Kuriose Szenen auf der Autobahn

Ärger mit der Höhenkontrolle: Mit diesen Tricks arbeiten Lkw-Fahrer

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Die Überwachungskamera zeigt, wenn ein Lastwagen wie hier die Höhenkontrolle ausgelöst hat. Dann geht oft lange Zeit nichts mehr auf der Autobahn.

Zu hohe Lkw sorgen regelmäßig für ein Verkehrs-Chaos auf den Autobahnen rund um den Landkreis Fürstenfeldbruck. Immer öfter löst die Höhenkontrolle vor den Tunneln aus. 

Fürstenfeldbruck - Auf den Bildschirmen in der Leitstelle der Autobahndirektion spielen sich regelmäßig kuriose Szenen ab. Lastwagen stoppen vor den Tunneln in Etterschlag, Eching, Aubing oder Allach. Die Höhenkontrolle hat angeschlagen, die Röhren werden dicht gemacht. Nicht wenige der so ertappten Fahrer versuchen noch, ihr Gefährt oder die Ladung abzusenken. Doch dann ist es oft schon zu spät. Die komplexe Technik, die die Höhe der Fahrzeuge misst, hat bereits alles aufgezeichnet.

Bayernweit passiert das im Schnitt einmal pro Woche an jedem Tunnel mit Höhenkontrolle. Auf der A 96 bei Eching und Etterschlag schlägt das System aber zwei bis drei Mal pro Woche an. Seit Jahresbeginn zählte die für Autobahnen zuständige Verkehrspolizeiinspektion Fürstenfeldbruck dort 34 Sperren. Und jetzt sehen auch die Autofahrer auf der A 99 am Allacher Tunnel immer öfter rot – seit Anfang Januar insgesamt 53 Mal. Jedesmal sind Kilometer lange Staus die Folge. 

Fahrer und Spediteure tricksen immer häufiger

Normale Lkw, die etwa Container transportieren, sind nicht das Problem. Meist handelt es sich um außergewöhnliche Ladungen, sagt Heinz Angermeier, Sprecher der Verkehrspolizei. Oft sind es Autotransporter. Die Höhenkontrolle ist aber auch schon durch einen Mähdrescher, geladene Büsche oder eine Grillhütte für das Tollwood-Festival ausgelöst worden. Immer häufiger komme es aber auch vor, dass Fahrer oder Spediteure tricksen. Manche Lkw verfügten über Vorrichtungen, um die Decke des Laderaums bei der Beladung anzuheben. Diese könnten aber auch dazu benutzt werden, mehr Ladung unterzubringen.

Christian Durante, Inhaber des gleichnamigen Transportunternehmens in Eichenau, hat dafür kein Verständnis. Von seinen 30 Brummis, die meist in der Region unterwegs seien, habe jedenfalls noch keiner die Höhenkontrolle ausgelöst. Auch Ulrich Schindler, der mit seinem Mammendorfer Unternehmen regelmäßig Schwertransporte durchführt, ist noch nie mit der Höhenkontrolle in Konflikt geraten. „Wir messen immer nach beim Beladen“, sagt Schindler. Dass es manche Kollegen damit offenbar nicht so genau nehmen, weiß er aus eigener Erfahrung. Schon mehrmals musste einer seiner Kräne zu den Tunneln auf der A 96 ausrücken – um zu hohe Fracht umzuladen.

Mobiles Warnsystem soll installiert werden

Damit das in Zukunft nicht mehr passiert, arbeitet die Autobahndirektion jetzt an einer Lösung. In den nächsten Wochen soll auf der Lindauer Autobahn ein mobiles Warnsystem installiert werden. Es soll Fahrer zu hoher Lkw noch früher warnen und an den Ausfahrten vor den Tunneln ausleiten. Die Anlage lässt sich die Behörde einiges kosten – die Rede ist von einem siebenstelligen Betrag.

Josef Seebacher von der Autobahndirektion findet es zwar ärgerlich, dass wegen der Fehler einzelner so viel Steuergeld aufgewendet werden muss. Doch der volkswirtschaftliche Schaden, der durch die Sperrungen entstehe, rechtfertige die Investition. Pro Sperrung rechnet Seebacher mit Kosten von rund 5000 Euro. Bei über 150 Sperren pro Jahr rechne sich das. „Deshalb sind wir bereit, viel Geld auszugeben.“

Das Problem hat sich mittlerweile im ganzen Landkreis herumgesprochen. Vor kurzem beispielsweise feierte ein Paar seine Hochzeit in Moorenweis, danach sollte die ganze Hochzeitsgesellschaft zu einem Lokal an den Wörthsee fahren. „Wir bitten euch ausdrücklich darum, nicht die Autobahn zu nehmen“, sagte der Bräutigam noch im Standesamt. Sollte es jemand doch versuchen, bestehe die Gefahr, dass er immer noch im Stau feststeckt, wenn das Abendessen serviert wird.

Tobias Gehre

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