Hirtenhund: Nierenbiss am Radlweg

Ebersberg - Er hasst sie einfach, diese hektisch strampelnden Radfahrer. Um seinen Unmut auszudrücken, biss der tibetanische Hirtenhund zu. Sein Opfer wurde ein 40-jähriger Grafinger, bei dem das Tier im Nierenbereich zuschnappte.

Nun stand Karl M. (Name geändert) aus Grafing vor dem Amtsgericht. Er hatte an dem Tag den Hund Gassi geführt. Die Staatsanwaltschaft warf ihm fahrlässige Körperverletzung vor. Allerdings saß Karl M. bereits zum zweiten Mal in dieser Sache auf der Anklagebank. Bei der ersten Verhandlung hatte das Gericht das Verfahren gegen eine Geldauflage von rund 700 Euro eingestellt. Da der 31-Jährige den Betrag nicht fristgerecht bezahlte, rollte das Gericht den Prozess von Neuem auf.

„Normalerweise ist er ein ganz artiger und friedlicher Hund“, beteuerte der Angeklagte. Und am 28. Juli 2009 sei das Tier ganz unerwartet ausgeflippt.

Karl M. ging mit dem Hund seiner Bekannten neben der Staatsstraße von Ebersberg nach Schwaberwegen Gassi. Plötzlich näherte sich Christian K. auf dem Fahrrad. Der Hund sah ihn und tobte. Er bellte, stellte sich auf die Hinterpfoten und versuchte sich von der Leine zu reißen.

Daraufhin hielt der Angeklagte das Tier fest und rief dem Opfer zu, es solle doch vom Rad steigen und es langsam vorbei schieben. Christian K. befolgte die Anweisung. Aber der 90 Zentimeter große Hund tobte weiter und Karl M. konnte ihn nicht mehr halten. Das Tier riss sich aus dem Griff, raste auf den Radler zu und sprang an ihm hoch. Dann biss er ihn in Höhe der Niere. „Der Hund hatte nichts anderes vor, als mich zu beißen“, sagte das Opfer als Zeuge vor Gericht. Nach der Attacke verschwand das Tier im Unterholz. Der Gebissene trug Kratz- und Bissspuren sowie Hämatome davon.

„Der Angeklagte hat den Vorfall sehr bedauert“, erinnerte sich Christian K. Gleich anschließend haben die beiden ihre Personalien ausgetauscht.

Vor Gericht zeigte der Zeuge keinerlei Belastungseifer. Es ginge ihm nur darum zu überprüfen, wie gefährlich der Hund tatsächlich sei, sagte er. Auch Kinder könnten ihm zum Opfer fallen.

Umstritten blieb, wie der Hund angeleint war. „Ich hatte ihn ordnungsgemäß angeleint“, behauptete der Angeklagte. „Er hatte nur eine Art Geschirr an“, erinnerte sich hingegen der Zeuge.

Fakt ist, dass der Hund kein unbeschriebenes Blatt mehr ist. Sein Frauchen stand kurze Zeit vor dem Angriff ebenso vor Gericht. Damals hatte der Hund auch einen Radler angefallen und in den Oberarm gebissen.

Der Angeklagte versuchte seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Daher stellte er mehrere Beweisanträge. Zum einen forderte er von dem Geschädigten ein ärztliches Attest. Die Lichtbilder, die die Verletzungen des Opfers zeigten, genügten ihm nicht. „Der Bauch kann ja von jedem stammen“, sagte Karl M. Außerdem verlangte er nach einem Sachverständiger, der die Aggressivität des Hundes bewertet. Deshalb unterbrach Richterin Strubl die Verhandlung. Fortsetzung folgt.

Von Marlene Kadach und Vera Neumann

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