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Grundwasserstände sinken dramatisch: Politiker bayerischer Gemeinde schlägt Alarm - zapft München zu viel ab?

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Von: Volker Camehn

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Das Trinkwassernetz in Weßling muss saniert werden.
Ein knappes Gut: So manchen bereiten die niedrigen Grundwasserpegel Sorge. © Beispielfoto: Jens Büttner

Trocknet Sauerlach bei München bald aus? Gemeinderat Axel Horn (Grüne) zumindest ist besorgt und verweist auf die aktuellen Zahlen des Bayerischen Landesamts für Umwelt.

Sauerlach - Nach den Zahlen des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) sinken die Grundwasserstände seit Ende Juni stetig und werden von „niedrig“ auf mittlerweile „sehr niedrig“ eingestuft. Anderswo sieht es nicht besser aus: Auch in Aying weist die Statistik zum gleichen Zeitpunkt einen „neuen Niedrigstwert“ aus.

Grundwasserpegel in Sauerlach: Bedenken, dass das Wasser nicht reicht

Die Gründe dafür scheinen vielfältig. Abgesehen von zu wenig Niederschlag: „Der Pegel sinkt, weil zu viel Wasser in technischen Anlagen abfließt: Das Wasser aus den Sauerlacher Brunnen durch den Schmutzwasserkanal, das Wasser des Münchner Brunnens durch die Fernleitung“, erklärt Horn. Es werde deshalb Zeit, „mit München über die Wassermenge zu reden, die in Sauerlach entnommen wird“.

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Diese Bedenken mag in der Gemeinde nicht jeder teilen. Markus Hoffmann (CSU) etwa räumt zwar ein, „dass die früheren Spitzenwerte der Jahre 2011 oder 2018 nicht wieder erreicht wurden.“ Allerdings lag der Grundwasserstand zum Jahresanfang 2022 über dem langjährigen Durchschnittswert seit 2007, so Hoffmann. „Betrachtet man den Wert jeweils zum 1. Januar eines Jahres für die letzten zehn Jahre, lag der Grundwasserstand nur in zwei Jahren, nämlich 2014 und 2017, über dem Wert von 2022, jedoch in acht Jahren zwischen 2012 und 2021 darunter. Dies zeige eher die „starken Schwankungen“. Es gäbe „keinen Grund zur Panikmache“.

Grundwasserpegel in Sauerlach: Es fehlt an Informationen

Zum Thema wurde laut Hoffmann im Gemeinderat immer wieder einmal nachgefragt, unter anderem die Frage, ab welchem Niedrigstand die Pumpen der gemeindlichen Wasserförderung ein Problem haben, weil die Schächte dann vertieft werden müssten. Leider habe der Gemeinderat zu wenige Informationen. „Das liegt auch daran, dass im Rathaus die Aufmerksamkeit für das Thema bislang offenbar nicht hoch ist“, so Hoffmanns Vorwurf. Das macht er daran fest, als im Gemeinderat vor mehreren Monaten die Frage aufgekommen sei, wie häufig die Stadtwerke München am Otterfinger Weg Grundwasser entnehmen. „Da dies“, so Hoffmann, „auch den Grundwasserstand in Sauerlach beeinflusst. Der Brunnen dort war früher nur für Spitzenlasten gedacht.“ Hierzu habe es bis heute keine Antwort aus dem Rathaus gegeben, so Hoffmann.

Grundwasserpegel: Bürgermeisterin Bogner sieht keinen Handlungsbedarf

Rathaus-Chefin Barbara Bogner (UBV) sieht aktuell auch keinen Handlungsbedarf: „Es gab hier schon viel trockenere Sommer als in diesem Jahr.“ Und: „Es besteht derzeit deshalb kein Grund zur Sorge.“ Markus Hoffmann ist sich sicher: „Der Gemeinderat wird sich mit dem Thema beschäftigen und auch eine Strategie zum Wassersparen entwickeln müssen. Allerdings sind aus meiner Sicht bislang keine ausreichenden Datengrundlagen vorhanden.“

Grundwasserpegel: Behörde bestätigt massive Trockenheit

Das Wasserwirtschaftsamt München bestätigt indes auf Anfrage: „Bis auf den zu nassen Dezember waren alle Monate im hydrologischen Winterhalbjahr (November bis April) in Südbayern statistisch zu trocken. Und auch die Folgemonate Mai, Juni und Juli fielen hier zu trocken aus.“ Der Pegel Sauerlach weise einen „sehr niedrigen Wert“ von nur noch rund 24 Zentimeter über dem niedrigsten bisher gemessenen Wert auf. „Allerdings ist die Messreihe mit 15 Jahren relativ gering.“ Die sogenannten Ganglinien „in Oberhaching oder in Siegertsbrunn weisen sehr niedrige Grundwasserstände bei teilweise langen Messreihen auf“, heißt es aus München.

Axel Horn bleibt kritisch, was die Sauerlacher Wasserversorgung anbelangt: „Stetiges Sinken haben wir zwar erst seit Jahresende 2021. Zwischendurch hat es immer wieder mal Erholungsphasen gegeben.“ Seit 2019 schien sich auch der Effekt einzustellen, dass die Zwischen-Peaks von Jahr zu Jahr wieder etwas höher liegen. Aber jetzt wurden andererseits die Tiefststände der vergangenen Jahre schon unterschritten, ohne dass ein erneuter Wiederanstieg eingesetzt hätte.

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