Schwangere erstochen: Mordanklage

Abtransport der Leiche: Am Abend des 22. Februar wird Zorica H. aus ihrer Wohnung in Taufkirchen geholt und in die Gerichtsmedizin gebracht. Foto: Ess/Archiv

Taufkirchen/Landshut - Harun A. und Vedat S., den mutmaßlichen Mördern einer hochschwangeren Frau aus Taufkirchen, wird möglicherweise schon im Juli der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Die Bluttat war eiskalt geplant.

Die Kripo Erding und die Staatsanwaltschaft Landshut haben ihre Ermittlungen weitgehend abgeschlossen. „Die Anklage ist fertig. Sie geht entweder Ende dieser oder Anfang nächster Woche ans Gericht“, verspricht Ankläger Ralph Reiter im Gespräch mit unserer Zeitung. Er werde den 18- und 20-Jährigen wegen Mordes anklagen. Der Prozess wird vor der Jugendkammer des Landgerichts Landshut stattfinden, die in diesem Fall als Schwurgericht unter der Leitung von Theo Ziegler zusammentritt. Sollte das Gericht ebenfalls auf Mord erkennen, droht beiden nach dem Jugendstrafrecht eine Haftstrafe von maximal zehn Jahren, wobei die Untersuchungshaft berücksichtigt wird. Weil beide über 18 sind, wird öffentlich verhandelt.

Harun A. und Vedat S. wird vorgeworfen, Zorica H. am 21. Februar dieses Jahres mit weit über 100 Messerstichen auf grausamste Weise ermordet zu haben. Die Ermittler fanden die Leiche gefesselt und geknebelt im Bett vor. Harun A. konnte bereits am nächsten Tag in der elterlichen Wohnung in Erding festgenommen werden. Drei Wochen später bezichtigte er seinen Kumpel Vedat S., ebenfalls ein Erdinger, der Mittäterschaft. Während der Jüngere mit einem Geständnis reinen Tisch machte, hüllt sich der Ältere weiter eisern in Schweigen. Weil Harun A.s Geständnis glaubwürdig und umfassend ist, und zudem DNA-Spuren von Vedat S. in der Opfer-Wohnung sowie an der Tatwaffe sichergestellt werden konnten, geht die Anklagebehörde von zwei Tätern aus, „wobei Harun A. für uns Haupttäter ist“, so Reiter.

Und so soll es zu der entsetzlichen Bluttat gekommen sein: Zorica H. war hochschwanger, sie erwartete Ende März ihr Kind. Vater wäre Harun A. gewesen. Der hatte das Kind wohl während einer Affäre gezeugt. Harun A.s Freundin sagte aus, sie sei seit drei Jahren mit dem Deutschtürken liiert.

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Reiter ist überzeugt: „Harun A. hat die Schwangerschaft, von der er die ersten Monate wohl gar nichts wusste, verdrängt, wollte die Verantwortung nicht übernehmen.“ Doch dabei habe die werdende Mutter, die sich laut Interneteinträgen sehr auf das Baby gefreut haben soll, nicht mitgespielt. Reiter: „Sie soll Harun A. immer wieder auf dessen Verpflichtungen angesprochen haben.“ Dabei sei es nicht nur um die Anerkennung der Vaterschaft gegangen, sondern auch um finanzielle Verpflichtungen. Harun A. sagte aus, er habe sich von den Vorhaltung „bloß noch genervt gefühlt“.

Am 21. Februar, rekonstruiert Reiter, ist die Lage eskaliert. „Wir wissen, dass Harun A. und Vedat S. mit dem Vorsatz von Erding nach Taufkirchen gefahren sind, Zorica H. zu töten. Denn sie hatten das entsprechende Equipment dabei.“ Harun A. betonte bis dato, die Lage sei plötzlich eskaliert. Deshalb sei es eine Tat im Affekt und kein Mord. „Das können wir widerlegen“, so Reiter. Harun A. müsse klargeworden sein, „dass er spätestens mit der Geburt des Kindes hätte Farbe bekennen müssen“.

Reiter überrascht die Brutalität des mutmaßlichen Haupttäters: „Er kommt aus geordneten Verhältnissen. Auch das Finanzielle wäre machbar gewesen, habe seine Familie versichert.“ Dass der Umschüler angesichts seiner Ausweglosigkeit regelrecht in einen Blutrausch gefallen ist, „kann ein Hinweis auf eine deutliche Reifeverzögerung sein“, mutmaßt Reiter, der wegen der Brutalität für beide Verdächtige psychiatrische Gutachten in Auftrag gegeben hat. „Dabei geht es aber nicht um die Frage der Schuldfähigkeit, von der sind wir überzeugt.“

Hans Moritz

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