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Wegen Hitze und Trockenheit: Angler in großer Sorge um Fische - „Wird absolut kritisch“

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Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

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Sorgen sich um den Fischbestand: Gewässerwart Ulrich Unflat und der Chef des Fischereivereins Königsdorf, Klaus Lange, am Fiechtnersee
Sorgen sich um den Fischbestand: Gewässerwart Ulrich Unflat und der Chef des Fischereivereins Königsdorf, Klaus Lange, am Fiechtnersee © sh

Fische leiden unter der sommerlichen Hitze. Angler schlagen jetzt Alarm, befürchten ein Sterben der Bestände. Das ganze Ausmaß wird bei einem Besuch deutlich.

Königsdorf – Nein, über diesen Sommer können sich Sonnenanbeter nicht beschweren. Seit Wochen knacken die Temperaturen immer wieder die 30-Grad-Marke, es wird bereits von einem Rekordsommer gesprochen. Doch des einen Freud ist des anderen Leid, denn unter den bei der Hitze steigenden Wassertemperaturen und gleichzeitig sinkenden Pegeln kommen die Fische an ihre Grenzen.

Unsere Zeitung war mit dem Vorsitzenden des Fischereivereins Königsdorf, Klaus Lange, und Gewässerwart Ulrich Unflat am Fiechtnersee zwischen Königsdorf und Geretsried. Der See gehört wie der Schönauer Weiher bei Bad Heilbrunn und der Flugplatzweiher Königsdorf sowie Teilstücke der oberen und der unteren Loisach zu den Angelgewässern des Vereins.

Hitze und Trockenheit: „Es wird absolut kritisch“ - Angler sorgen sich um Fische

Die beiden Männer lassen den Blick über die stark abgesunkene Wasserfläche schweifen. „Wenn es nicht bald mal länger regnet...“, sagt Unflat. Der Rest des Satzes bleibt unausgesprochen. Durch die Sommerhitze ist der Pegel des Grundwassersees extrem gesunken. Die beiden Männer schätzen um mehr als einen Meter. Lange deutet auf die Sandbänke, die durch die Wasseroberfläche gebrochen sind. „Es sieht hier aus wie eine Mondlandschaft.“ Am gegenüber liegenden Ufer ragt eine Anlegestelle weit über dem Wasserspiegel auf. „Hier können wir jetzt das Boot über den Kies ziehen.“

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Karpfen, Forellen und Hechte: Einige der Tiere leiden unter hohen Temperaturen

In dem See leben unter anderem Karpfen, Forellen und Hechte. Unflat misst die Wassertemperatur: „26 Grad.“ Während Weißfische wie Karpfen mit dem wärmeren Wasser noch einigermaßen gut zurechtkommen, wird es für die Forellen bereits lebensgefährlich. Die Sauerstoffsättigung des Wassers sinkt auf einen kritischen Wert. Optimal sind für Forellen Temperaturen zwischen 13 und 17 Grad. „Sie leiden in dem warmen Wasser“, sagt Unflat. „Für sie ist das eine absolute Stresssituation.“ Was zur Folge hat, dass sie kaum noch etwas fressen.

Badegäste sind Stressfaktoren für Fischbestände: „Wäre der Supergau“

Die Fische versuchen, sich an kühlere Stellen zu retten und sammeln sich in Gumpen. „Allerdings treffen hier Räuber und Friedfische aufeinander – also auch keine optimale Situation“, sagt Lange. Um die Belastung für die Tiere nicht noch weiter in die Höhe zu treiben, empfehlen Lange und Unflat den Vereinsmitgliedern,derzeit nicht zur Angel zu greifen. „Zudem sind wir heilfroh, dass wir hier am Fiechtnersee keinen Badebetrieb haben – was für die Fische weiteren Stress bedeuten würde. Das wäre dann der Supergau“, so Lange.

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Verendete Fische haben die beiden Männer noch nicht ausmachen können, aber das muss nichts heißen. „Sie können zu Boden gesunken sein und kommen erst wieder mit den Faulgasen, die durch den Verwesungsprozess entstehen, zurück an die Oberfläche“, gibt Lange zu bedenken. Unflat deutet auf eine Schar Vögel, die immer wieder an ein und derselben Stelle herabstoßen. „Da muss etwas sein – die Vögel kommen nicht umsonst her, sondern dann, wenn der Tisch reich gedeckt ist.“

Angler hoffen auf Wetterumschwung: Fische könnten langfristig nicht überleben

Die beiden Angler hoffen auf einen baldigen Wetterumschwung. „Es wird absolut kritisch, wenn sich der See nicht bald wieder füllt“, sind sie sich einig – auch im Hinblick auf den Winter. Damit die Tiere die kalten Monate überleben, suchen sie die tiefste Stelle am Boden auf. Hier am Grund herrschen vier Grad.

Ihr Stoffwechsel wird auf ein Minimum beschränkt, die Körpertemperatur hinuntergeschraubt. Durch ihre im Sommer angefressenen Fettreserven kommen sie zumeist unbeschadet durch den Winter. „Nur, wenn sie sich nichts anfressen können, was dann?“, fragt Lange. Und: Um in einem gefrorenen Gewässer zu überleben, brauchen sie eine Mindestwassertiefe von 80 bis 100 Zentimetern. „Wenn nicht, erfrieren sie.“

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