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Victoria (16) schreibt Abitur mit Traum-Note: Wissen hat sie sich während Corona selbst angeignet

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Von: Bettina Stuhlweißenburg

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Kann stolz auf sich sein: Victoria Bachthaler, die das Abitur im Alleingang schaffte.
Kann stolz auf sich sein: Victoria Bachthaler, die das Abitur im Alleingang schaffte. © Thomas Plettenberg

Glänzendes Haar statt Nerd-Frisur, Bluse statt Schlabber-Shirt, Charme statt Schrulligkeit: Die hochbegabte Victoria Bachthaler entspricht nicht dem Klischee des Sonderlings mit Super-Hirn. Kürzlich hat die Holzkirchnerin ihr Abitur gemacht – im Alter von nur 16 Jahren.

Holzkirchen – Schön wie ein Model sitzt Victoria Bachthaler am Konferenztisch in der Maschinenbau-Firma ihres Vaters und spricht über ihren Weg zum Einser-Abitur. Sie hat es mit gerade einmal 16 Jahren am Münchner Klenze-Gymnasium geschrieben. Extern, also ohne dort je eine Klasse besucht zu haben. Stochastik, Lyrik-Interpretation, Genetik – alles hat sie sich selbst beigebracht. „Ich bin allein wesentlich produktiver“, sagt sie. „Ich kann dann die Lernmethode anwenden, die für mich gut funktioniert.“ Wer extern Abitur macht, muss acht statt fünf Prüfungen absolvieren. Und die erforderlichen Punkte allein im Rahmen dieser Prüfungen schaffen. Schließlich besucht er keine Kollegstufe, die ins Abitur einfließt.

Dass sie das Gymnasium Holzkirchen nach der 10. Klasse verließ, ist auch eine Folge der Pandemie. „Es hat ja eh kein Unterricht mehr stattgefunden“, erklärt Victorias Vater Andreas Bachthaler, der seine Tochter bei der Entscheidung unterstützte, den Weg zum Abitur allein zu gehen. Binnen eines Jahres eignete sie sich den Stoff von zwei Jahren Kollegstufe an. Warum sie es so eilig hatte? „Die Frage kann ich nicht beantworten“, sagt Victoria. „Warum soll sie etwas in zwei Jahren machen, was sie auch in einem schafft?“, sagt ihr Vater.

Mit Acht führte sie Pachtverhandlungen ohne Wissen ihrer Eltern - „Wollte Mini-Schweine züchten“

Victoria war fünf Jahre alt, als die begabungspsychologische Beratungsstelle der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) ihr eine Hochbegabung attestierte. Diese liegt vor ab einem Intelligenzquotienten von 130. Victorias ist deutlich höher. Wie hoch, soll nicht in der Zeitung stehen, aus Sorge vor dem Stempel „Wunderkind“. Ihre Eltern hatten sie dort vorgestellt, weil sie gemerkt hatten, dass ihre Tochter Gleichaltrigen stets voraus war: Mit 18 Monaten konnte sie sprechen. Die erste Klasse verließ sie nach sechs Monaten – und machte in der zweiten weiter. Im Alter von acht Jahren führte sie Pachtverhandlungen mit einem Bauern. „Ich wollte Mini-Schweine auf einer seiner Flächen halten“, erzählt sie. Auch mit einem Züchter hatte sie Kontakt aufgenommen – ohne das Wissen ihrer Eltern. „Ich habe mir immer Projekte gesucht, an denen ich selbstständig arbeiten konnte“, erzählt Victoria, die zwei Schwestern im Alter von 13 und elf Jahren hat.

Eine besondere Förderung erfuhr Victoria nie. Schon deshalb nicht, weil ihre Eltern alle Aufmerksamkeit auf ihre Jüngste richten mussten – ein extremes Frühchen. Allerdings hatten die Experten der LMU dazu geraten, Victoria schon nach der dritten Klasse aufs Gymnasium zu schicken, um sie nicht zu unterfordern. Aber das scheiterte am Widerstand des Grundschulleiters, der das Wohl des Kindes gefährdet sah.

Abiturientin mit 16 Jahren: Victoria fliegen ihre Leistungen nicht einfach zu

Tatsächlich fliegen Victoria ihre Leistungen nicht einfach zu. „Es war anstrengend, innerhalb eines Jahres Abitur zu machen“, sagt sie. Acht Stunden täglich habe sie gepaukt, und wie jeder Mensch auch mal keine Lust gehabt. „Die Hochbegabung bedeutet ja nicht, dass ich Geschichtsdaten auswendig kann.“ Auch sie müsse lernen. „Das geht nicht ohne Disziplin.“ Schwierig war zudem, an den Abi-Stoff zu kommen. „Ich wusste ja nicht, was geprüft wird, und das Kultusministerium war schwer zu erreichen.“ Monatelang büffelte sie Stoff, der sich später als nicht prüfungsrelevant herausstellte. „Da war ich echt verzweifelt, aber meine Mama hat mich wieder aufgerichtet.“ Was sie motiviert hat? „Dass alles in meiner Hand und in meiner Verantwortung lag.“ In der Schule dagegen habe sie Lernen oft als Zwang empfunden. Wie es weitergeht? Das weiß Victoria noch nicht genau. Derzeit genießt sie das Leben im Kreis ihrer Freunde. Im Herbst beginnt sie wohl ein BWL-Studium. Denn das, so meint sie, sei eine gute Grundlage für eine Unternehmensgründung. „Ich habe meinen eigenen Kopf und will mich selbstständig machen. Auch, wenn ich noch nicht weiß, auf welchem Gebiet.“ Viel Erfolg!

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