"Hatten uns mit dem Ende abgefunden"

Freisinger Kicker floh mit dem Boot nach Europa

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Mohamed Majd Al Hosaini war am Dienstag bei Sandra Maischberger zu Gast.

SE Freising - Majd Al Hosaini kickte bis vor ein paar Jahren in der ersten syrischen Liga. Als es für ihn dort zu gefährlich wurde, floh er mit dem Boot über das Mittelmeer nach Deutschland. Mittlerweile ist er hier gut angekommen, was auch am Engagement des SE Freising liegt.

Vor gut zwei Monaten berichtete die "Süddeutsche Zeitung" über einen jungen, syrischen Flüchtling aus Freising, der sich mittlerweile sehr gut in Deutschland eingelebt hat. Mohamed Majd Al Hosaini, der für den Sportclub Eintracht Freising kickt, wurde am Dienstag sogar in die ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger" eingeladen. Uns hat er im Interview Eindrücke von seiner abenteuerlichen Flucht nach Europa geschildert. Außerdem bedankt er sich beim SE Freising, der ihn sehr stark unterstützt hat.

Wie kam es dazu, dass du zu „Menschen bei Maischberger“ eingeladen wurdest?

Vor zwei Monaten erschien in der „SZ“ ein Bericht darüber, dass ich eine Ausbildungsstelle gefunden hatte. Der Artikel hat den Leuten von der ARD so gut gefallen, dass sie über Herrn Appel (Abteilungsleiter Fußball beim SE Freising; d. Red.) mit mir Kontakt aufgenommen haben. Wir haben uns dann getroffen und ausgemacht, dass ich in die Sendung eingeladen werde.

Wie wichtig war es dir, dort zu Wort zu kommen?

Es war mir sehr wichtig, deshalb hat es mich auch total gefreut, dass ich dort sein durfte. Es war sehr schön und die Leute waren sehr nett. Leider war die Zeit ein wenig knapp.

Du hast damals in Syrien in der ersten Liga gespielt. Wie groß ist die Begeisterung für Fußball dort, warst du so etwas wie eine Berühmtheit?

Ich habe dort vor allem in der Jugend gespielt, deshalb war ich noch nicht sehr bekannt. Aber auch in Syrien begeistern sich die Leute für den Fußball. Einige meiner ehemaligen Mitspieler spielen inzwischen in der ersten irakischen und türkischen Liga und sind jetzt berühmt.

Als 17-Jähriger wurdest du von einem syrischen Armeesoldaten mit einem Schuss ins Knie verletzt. Bist du an medizinische Versorgung gekommen und, wenn ja, wie?

Das war nach dem Training. (Es ist dort allgemein bekannt, dass einem Gefahr droht, wenn man während den abendlichen Ausgangssperren draußen unterwegs ist. An diesem herrschte allerdings eigentlich keine Ausgangssperre.) Ich bin dann in ein Krankenhaus gegangen, was sehr teuer war. Ich habe mir das Geld für das Krankenhaus und für die Reise von meinem Vater geborgt. Meinen Eltern habe ich aber gesagt, dass das Geld für eine Reise zu einem Freund nach Libanon sei, damit sie sich keine Sorgen machten.

Mit 300 anderen Leuten warst du in einem Boot auf dem Weg nach Europa und musstest um dein Leben fürchten. Wusstest du um die Gefahren, die dich bei der Überfahrt erwartet haben?

Nein, ich war in Gedanken nur bei dem, was nach der Überfahrt auf mich zukommen würde. Die Gefahren haben mich sehr überrascht. Wir hatten die ersten drei Tage sehr viel Angst, im Meer zu enden. Danach wurden wir ruhiger, wir hatten uns mit unserem Ende abgefunden.

Nachdem ihr einen Notruf abgesetzt habt, wurdet ihr von einem Rettungsboot nach Lampedusa gebracht. Von dort aus ging es für dich weiter nach Deutschland, hier hast du dich dann sehr gut einleben können. Wie konntest du dir so schnell ein neues Leben in Freising aufbauen?

Da haben mir Freunde, Kollegen und Leute aus dem Verein sehr viel geholfen. Dafür bin ich ihnen unendlich dankbar. Meine neue Arbeit macht mir Spaß, ich bin zufrieden.

Wie kam der Kontakt zum Sportclub Eintracht zustande?

Als ich in Freising ankam, habe ich im Internet nach Fußballvereinen gesucht. Dann war ich beim Landratsamt, die haben mir den SV Marzling empfohlen. Dort habe ich trainiert, das hat mir aber nicht so gefallen. In Freising habe ich dann die Leute gefragt, welcher Verein der beste in der Gegend ist. Die haben dann alle vom Sportclub gesprochen. Über Facebook kam der Kontakt zu Herrn Appel zustande, dann habe ich ihm eine E-Mail geschrieben. Wir haben einen Termin ausgemacht und dann war ich Mitglied im Verein.

Zurück zur Sendung: Bist du zufrieden, wie die Gesprächsrunde gelaufen ist?

Nicht ganz, ich war so nervös, dass ich vergessen habe, einige Dinge zu sagen, die mir sehr wichtig waren. Ich wollte noch sagen, dass ich zur Zeit noch auf Wohnungssuche bin und dafür Hilfe benötige und dass es mein Traum ist, einmal für oder gegen den FC Bayern zu spielen. Außerdem wollte ich darauf aufmerksam machen, was mein Verein für mich getan hat. 

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