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Hotel in Oberbayern schließt nach 50 Jahren: „Ein sehr trauriger Tag“

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Von: Andreas Steppan

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Als letzte Gäste des Arabella Brauneck Hotels in Lenggries verabschiedeten sich Gertrud und Peter Ries aus Straubing von Hoteldirektor Christoph Seitz (re.) und Direktionsassistentin Barbara Schober (li.). „Isarwinkel freut sich über Top-Fachkräfte“ Neuer Betreiber wird demnächst bekannt gegeben
Als letzte Gäste des Arabella Brauneck Hotels in Lenggries verabschiedeten sich Gertrud und Peter Ries aus Straubing von Hoteldirektor Christoph Seitz (re.) und Direktionsassistentin Barbara Schober (li.). © Arabella Brauneck Hotel

Die letzten Öffnungstage des Arabella Brauneck Hotel waren für die Mitarbeiter und Stammgäste ein emotionaler Abschied. Eine Neueröffnung des Hotels ist für das Jahr 2024 angepeilt.

Lenggries – „Eine Ära geht zu Ende.“ Diesen Satz haben Christoph Seitz und Barbara Schober in den vergangenen Wochen in vielen Briefen zu lesen bekommen. Es waren immer wieder diese Worte, mit denen Stammgäste die Schließung des Araballa Brauneck Hotels in Lenggries beschrieben. Auch für den Hoteldirektor und die Direktionsassistentin, die Mitarbeiter und nicht zuletzt viele Lenggrieser ist der Abschied eine emotionale Angelegenheit. Die letzten Gäste sind am 9. November abgereist, am 30. November steht nun die Schlüsselübergabe an – 50 Jahre nach der Eröffnung des Hotels.

Nach 50 Jahren: Hotel in Lenggries schließt - neuer Eigentümer will umfassend Sanieren

Rund ein Jahr ist es her, seit der anstehende Wendepunkt in der Geschichte des 1972 zu den Olympischen Spielen eröffneten 108-Zimmer-Hauses bekannt wurde: Wie berichtet hat die Blue Lion GmbH der Familie Schörghuber das Haus an eine Gesellschaft rund um den Lenggrieser Immobilienentwickler Christoph Hertwig verkauft. Der neue Eigentümer kündigte eine umfassende Sanierung und danach eine Wiederöffnung an. Für Noch-Hoteldirektor Seitz ist das alles nachvollziehbar.

„Nach 50 Jahren ist es notwendig, dass umgebaut wird, das ist zwingend für den Ort, dass es ein zeitgemäßes, attraktives Angebot gibt“, sagt er. Der neue Eigentümer Hertwig habe „den richtigen Ansatz, das hört sich alles sehr, sehr gut an“. Nur: „Was mir unglaublich nahegeht, ist, dass nicht wir es machen“, sagt Seitz. Was er meint, ist, dass in Zukunft nicht mehr die zur Schörgubergruppe gehörige Arabella Hotel Betriebs GmbH das Lenggrieser Hotel betreibt.

„Isarwinkel freut sich über Top-Fachkräfte“

Für ihn und sein Team heißt das, dass sie nun Abschied nehmen müssen. Auch wenn das Hotel seit rund zwei Wochen leer steht, herrscht dort dieser Tage reges Treiben. Die Mitarbeiter packen, sortieren, schleppen Kisten hinaus – und grüßen jeden, der vorbeikommt, genauso freundlich wie immer, auch wenn viele innerlich nicht so fröhlich sein mögen.

Die Gefühle sind auch Christoph Seitz und Barbara Schober deutlich anzumerken, als die über den Ablauf der letzten Tage des Hotel in seiner jetzigen Form berichten. „Das Haus eine besondere Seele“, sagt Seitz, der das Hotel in den vergangenen sieben Jahren führte. „Es steckt so viel Herzlichkeit und Freundlichkeit darin. Und wenn dieses Herz nun bricht, ist nun mal Schmerz da.“

„In den letzten Wochen sind alle Stammgäste noch einmal gekommen“

Je nach Saison und Zahl der Aushilfen hätten bis zu 60 oder 70 Personen im Hotel gearbeitet, sagt er. Viele davon waren zehn, 20 oder mehr Jahre im Haus angestellt. Zusammen habe es das Team zuletzt auf über 700 Jahre „Dienst am Gast“ allein im Arabella Brauneck Hotel gebracht, hat Seitz ausgerechnet. Auch für Direktionsassistentin Schober war das Haus 22 Jahre lang ihr Arbeitsplatz– und mehr als das.

Kein Wunder, dass da besondere Bindungen entstanden. Viele Gäste seien immer wieder gerne zu den vertrauten Gesichtern in Lenggries zurückgekehrt – und umgekehrt habe man bei den Gästen miterleben können, wie teils die zweite und dritte Generation derselben Familien im Lauf der Jahre im „Arabella“ eincheckten.

„In den letzten Wochen sind alle Stammgäste noch einmal gekommen“, berichtet Schober – aus allen Teilen Bayerns, Nordrhein-Westfalen, Hessen oder Berlin. Das Ehepaar Gertrud und Peter Ries aus Straubing habe sich explizit gewünscht, dass sie die letzten Gäste sind – und so war es am Ende auch. „Ja, es war schon wirklich etwas Besonderes, dieses Arabella“, schreibt das Ehepaar in einem Abschiedsbrief. „In unseren Herzen lebt es weiter mit den wunderbaren Bildern und Momenten.“ Ein „sehr trauriger Tag“ sei der letzte Öffnungstag für sie gewesen, räumt Barbara Schober ein. Noch etwa 20 Gäste hätten im Frühstücksraum Platz genommen, mit jedem habe man vor dem Auschecken noch mit einem Glas Sekt angestoßen.

Neuer Betreiber wird demnächst bekannt gegeben

Schon zuvor hatte es einen Abschied auf Raten gegeben – begonnen bei der vierten „Open-House-Party“ Mitte September, die zur „verkappten Abschiedsparty“ wurde, wie Seitz berichtet: „200 Gäste und 50 Mitarbeiter hatten richtig Spaß“. Beim letzten Sonntagsfrühstück dann begrüßte das Arabella-Team allein 70 À-la-carte-Gäste. „An so etwas kann ich mich nicht erinnern“, sagt Seitz, sonst seien es an der Spitze zu Weihnachten höchstens 30 oder 40 gewesen. Und auch das Restaurant war am letzten Öffnungsabend noch einmal rappelvoll. Denn auch zahlreiche Isarwinkler wollten Servus sagen.

Seitz betont immer wieder, wie „hochprofessionell“ das ganze Team den Betrieb bis zum letzten Tag weitergeführt habe. Es sei übrigens keinem einzigen Mitarbeiter gekündigt worden. „Wir konnten uns mit jedem einzelnen einigen.“ Es gehe jetzt auch keiner in die Arbeitslosigkeit, sondern „der Isarwinkel freut sich über Top-Fachkräfte“. Viele hätten neue Jobs in der örtlichen Gastronomie gefunden, auch das im Bau befindliche Hotel „Bergeblick“ in Bad Tölz könne auf frei gewordenes Personal zurückgreifen, „und eine gute Handvoll bleibt der Unternehmensgruppe erhalten“, sagt Seitz. Das heißt: Wie er selbst und zum Beispiel auch der Küchenchef wechseln sie ins Araballa Hotel Spitzingsee.

Neue Betreiber wird bald bekanntgegeben

Das Inventar wird nun sortiert. Manches bleibt an Ort und Stelle, weil es der neue Eigentümer miterworben hat, anderes findet noch Verwendung am Spitzingsee, manches wird auch gespendet, etwa an örtliche Vereine, die Mittelschule oder den Kindergarten. Seitz ist in den vergangenen Tagen auch ein Gästebuch in die Hände gefallen. Niemand Geringeres als König Albert II. von Belgien hat sich darin verewigt.

Ausgeräumt haben im Arabella Brauneck Hotel auch Sabine und Stefan Pfister, die die dortige Kaminstubn als Kultur-Veranstaltungsort ihres „KKK“ nutzen. Mit ihnen will Seitz im Gespräch bleiben, kündigt er an. Und überhaupt: „Wir sind ja nicht aus der Welt.“ Für das Hotel an der Münchner Straße peilt Miteigentümer Hertwig derweil eine Wiedereröffnung im „ersten Quartal 2024“ an, wie er auf Rückfrage unserer Zeitung sagt. Der künftige Betreiber werde in Kürze bekannt gegeben. Es habe mehrere namhafte Bewerber gegeben. Für die Umbaumaßnahmen laufe aktuell noch das Bebauungsplanverfahren. Danach wolle man so schnell wie möglich den Bauantrag stellen, so Hertwig.

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