Über 70 Hochwassereinsätze

Land unter im Erdinger Land

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Am Freitag stand bereits der Parkplatz der Therme Erding unter Wasser.

Erding - Stressiges Wochenende für hunderte Feurwehrleute im Landkreis: Über 70 Unwetter- und Hochwassereinsätze mussten sie binnen weniger Stunden bewältigen.

Betroffen war vor allem der Osten. Von Hans Moritz Landkreis - Es war eine Einsatzflut mit Ansage: Bis zu 120 Liter Regen pro Quadratmeter übers Wochenende hatte der Deutsche Wetterdienst für die Region vorhergesagt. Zu allem Unheil waren die Böden nach tagelangen Niederschlägen bereits gesättigt, sprich kaum noch aufnahmefähig. Alles, was vom Himmel kam, landete sofort in Flüssen und Bächen - die umgehend bedrohlich anschwollen.

Die Integrierte Leitstelle (ILS) Erding hatte bereits am Donnerstagabend eine Starkregenwarnung herausgeben - zunächst bis Samstag, 18 Uhr. Später wurde sie auf Sonntag, 12 Uhr, ausgeweitet. Die große, braune Flut schwappte am Freitag gegen 16.30 Uhr über den Landkreis. Bis 19 Uhr gingen die Alarme im Minutentakt ein. Schwerpunkt war anfangs der nördliche Landkreis, später verlagerten sich die Einsätze gehäuft in die östlichen Gemeinden. Drei große Einsatzgruppen stellten sich rasch heraus: überflutete Keller, Wohnungen, Garagen und Werkstätten, überschwemmte Straßen sowie geknickte oder auf nassem Untergrund nicht mehr standfeste Bäume.

Kreisbrandrat Willi Vogl zeigte sich zufrieden, “dass größere Katastrophen verhindert werden konnten”. Es habe auch keine Ortschaft gegeben, die besonders dramatisch betroffen war. “Es war überall viel los, besonders ab Freitagabend.” Laut ILS gingen in der ersten Nacht über 60 Alarme raus, am Samstag waren es nur noch um die zehn - unter anderem überschwemmte es die Verbindung Gaden-Oberhummel.

Die ILS wurde deswegen personell aufgestockt. Nicht nur die Unterstützungsgruppe wurde einbestellt, um die mehreren hundert teils gleichzeitig eingehenden Notrufe aus den Kreisen Erding, Ebersberg und Freising abzuarbeiten. In Erding wurde zudem - was nur bei Großschadenslagen geschieht - die Kreiseinsatzzentrale (KEZ) der Feuerwehr besetzt. Hier wurden die Einsätze über einen eigenen Funkkanal abgewickelt.

Am frühen Freitagabend lief in Altenerding Wasser auf die Lukasmühle zu. Die Feuerwehr errichtete Sandsackbarrikaden, um die Häuser zu schützen. Von dort ging es weiter zur Therme Erding, wo die Parkplätze mehrere Zentimeter tief unter Wasser standen. Die Badegäste eilten zum Teil in Badehose und Bikini in die Kälte, um nach ihrem Auto zu sehen. Die Wehren Erding und Altenerding bargen die Karossen. Bei Schiltern erwischte es einen Schweinestall, der plötzlich unter Wasser stand. In Sonnendorf bei Wörth ging der Dorfweiher über - und gefährdete ein landwirtschaftliches Anwesen. In der Erdinger Innenstadt lief Wasser durch ein undichtes Dach in ein Bekleidungsgeschäft in die Verkaufsräume. Hier hieß es: abdichten und trocken wischen.

Zwischen Aufhausen und Wifling unterspülte der Regen die Staatsstraße und ließ sie teils absacken. Zwischenzeitlich kaum noch passierbar waren die Erdinger Straße in Reithofen, die Verbindung Eichenkofen-Eitting sowie Straßen in Grünbach.

Vielen Wehren wurde die Luft zum Atmen genommen, die ILS schickte sich gleich zu einer ganzen Reihe gleichzeitig überfluteter Keller. Da war nicht zuletzt die Geduld der Opfer gefordert. Die Tauchpumpen liefen ohne Unterlass. Zum Teil übernahmen Einheiten aus den Nachbarorten Einsätze in stärker betroffenen Gemeinden. Am Dorfener Bauhof wurden ab 20 Uhr mehrere Wehren abgestellt, um Sandsäcke zu füllen, die dann in verschiedenen Orten verbaut wurden.

Hans Moritz

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