Mit Tempo 160 von der Straße katapultiert

Horror-Unfall mit Tesla: 18-Jährige vor Gericht

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Horror-Unfall: Der Tesla wurde zerstört, die fünf Insassen zum Teil schwer verletzt. Die Fahrerin des Elektroautos, eine heute 19 Jahre alte Pullacherin, musste sich am Dienstag vor dem Amtsgericht verantworten. 

Bei einem riskanten Überholmanöver verliert eine 18-Jährige die Kontrolle über den Tesla ihres Vaters. Alle fünf Insassen überleben den Horror-Unfall - die 18-Jährige muss sich jetzt vor Gericht verantworten. 

Icking – Jugendrichter Urs Wäckerlin richtete nach der Beweisaufnahme deutliche Worte an die junge Frau auf der Anklagebank: „Es war eine absolut absurde Geschwindigkeit, mit der das Auto gefahren wurde.“ Nach übereinstimmenden Aussagen der Beifahrer zeigte die Tachonadel rund 160 km/h, als das Fahrzeug in einer Linkskurve von der Dorfstraße abkam. Der folgenschwere Unfall ereignete sich am 4. Mai vergangenen Jahres gegen 10.15 Uhr auf der Ebenhauser Straße bei Irschenhausen. Die damals 18 Jahre alte Pullacherin war in der Pause auf dem Weg vom Günter-Stöhr-Gymnasium nach Ebenhausen, wo sie sich eine Brotzeit besorgen wollte. Mit in dem Tesla ihres Vaters saßen vier junge Leute – eine Mitschülerin (19) aus Starnberg sowie drei junge Männer aus Wolfratshausen (jeweils 20), Pullach (19) und Gauting (19).

Unfallfahrerin: „Ich habe die Geschwindigkeit falsch eingeschätzt“

Vor ihr sei ein Schüler des Stöhr-Gymnasiums „provozierend langsam“ gefahren, gab die Angeklagte vor Gericht an. Deshalb sei sie nach dem Einbiegen auf die Ebenhauser Straße mit dem Elektrofahrzeug ausgeschert und habe insgesamt drei Fahrzeuge überholt. Wegen Gegenverkehrs musste sie aber mit hoher Geschwindigkeit wieder auf die rechte Spur zurücklenken. „Ich habe die Geschwindigkeit falsch eingeschätzt“, räumte die Unfallfahrerin, die sich im Gerichtssaal noch einmal persönlich bei ihren Mitschülern entschuldigte, ein. An das genaue Tempo könne sie sich allerdings nicht erinnern.

Mitfahrer: „Wir waren viel zu schnell“

Zwei Mitfahrer hatten freie Sicht aufs Armaturenbrett: „Sie kündigte an, dass sie jetzt überholen würde. Das Fahrzeug beschleunigte unvorstellbar, so eine Beschleunigung habe ich noch nie erlebt“, berichtete der Pullacher Student über den Moment, als die Fahrerin das Gaspedal durchdrückte. „Wir waren viel zu schnell“, ergänzte sein damaliger Mitschüler aus Gauting. „Dort ist zwar Tempo 100 erlaubt, aber die Kurve ist mit 80 km/h schon ausgereizt.“

Psychische Schäden machen immer noch zu schaffen

Die Jugendlichen hatten mehr als einen Schutzengel. Die Starnbergerin lag mit einer Milzverletzung eine Woche im Krankenhaus, die Tesla-Fahrerin brach sich bei dem Crash zwei Brustwirbel. Der Wolfratshauser erlitt einen Steißbeinbruch, die zwei anderen jungen Männer kamen mit Prellungen, Zerrungen und blauen Flecken davon. Die körperlichen Verletzungen sind inzwischen verheilt. Schwerer wiegen die psychischen Schäden, die vor allem dem 19-jährigen Gautinger trotz einer Therapie noch zu schaffen machen. „Das Trauma ist mit voller Wucht zurückgekommen“, schilderte der Geschädigte dem Richter seinen seelischen Ist-Zustand. Er könne nicht mehr zu anderen ins Auto steigen, wache nachts schweißgebadet auf, nachdem er sich im Traum „mit voller Wucht irgendwo reinfahren“ gesehen habe.

Sozialstunden und Verkehrskurs

Anders als der Staatsanwalt, der eine Verurteilung der heute 19 Jahre alten Unfallverursacherin nach dem Erwachsenenstrafrecht und eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 15 Euro beantragte, kam für das Gericht eine Geldauflage nicht in Frage. „Das Geld ist weg und die Auseinandersetzung mit der Tat auch“, begründete Richter Urs Wäckerlin seine Entscheidung, erzieherische Maßnahmen nach dem Jugendstrafrecht anzuwenden. Sein Urteil: 64 Sozialstunden und die verpflichtende Teilnahme an einem Verkehrskurs. Außerdem verhängte er eine Führerscheinsperre von weiteren 18 Monaten.

Von Rudi Stallein

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