Rechtsstreit unter Geschwistern

Hof verloren: 35 Bullen droht die Schlachtung

Christine Scherr sucht einen Stall für ihre Tiere. Der Moorboden an der Goldach ist im Winter nicht geeignet für die Rinder. Am 20. Februar läuft die Frist aus, die ihr die Veterinäre im Landratsamt gesetzt haben. Foto: ps

Ismaning/ Garching - Im Rechtsstreit mit seiner Schwester hat ein Ismaninger Bauer seinen Hof verloren. Danach stand er mit 120 Rindern auf der Straße. Die 35 Bullen sind aktuell auf einem Feld untergebracht, wo sie laut Veterinäramt jedoch nicht bleiben dürfen. Nun droht den Tieren die Schlachtung.

In einer Traktorspur stapft Christine Scherr über den gefrorenen Schlammboden auf eine Gruppe Rinder zu. Es sind ihre Tiere, Zwergzebus um genau zu sein, und sie stehen hier auf einem Feld im Osten von Ismaning unter freiem Himmel, umringt von einigen Strohballen. Die Rinder lassen sich durch den Besuch nicht stören, sie dösen weiter vor sich hin, einige trotten auf Christine Scherr zu, um sich Streicheleinheiten abzuholen.

Die Gelassenheit der Tiere steht im krassen Gegensatz zur Aufgebrachtheit ihrer Besitzerin. „Es kann doch nicht sein, dass diese 35 gesunden Bullen jetzt geschlachtet werden müssen“, sprudelt es aus ihr heraus. „Die Tiere sind mein Kapital. Wenn ich sie nicht mehr habe, weiß ich nicht, wie es weitergeht.“

Um Christine Scherrs Verzweiflung zu verstehen, muss man die jahrelange Vorgeschichte kennen. Mit ihrem Lebenspartner hat sie nahe der Goldach einen Bauernhof in Ismaning betrieben, unter anderem mit 120 Rindern. Doch dann kam es zum Familienkrach: Ihr Partner und dessen Schwester stritten sich, wem der elterliche Hof gehört. Voriges Jahr entschied das Gericht zugunsten der Schwester, die den Hof umgehend verkaufte. Plötzlich stand Christine Scherr vor der Frage: Wohin mit den 120 Rindern?

Dazu muss man wissen: Die 35 Bullen müssen separat von der Mutterkuhherde gehalten werden. Letztere lebt seit September auf einem Gelände im Westen des Garchinger Stadtteils Hochbrück. „Auf acht Hektar Fläche, es gibt Wald und einen Teich - das ist ideal für die Tiere“, sagt Scherr. Dennoch verlangte das am Landratsamt angesiedelte Veterinäramt im Winter einen Unterstand für die Rinder. Denn, so Leiter Hans Marx: „Bei uns hat jedes Rind einen Anspruch auf einen trockenen und geschützten Liegeplatz.“

Was danach geschah, darüber sind sich beide Seiten uneins. Christine Scherr behauptet: „Wir hatten einen Unterstand in Polen bestellt, der am 7. Januar geliefert werden sollte.“ Veterinäramtsleiter Hans Marx hingegen sagt: „Der Tierhalter hat keine Ansätze gemacht, einen Unterstand zeitnah zu bewerkstelligen.“ Daher habe das Landratsamt Anfang des Jahres entschieden, auf dem Gelände in Hochbrück einen Notstall für die 85 Rinder zu errichten (wir berichteten). Die Kosten hierfür werde man dem Tierhalter in Rechnung stellen, sagt Marx. Was Christine Scherr jedoch nicht einsehen mag: „Wir haben das nicht angeordnet. Ich kann das nicht zahlen.“

Dieser Disput rückt nun jedoch in den Hintergrund angesichts der Geschehnisse, die sich auf dem Feld in Ismaning abspielen - unweit des Hofes, wo Christine Scherr einst lebte. Hier stehen seit August die 35 Bullen, doch das will das Veterinäramt nicht länger dulden. „Der Standort an der Goldach unterscheidet sich erheblich von dem in Hochbrück“, erklärt Marx. Schließlich sei der Moorboden im Winter nicht geeignet für die Rinder. „Daher haben wir den Halter aufgefordert, eine andere Lösung zu finden, und zwar relativ kurzfristig.“ Falls dies nicht geschieht? „Dann würden wir die Schlachtung veranlassen“, sagt Hans Marx.

Christine Scherr betont, dass sie keine Vorwürfe gegen das Veterinäramt erhebt. Und: „Wir sind uns bewusst, dass dieses Gelände weit entfernt ist vom Idealzustand.“ Allerdings sei die Frist, die Ende nächster Woche abläuft, zu knapp gesetzt, sagt Scherr. „Ich muss doch erst mal einen Stall finden, wo ich die Tiere unterbringen kann.“ Als weiteres Problem erweist sich dabei, dass sie wegen des kurzfristigen Auszugs keine Bluttests von allen Tieren habe nehmen können. Nun fehle ihr eine Bescheinigung, dass die Bullen seuchenfrei sind. Die Folge: „Wir können die Tiere nicht mit anderen Rindern unterbringen, sondern brauchen einen separaten Stall.“

Nun hofft Christine Scherr, dass sie in den nächsten Tagen eine geeignete Unterkunft für den Winter findet, die auch das Veterinäramt gutheißt. Sollte dem so sein, könne man eventuell noch mal über eine Fristverlängerung sprechen, sagt Hans Marx. Mittelfristig will sich Christine Scherr wieder nach einem eigenen Hof umsehen: „Damit wir unsere Tiere irgendwann wieder zusammenbringen können.“

Stall gesucht:

Wer einen geeigneten Stall für die Rinder kennt, der kann sich direkt mit Christine Scherr in Verbindung setzen - unter der Telefonnummer 0170/9316593.

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