Höchststrafen für Mörder von schwangerer Zorica H.

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Im Prozess um den Mord an der hochschwangeren Zorica H. (21) hat das Landgericht Landshut die beiden Angeklagten Harun A. (19, links) und Vedat S. (21) zu Höchststrafen verurteilt.

Landshut - Im Prozess um den Mord an der hochschwangeren Zorica H. (21) hat das Landgericht Landshut die beiden Angeklagten Harun A. (19) und Vedat S. (21) zu Höchststrafen verurteilt.

Ohne eine Regung zu zeigen nahmen der 19-jährige Harun A. und der 21-jährige Vedat S., beide aus Erding, gestern das Urteil der als Schwurgericht tagenden Jugendkammer des Landgerichts Landshut entgegen: Wegen gemeinschaftlichen Mordes an der damals 21-jährigen Zorica H. aus Taufkirchen und Schwangerschaftsabbruch verhängte die Kammer jeweils zehn Jahre Jugendstrafe, die im Jugendstrafrecht festgeschriebene Höchststrafe.

Überfüllt war der Sitzungssaal 1 des Landgerichts zur Urteilsverkündung. Enttäuscht waren jene Zuhörer, die nur mehr einen Stehplatz gefunden hatten und von Vorsitzendem Richter Theo Ziegler aus dem Saal „komplimentiert” worden. Gefasst nahmen die beiden Angeklagten, dunkel gekleidet und jeweils mit Krawatte ausgestattet, nach der Vorführung neben ihren Verteidigern Platz.

Die ehemaligen „Blutsbrüder” - wie es im Prozess geheißen hatte - würdigten sich wie schon an den vorangegangen sieben Prozesstagen keines Blickes: Harun A. starrte ständig ins Leere, Vedat S. blickte mit gesenktem Kopf zu Boden. Die Eltern der ermordeten Zorica H., Bernd und Slavica H., hatten am Nebenklägertisch ein Foto ihrer hübschen Tochter vor sich.

Schwangerenmord: Höchststrafe für Angeklagte

Schwangerenmord: Höchststrafe für Angeklagte

Das tragische Geschehen habe im Sommer 2009 mit einer einmaligen sexuellen Beziehung zwischen Harun A. und Zorica H. begonnen, so Vorsitzender Richter Ziegler in der eineinhalbstündigen Urteilsbegründung. Ihre daraus resultierende Schwangerschaft habe dem 19-Jährigen von Anfang an Probleme bereitet, er habe sie als „dunklen Fleck auf seiner weißen Weste” empfunden, hätte den „Fehltritt” gerne ungeschehen gemacht. Zorica H. habe sich dagegen auf „ihre Prinzessin” gefreut, bereits das Kinderzimmer eingerichtet.

Harun A., und das sei erstaunlich, so der Richter, habe es der 21-Jährigen übel genommen, dass sie ihn mehrfach auf die Vaterschaft ansprach, er habe sich belastet und in die Enge getrieben gefühlt, zumal seine eigene langjährige Freundin ahnungslos gewesen sei. In der Folge habe er dann gegenüber Freunden, aber auch gegenüber Zorica H. die Drohung ausgesprochen, sie umzubringen, „wenn sie ihm nicht das Kind vom Hals schafft.”

Sein damals bester Freund Vedat S. habe von diesen Gedankengängen gewusst, auch wenn es noch kein fester Plan gewesen sei. Und Zorica H. habe die Drohungen nicht ernst genommen. Was dann der Auslöser für den Mord in der Nacht vom 20. auf 21. Februar gewesen sei, habe nicht geklärt werden können. Die 21-Jährige habe ihn in die Wohnung gelassen, weil sie an eine Aussprache glaubte.

Die Tat sei vorher nicht minutiös geplant gewesen, Harun A. kein eiskalter Täter, so der Vorsitzende Richter. Bei ihm sei offenbar auf der Fahrt nach Taufkirchen und während des Gesprächs der Wille zur Tatausführung schon abgeklungen. „Der wurde aber wieder entfacht, als sie ihn mit der Wahrheit konfrontierte, dass er nicht davon laufen könne”, so Richter Ziegler.

Kein Zurück mehr habe es dann gegeben, als sein Freund, die sich bis dahin noch am Auto aufgehalten habe, verabredungsgemäß in die Wohnung gekommen sei. „Und das mit einem bösen Gesicht”, wie der 19-Jährige in seinem Geständnis angegeben habe. Da habe Harun A. Angst bekommen, sein Gesicht zu verlieren, wenn er „es” nicht mache. „Er ist dem falschen Wahn erlegen, es machen zu müssen”, so der Richter.

Ausführlich hatte sich die Kammer mit der Rolle des mitangeklagten Vedat S. beschäftigt. Der hatte im Prozess ausgesagt, nur in einer Art Schockzustand zugeschaut zu haben, wie sein „Bruder” 165 Mal zugestochen habe und dann bei der Beseitigung von Spuren und beim Vortäuschen eines Raubmords geholfen zu haben. Sein Verteidiger hatte Freispruch beantragt.

„Hört auf, das ist jetzt nicht euer Ernst”, das seien nach der Aussage von Harun H. die letzten Worte von Zorica H. gewesen, so Vorsitzender Richter Ziegler. Damit stehe fest, dass es zwei Täter gegeben habe: Vedat S. habe sie festgehalten und am Schreien gehindert. Nur zwei spitzen Schreie habe ein Mitbewohner noch vernommen, dann sei es ruhig gewesen.

Die belastende Aussage, mit der Harun A. einige Wochen nach seiner Festnahme seinen besten Freund als Mittäter preis gegeben habe, sei glaubhaft, so der Vorsitzende Richter. Dafür sprächen eine Reihe von Indizien: So hätten beide auf der Fahrt nach Taufkirchen Ersatzkleidung mitgenommen, Zorica H. sei „ruhig gestellt” worden, was ein Täter, der zugestochen habe, wohl kaum allein geschafft hätte. Nicht zuletzt habe sich in der Hauptverhandlung gezeigt, wie schwer es Harun A. gefallen sei, den 21-Jährigen zu belasten, habe von ihm immer nur als „Mittäter” gesprochen. Vedat S. habe auch Tatherrschaft gehabt: „Alles hing von seiner Mitwirkung ab, ohne sein Eingreifen wäre es nicht dazu gekommen.”

Die Kammer sah die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe erfüllt: Harun H. habe aus niedrigster Gesinnung gehandelt, nur um ein Problem loszuwerden und keinen Imageverlust zu erleiden. Vedat S. habe bedenkenlos dessen Motiv übernommen und mitgetragen.

Nach den psychiatrischen und psychologischen Gutachten habe es keine Zweifel gegeben, dass auf beide Jugendrecht anzuwenden sei, so Vorsitzender Richter Ziegler. Und da dürfe man nicht fragen, welche Strafe angemessen und dann entscheiden, welches Recht anzuwenden sei. Straferschwerend sei vor allem ins Gewicht gefallen, dass beide die schwerste Straftat überhaupt, einen Mord, begangen und dabei noch ein zweites Leben vernichtet hätten. „Harun A. hat sein eigenes Kind getötet.”

ötl

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