn wieder auf Vordermann zu bringen: Es ist ein gewaltiger Kraftakt. Seit Wochen putzen 250 Mann der Müller-Belegschaft in Neufahrn teils bis zu 14 Stunden am Tag.

Jetzt geht’s an die Wurzeln, ans Grundlegende. Bei Müller-Brot in Neufahrn wollen sie schon bald wieder Brezn backen – nach den alten Geheimrezepten, die der legendäre Hans Müller (81) einst ersonnen hatte. Diese Rezepte: Sie waren ein wichtiger Baustein des Müller-Erfolgs.

Aber: Seit neun Jahren – also seit dem Verkauf des Unternehmens – sind sie in Vergessenheit geraten. Jetzt will der vorläufige Insolvenzverwalter Hubert Ampferl das wertvolle Wissen wieder nutzen. Allerdings: Erst mal muss der Betrieb wieder anlaufen – die Anlage steht ja derzeit noch still. Hygiene-Kontrolleure hatten vor fünfeinhalb Wochen einen Zwangs-Stopp verhängt. Seitdem putzen 250 Mann teils bis zu 14 Stunden am Tag. „Die Mitarbeiter sind unendlich fleißig“, lobt Ampferl.

Wochenlang war das Werk streng abgeriegelt, jetzt geht Ampferl an die Öffentlichkeit. Am Donnerstag lud er Journalisten zum Werksbesuch. Die Eindrücke: Dutzende Lkw stehen still im Hof. In einer Ecke lagern tonnenweise ausrangierte Maschinen.„ Schrott, der noch weggeräumt werden muss“, sagt Josef Blank (50), seit Januar Betriebsleiter. Die 20 000 Quadratmeter große Betriebshalle wurde zweigeteilt, so stehen die elf Fertigungsstraßen nun in zwei Betriebsteilen. In einem der beiden Bereiche sollen sie in zwei Wochen wieder laufen. Reinigen, Bau-Mängel beseitigen, Schädlingsbekämpfung und ein einwandfreies Hygiene-Management einführen: Blank zählt an vier Fingern auf, was noch passieren muss. 600 000 Euro hat der Insolvenzverwalter dafür bereitgestellt.

Voraussichtlich am 19. März wolle man die Kontrolleure zur erneuten Abnahme einladen. Blank: „Ich bin zuversichtlich.“ Einmal ist die Abnahme bereits gescheitert (wegen Schädlingen) – am 17. Februar, einen Tag nach der Anmeldung der Insolvenz. Blank weicht der Frage nach Schaben und Mäusen nicht aus. Sie hätten sich überall eingenistet, etwa in Schaltkästen: „Wir haben 500 Kontrollpunkte mit Ködern eingerichtet. Stellen wir Befall fest, können wir sofort gegensteuern.“

Susanne Sasse

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Insolvenzverwalter: Mehr als fünf Kaufinteressenten

Hubert Ampferl (43) hat ein Ziel: die insolvente Großbäckerei Müller- Brot schnell zu verkaufen, und zwar komplett. Am Donnerstag stand der vorläufige Insolvenzverwalter nach der Betriebsbegehung Journalisten Rede und Antwort und gab bekannt, dass bis Ende März für das gesamte Unternehmen ein Investor gefundenwerdensoll.„Ich spreche jeden Tag mit Interessenten“, sagt Ampferl. Sein Ziel ist eine komplette Übernahme von Produktion und Filialnetz. Es gebe „mehr als fünf Interessenten“, sagte Ampferl. Wer das sei (und ob die bisherigen Eigentümer Klaus Ostendorf und Michael Phillips darunter sind), verriet Ampferl nicht.

Ebenso wenig sagte er, wie hoch die Verbindlichkeiten sind. Doch er ließ im Gespräch mit der tz durchklingen, dass der Verkauf knifflig ist. So ist zum Beispiel die größte und neueste Fertigungsstraße mit der Nummer 25 (für die Weltmeister- Semmeln) nicht mehr Eigentum von Müller-Brot, sondern gehört der Backwelt GmbH von Klaus Ostendorf – dieses Unternehmen vermietet die Backstraße an Müller-Brot. Nach tz-Informationen ist außerdem der Großteil des sieben Fußballfelder großen Betriebsgeländes in Neufahrn nicht in Firmen-Eigentum, sondern dazugepachtet.

Von den 44 000 Quadratmetern gehören nur 18 000 dem Unternehmen, die restlichen 26 000 Quadratmeter sind Eigentum einer vierköpfigen Erbengemeinschaft. Diese hatte schon in den 70er-Jahren ihre Grundstücke an den damaligen Müller-Brot-Boss Hans Müller (81) verpachtet. Der Erbpachtvertrag läuft bis 2070. Jedes Jahr bekommen die Verpächter über zehntausend Euro für das Gelände. „Jetzt sind sie natürlich auch in Aufregung, sie haben vor allem Angst vor einer Zwangsversteigerung durch die Banken“, sagt ein Münchner Anwalt, der die Erben vertritt, der tz. Deshalb seien die Besitzer interessiert, die Flächen zu verkaufen. „Es ist hilfreich, dass wir auch den Grund mit anbieten können“, sagt Insolvenzverwalter Ampferl.

Firmengründer Hans Müller hatte Anfang der 70er die auf dem Gelände arbeitenden Bäckereien Welter-Brot, Krohe und Seidl-Brot aufgekauft, die Betriebe zusammengelegt und so den viertgrößten Backwarenhersteller Europas geschaffen. Die Gebäude: Sie wuchsen und wuchsen im Lauf der Jahrzehnte…

Gleichzeitig baute Hans Müller das Vertriebsnetz auf 250 Filialen aus. Dieses Gesamtpaket ist es, das den Wert von Müller-Brot ausmacht. „Es gibt auch viele Interessenten, die sich nur für das Filialnetz interessieren“, sagt Ampferl. Sein Ziel sei aber eine „Gesamtlösung für Filialnetz und Betrieb“.

SVS

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