Hilflose Katzenbabys wie Abfall behandelt

+
Diese drei Katzenbabys wurden in Dichau ausgesetzt.

Grafing - Drei hilflose Katzenbabys - herzlos ausgesetzt in einem kahlen Pappkarton, und das obwohl die Tiere noch im Säuglingsalter sind. Sie brauchen täglich ihr Fläschchen. Das bekommen sie jetzt - vom Tierschutzverein Ebersberg.

Warum die drei „Wollknäuel“ vor einem Anwesen in Dichau von Unbekannten unter einem Postkasten achtlos abgestellt und ihrem höchst ungewissen Schicksal überlassen wurden, Irmgard Passauer von der Geschäftsstelle des Tierschutzvereins weiß es nicht. Sie weiß nur eines - die Menschen werden den Tieren gegenüber immer gefühlloser und roher. So wurde von Passanten am Bahnhof in Grub ein Katzenjunges gefunden, das hilflos neben seiner toten Mutter ausharrte - die möglicherweise überfahren und einfach liegengelassen wurde. In Hergolding in einem Maisfeld, so schildert Passauer, habe eine Frau beim Spazierengehen mit ihrem Hund einen in einem Karton fest verschnürten Langhaarkater gefunden - er wäre entweder erstickt oder verhungert, wenn ihn niemand vorher entdeckt hätte.

Auch am Wertstoffhof werden schon mal Tiere entsorgt - wie gewöhnlicher Abfall. Passauer berichtet von einem Fall, wo eine Kaninchenmutter dort mit ihrem vier Babies ohne Futter in einer Box abgestellt wurde. „Der unkastrierte Rammler in einer Extrabox daneben“, empört sich die Tierschützerin.

Die drei Katzenbabys aus Dichau hatten Glück. Sie werden jetzt „aufgepäppelt, geimpft und vermittelt“, verspricht Passauer fest. Das ist mühsam, weil die Tiere noch mit dem Fläschchen gefüttert werden müssen. „Frühestens in ein zwei Wochen, fangen sie an, selber zu fressen.“

Nachdem die Ebersberger Tierschützer noch kein eigenes Tierheim haben, müssen die Fundkatzen bei den Mitgliedern in den Wohnungen untergebracht werden. „Ich kann teilweise nur noch schlurfend gehen“, berichtet Passauer davon, dass bei ihr zuhause am Boden momentan 30 Katzen herumwuseln. „Da sind auch welche dabei, die nicht mehr vermittelbar sind und bei mir das Gnadenbrot bekommen.“ Auch Beiratsmitglied Christine Schlicht habe 25 Tiere bei sich zuhause aufgenommen. Sie hoffe, dass die aktuell gefundenen Katzenkinder jemand kennt. „Da gehört kriminalistischer Spürsinn dazu“, sagt Passauer. Auf einem Karton, in dem hilflose Tiere ausgesetzt wurden, habe sie mal die Adresse eines Stromanbieters gefunden. „Ich hab den Chef angerufen, damit er mal weiß, was mit seinen Kartons passiert. Der Mann war ganz entsetzt.“ Passauer weiß zwar, dass die Chance, einen herzlosen Tierquäler auf diese Weise zu entlarven, sehr gering ist. „Aber vielleicht gelingt es uns, ein paar Trittbrettfahrer abzuschrecken.“

Passauer war am Dienstag auf dem Weg zum Tierheim in München, um dort Fundtiere abzuholen. Was die wenigsten wissen, die dort Tiere abgeben: Der Tierschutzverein Ebersberg muss eine Gebühr bezahlen, wenn die abgegebenen Tiere im Landkreis Ebersberg aufgefunden wurden. Deshalb werden die armen Kreaturen so schnell wie möglich wieder heim in den Landkreis Ebersberg geholt, wo sie in die privaten Pflegestellen der Tierschützer gegeben werden. Dort werden sie umsorgt, bis sich ein Tierfreund findet, der ihnen wieder ein endgültiges und liebevolles Heim bieten kann.

Von Michael Seeholzer

Auch interessant

Meistgelesen

Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Flugzeugteil auf Weide gestürzt - das sagt der Landwirt
Flugzeugteil auf Weide gestürzt - das sagt der Landwirt
Freund beim Sexspiel mit Kreissäge getötet - Urteil
Freund beim Sexspiel mit Kreissäge getötet - Urteil
Flüchtlinge treten vor dem Landratsamt Ebersberg in Hungerstreik
Flüchtlinge treten vor dem Landratsamt Ebersberg in Hungerstreik

Kommentare