Horror-Ehe: Eingesperrte Frau lebt von Wasser und Brot

Vaterstetten - Szenen einer Ehe - so umschrieb der Staatsanwalt, was sich in einem Vaterstettener Haus zugetragen hatte. Einem 65-jährigen Mann wurde vorgeworfen, seine Ehefrau bedroht zu haben.

„Ich bring’ dich um. Du bist nichts wert, dein Leben ist nichts wert“, soll Udo K. (alle Namen geändert) am Abend des 27. Mai 2011 seiner Frau Annemarie K. ins Geschicht geschrien haben. Wegen dieser Bedrohung saß er nun auf der Anklagebank des Ebersberger Amtsgerichts.

Udo K. wies die Vorwürfe von sich. Es habe mal wieder Streit wegen der finanziellen Situation des Paares gegeben. „Ich habe diese Sätze nicht gesagt“, erklärte er. Seine Frau, von der er inzwischen getrennt lebe, habe daraufhin wie schon so oft das gemeinsame Haus verlassen und sei später wiedergekommen.

Annemarie K., die als Zeugin geladen war, schilderte den Tathergang anders. Sie seien beide im Wohnzimmer gesessen. „Plötzlich wie aus heiterem Himmel ist er aufgesprungen und hat das geschrien“, sagte die sichtlich aufgewühlte 66-Jährige. „Sein Gesicht war wie eine Fratze.“ Eine harmonische Ehe hatte das Paar offensichtlich schon lange nicht mehr geführt. „Er ist wegen Kleinigkeiten ausgeflippt. Einmal war die Zahnbürste nass, da hat er mich beschimpft.“ Mit dem Tod habe er sie jedoch vorher noch nie bedroht. Sie habe nach der Drohung das Haus verlassen und bei Nachbarn die Polizei verständigt. „Die Polizistin hat mir gesagt, dass sie nichts machen kann, weil ich nicht verletzt bin.“ Die Beamtin habe ihr geraten, sich wieder ins Haus zu schleichen. „Ich habe mich im Schlafzimmer eingesperrt.“ Als ihr Mann das gegen 22 Uhr gemerkt habe, habe er an die Tür geklopft und sie abermals bedroht. Am nächsten Tag sei sie, als ihr Mann kurz das Haus verlassen hatte, ins ausgebaute Dachgeschoss gezogen. Dort habe sie sich drei Tage von Wasser und Brot ernährt. Mit ihrem Handy habe sie am 31. Mai die Polizei gerufen. Diese sei gekommen und habe sich die Situation angesehen - der Ehemann war nicht anwesend. Am gleichen erstattete Annemarie K. Anzeige gegen ihren Mann. Dennoch dauerte es nochmal weitere neun Tage, bis sie es wagte, das Haus endgültig zu verlassen. „Ich habe panische Angst vor ihm, auch heute noch“, so die Zeugin unter Tränen.

Richter Peter Hayler sah den Tatvorwurf als erwiesen an und verurteilte Udo K. zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 55 Euro. Die Zeugin habe den Tatverlauf detailliert geschildert. „Dass sie nochmal in das Haus zurückgekehrt ist, mag ein ungewöhnliches Nachtatverhalten sein, war aber wohl Ausdruck einer gewissen Hilflosigkeit", so Hayler.

Von Tanja Beetz

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