Im Rotwildgehege

Kind sieht zu: Aufregung um Wildtier-Abschuss

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Beliebtes Ausflugsziel: Die Gehege an der Sauschütt im Ebersberger Forst, mit Aussichtsplattform. Der Abschuss von zwei Wildtieren sorgt für Aufregung.

Hohenlinden - Es ist Mittag, eine Mutter beobachtet mit ihrem Kind die Tiere im Rotwildgehege an der Sauschütt im Ebersberger Forst. Es fällt ein Schuss, ein Tier fällt tot um. Die Besucher sind entsetzt, der Forstbetriebsleiter sagt: Ein ganz normaler Abschuss.

Damit hatte Sina Blum ganz und gar nicht gerechnet: Als sie am vergangenen Samstag, um die Mittagszeit, mit ihrem Kind auf der Aussichtsplattform war und die Tiere im Rotwildgehege beobachtet hat, wurde eines der Tiere vor ihren Augen erschossen, berichtet sie. Unmittelbar danach habe das Tier versucht, aufzustehen, sei aber dann zusammengebrochen. „Ich finde es unmöglich, die Sauschütt einerseits als Ausflugsziel für Familien anzupreisen, andererseits dann mitten am Tag, ohne Rücksicht auf Kinder, Tiere im Gehege zu erschießen“, schimpft sie.

Konfrontiert mit diesem Vorwurf bestätigt Dr. Heinz Utschig, Leiter des zuständigen Fortsbetriebs Wasserburg, den Abschuss: „Die Aktion fand zwischen 10 bis etwa 12 Uhr statt.“ Zwei Wildtiere seien erlegt worden, beide durch gezielten Schuss auf das Haupt, abgeben von einem „speziell ausgebildeten und eingewiesenen Mitarbeiter, der dafür eine behördliche Erlaubnis hat“. Der Abschuss sei im Hochholz erfolgt, einem Bereich, der von Besuchern nicht einsehbar sei, so Utschig.

Dem widerspricht Sina Blum: „Die Tiere waren etwa 25 Meter von der Plattform entfernt, als der Schuss fiel; also durchaus sichtbar für Spaziergänger.“ Weil es an jenem Samstag stark geregnet habe, seien sie die einzigen Besucher am Gehege gewesen, berichtet Blum.

Forstbetriebsleiter Utschig weist darauf hin, dass seine Mitarbeiter „in diesem sensiblen Bereich natürlich auf den besten Zeitpunkt achten, um den Abschuss zu erledigen“. Die Mittagszeit sei oft die beste, weil dann die Besucher und Spaziergänger meist beim Essen seien. Der Abschuss erfolge „nach Maßgabe des Veterinäramtes Ebersberg ausschließlich durch einen Schuss auf das Haupt des zu erlegenden Tieres. Dadurch ist sichergestellt, dass der Tod sofort eintritt. Oftmals zappelt das Wild jedoch nach einem Kopfschuss einige Sekunden.“ Unmittelbar nach der Erlegung werde kontrolliert, ob das Tier sachgerecht getötet wurde, beschreibt Utschig die weitere Vorgehensweise. „Im Anschluss durchtrennt der Erleger sofort die Kehle des Tieres, damit ein Ausbluten sichergestellt ist.“

Dies sei in diesem Falle so nicht geschehen, kritisiert Sina Blum. Der Jäger sei nicht sofort gekommen, um die Kehle zu durchschneiden, sagt sie.

Dass in den Gehegen (an der Sauschütt sind es drei) Tiere erlegt werden, sei ganz normal, sagt der Forstbetriebsleiter. Um den Bestand zu wahren und im Gleichgewicht zu halten, erfolge regelmäßig eine Entnahme, unter anderem vor dem Winter. Nachdem der Mitarbeiter die beiden Tiere erschossen hatte, habe er sie auf einer Ladebrücke mittels Schlepper zur Wildkammer gebracht, berichtet Heinz Utschig.

Armin Rösl

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