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Aus für den Sandmeir: Traditions-Gasthaus schließt - älteste Kleinkunstbühne Bayerns muss weichen

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Vor 60 Jahren eröffnet: das Wirtshaus „Zum Sandmeir“ in Hörbach. Nun ist es geschlossen, wie auf der Homepage zu lesen ist.	Foto: Zagermann
Vor 60 Jahren eröffnet: das Wirtshaus „Zum Sandmeir“ in Hörbach. Nun ist es geschlossen, wie auf der Homepage zu lesen ist. © Zagermann

Der Sandmeir ist Geschichte. Das beliebte Wirtshaus der Familie Bentenrieder in Hörbach hat zugemacht. Das birgt große Probleme.

Hörbach – Das Gasthaus im Althegnenberger Ortsteil Hörbach hat eine lange Geschichte. 1962 hatten es Martha und Florian Sandmeir eröffnet. Damals war sieben Tage die Woche offen, obwohl Florian einen Vollzeit-Job als Bierbrauer in Augsburg hatte. In den 1970er-Jahren entwickelte sich die Gaststätte zum beliebten Einkehrziel für die Ammersee-Ausflügler. Und dann wurde 1975 dort das Hörbacher Montagsbrettl aus der Taufe gehoben – inzwischen älteste noch bestehende Kleinkunstbühne Bayerns.

Doch jetzt ist das Wirtshaus geschlossen – „auf unbestimmte Zeit“, wie auf der Homepage des Gasthauses steht. Das Wirts-Ehepaar Petra und Konrad Bentenrieder schreibt dort: „Es geht so einfach nicht mehr.“

Sandmeir in Hörbach: Umsatzeinbruch und Personalmangel

Als Grund nennt das Paar einen massiven Umsatzeinbruch durch die Corona-Pandemie verbunden mit Personalmangel. Man kämpfe seit zwei Jahren mit Schließung, Kontaktbeschränkung, Zugangsregelungen und Veranstaltungsverboten. Seit Mai 2021 warte man auf beantragte Unterstützungsgelder, die wohl nicht mehr ausgezahlt würden. Für eine persönliche Stellungnahme war die Familie Bentenrieder leider nicht zu erreichen.

Die Schließung hat nicht nur für Hörbacher und Ausflügler Konsequenzen, sondern auch für die Kleinkunstbühne. Nach dem letzten Live-Brettl im Februar 2020 gab es nur noch „Brettl dahoam“ mit Videos und dann im Juli 2021 ein Sommerfest im Sandmeir – „unsere vorerst letzte Veranstaltung dort“, sagt der neue Brettl-Chef Markus Drexler bedauernd. Das Brettl brauchte eine neue Heimat.

Sandmair in Hörbach geschlossen: Vereine müssen Alternative finden

Und die hat man laut Drexler glücklicherweise gefunden: Die Kleinkunstbühne legt im Gasthof Eberl in Hattenhofen los. Mitte Mai ist dort Michael Stephan mit der Lesung „Georg Queri und seine Zeit“ zu Gast. Maxi Pongratz tritt am 20. Juni auf. Zudem sind Jess Jochimsen und Claudia Pichler angekündigt.

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Auch ein Sommerfest soll es wieder geben – das aber in Adelshofen, zwischen Rathaus und Pschorrstadl. Und die Montagsbrettl-Mitglieder dürfen sich dann auf einen Höhepunkt freuen, denn Gründervater Toni Drexler hat etwas Besonderes auf die Beine gestellt.

Während also das Brettl Ersatz gefunden hat, stehen die Eichenlaub-Schützen Hörbach noch ohne Alternative da. Auch sie hatten viele Jahre ihre Heimat im Wirtshaus. „Für uns ist das richtig blöd“, sagt Eichenlaub-Chefin Conny Weissbart. Zumal die Schützen ihr 100-jähriges Bestehen, das im Vorjahr pandemiebedingt ausfallen musste, heuer nachholen wollten – mit einem großen Fest mit Fahnenweihe.

Traditions-Wirtshaus Sandmair schließt: Eichenlaub-Schützen ohne Schießanlage

Die Schießanlage der Schützen im Sandmeir war erst 2018 erneuert worden. Der Verein kann nun eventuell bei Schützen einer Nachbargemeinde unterkommen – zumindest für eine Saison, hofft Weissbart. Eine Lösung für die Zukunft der Eichenlaub-Schützen könnte die Alte Schule sein. Doch dort sind erst einmal Ukraine-Flüchtlinge untergebracht.

Und noch ein Problem ist aufgetaucht: Der Hörbacher Maibaum – bisher immer aufgestellt am Sandmeir-Parkplatz – braucht einen neuen Platz. Und so hatte man am Karsamstag drei kleine Stangerl an potenziellen Standorten aufgestellt, jeweils mit einem Taferl daran, das die Bürger dazu aufrief, über einen neuen Platz nachzudenken und zu entscheiden.

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