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In Form von Honig, Eis und Knusperstangen: Oberbayerin isst ihren eigenen Christbaum

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Von: Martin Becker

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Den eigenen Christbaum aufessen? Ja das geht! Kräuterpädagogin Barbara Pafel aus Unterhaching zeigt, welche leckeren Delikatessen man auch Nadelbäumen zaubern kann. 

Unterhaching – Die letzten Kerzen sind abgebrannt, Strohsterne und Lametta abgehängt – spätestens an Mariä Lichtmess (2. Februar) werden Christbäume aus Kirchen und Stuben geräumt. Weg also mit dem abgeschmückten Nadelbaum, ein Fall für den Wertstoffhof? Nein, wer es schlau anstellt, isst seinen Christbaum auf, Stück für Stück, Zweig für Zweig. Wie das geht, verrät Barbara Pafel (48), zertifizierte Kräuterpädagogin und Inhaberin des Bistro-Cafés „Aroma & Kraut“ in Unterhaching. Dort bietet sie, neben Cappuccino und Flammkuchen, auch Workshops an wie „Wilde Winterküache mit Tanne, Fichte & Co.“. Die Botschaft: „Man kann die meisten heimischen Nadelbäume essen – sie bieten vielfältige kulinarische Qualitäten“, sagt Barbara Pafel.

Aus den Nadeln von Tannen, Fichten und Douglasien zaubert Babara Pafel in ihrem Unterhachinger Bistro-Café „Aroma & Kraut“ allerlei Leckereien.
Aus den Nadeln von Tannen, Fichten und Douglasien zaubert Babara Pafel in ihrem Unterhachinger Bistro-Café „Aroma & Kraut“ allerlei Leckereien. © Martin Becker

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Als Würzkraut nutzen wie Rosmarin

Die zertifizierte Wildkräuterpädagogin weiß, dass in der Küche daheim viele auf Gewürzmischungen aus fernen Ländern setzen. Dabei stehen die Zutaten vielleicht noch im Wohnzimmer oder auf dem Balkon: „Mit einem einzigen Tannenzweig lässt sich eine ganze Mahlzeit aromatisieren – man kann ihn, genau wie Rosmarin, als Würzkraut einsetzen“, sagt Barbara Pafel. Die Nadeln seien letztlich „ein verhärtetes Blatt“ – und wegen ihrer sekundären Inhaltsstoffe, vor allem den ätherischen Ölen, „kulinarisch interessant“.

Rezept für „Fichtennadel-Honig-Eis“

Eins der Rezepte, die Barbara Pafel in ihrem Bistro „Aroma & Kraut“ auslegt, ist das für „Fichtennadel-Honig-Eis“.

Zutaten:

. eine Tasse Fichtennadeln

. 200 Milliliter Sahne

. zwei Eier

. fünf Esslöffel Waldhonig

. ein Esslöffel Rum (maximal 40 Prozent Alkohol).

So wird‘s gemacht:

. Fichtennadeln sehr fein hacken; je älter die Nadeln sind, desto wichtiger ist es, dass sie wirklich klein sind.

. Sahne leicht erwärmen, Fichtennadeln dazu geben. Über Nacht ziehen lassen.

. Eier und Waldhonig in einer Metallschüssel im Wasserbad erst schaumig und dann zu einer dicken, sehr cremigen Masse schlagen.

. Rum unter die Masse ziehen, abkühlen lassen.

. Fichten-Sahne kurz aufschlagen (sie muss nicht steif werden!) und ebenfalls unterrühren. In der Eismaschine etwa 20 Minuten gefrieren lassen. Portionieren und mit Fichtennadeln und Beeren der Wahl servieren.

Honig, Eis, Senf, Knusperhäppchen, Füllung für Wildgerichte, Tee oder Badezusätze: Die Liste für die Verwertung von Christbaumnadeln ist lang. Neben den Klassikern wie Nordmanntanne und Blaufichte gehört inzwischen auch die Douglasie zu den Weihnachtsbäumen – von deren weichen Nadeln ist Barbara Pafel ganz begeistert: „Sie riechen und schmecken stark nach Grapefruit und Mandarine. Dieses Zitrusartige ist geschmacklich toll.“

Eine Tasse Nadeln reicht oft aus

Wie so oft gelte das Motto: Viel hilft nicht unbedingt viel. Meist reiche eine Tasse voller Nadeln aus, ein oder zwei Zweige genügen also völlig. An der Frontseite ihres Bistro-Cafés „Aroma & Kraut“ im Unterhachinger Fasanenpark-Einkaufszentrum steht immer noch der Weihnachts-Wunschbaum, „den essen wir Tag für Tag ein Stück weiter auf“.

Um die sekundären Pflanzenstoffe der Nadeln zur Geltung zu bringen, müsse man „die Zelle verletzen“, also die Nadeln brechen. „Vorher anknacksen, sie schneiden, zerkleinern, kneten – erst dann werden die Stoffe freigegeben“, lautet der Tipp der Expertin. Als Delikatesse im Mai gilt es, frische Triebe abzuzwacken für Tannenwipfelhonig. „Aber wenn Horden mit der Gartenschere durch die Wälder streifen, ärgert das die Förster“, mahnt Barbara Tafel zu Augenmaß: „Ein Handstrauß als Eigenbedarf aus der Natur ist in Ordnung, mehr bitte nicht.“

Es muss ein Bio-Baum sein

Wer nun also seine Christbaumreste im Kochtopf verarbeiten möchte, sollte eines beachten: „Es muss ein Bio-Baum sein – wegen der Pestizide“, sagt die Kräuterpädagogin. Besonders bei Adventsgestecken sei Vorsicht geboten: „Gern wird mal ein Zweig Eibe daruntergemischt.“ Doch die Eibe ist giftig, nichts für den Verzehr – auch diese Nuancen bei der Nadelbestimmung vermittelt Barbara Pafel in ihren Workshops. Die seien in erster Linie als „Hilfe zur Selbsthilfe“ konzipiert: „Wir machen den Menschen Lust darauf, den kulinarischen Horizont zu erweitern. Trauen Sie sich, Ihren eigenen Christbaum einmal auszuprobieren!“

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