Wegen Gewitters in S-Bahn geflüchtet

Hütehund Toni ist wieder bei seinem Herrchen

Uwe Frank im Garten mit seinem Hund Toni: Der 48-Jährige, der Matrose bei der Bayerischen Seenschifffahrt ist, freut sich, dass sein Hütehund wieder daheim ist.

Haimhausen - Weil er so große Angst vor Gewitter hat, ist Hütehund Toni (6) seinem Frauchen beim Gassi gehen in Germering entwischt. Seine Flucht führte ihn bis zum Flughafen München. Dorthin war der Vierbeiner mit der S-Bahn gefahren.

Groß wie ein Kalb, graubraunes Zottelfell, 40 Kilo schwer und ein Riesenmaul: Der mazedonische Hirtenhund Toni ist eine beeindruckende Erscheinung. Schließlich wurde seine Rasse gezüchtet, damit sie ganz allein in den Bergen Viehherden bewacht. Doch der Rüde aus Germering (Kreis Fürstenfeldbruck) ist ein echter Hasenfuß. Wenn es donnert oder knallt, hat er panische Angst.

So war es auch, als sein Frauchen Claudia Frank mit ihm nachts noch Gassi war. Kurz bevor sie ihr Zuhause erreichten, passierte das Unglück. Es donnerte, Toni drehte durch, wand sich aus seinem Halsband und ward nicht mehr gesehen. Verzweifelt suchten die 52-Jährige und ihr Mann Uwe ihren Liebling. „Ich bin bis nachts um vier die Umgebung abgelaufen und habe ihn immer wieder gerufen“, erzählt sein Herrchen. „Unsere größte Angst war, dass er in ein Auto läuft.“

Als Toni auch am Morgen nicht vor der Tür stand, rief Claudia Frank bei der Polizei an. Ihr Mann musste derweil in die Arbeit. Die Eheleute erlebten bange Stunden. Schließlich ist Toni, seit sie ihn vor zweieinhalb Jahren aus dem Starnberger Tierheim holten, ihr Ein und Alles. Nicht auszudenken, wenn ihm etwas zugestoßen wäre.

Am Nachmittag kam endlich der erlösende Anruf. Am Apparat war ein Mitarbeiter des Tierheims in Riem. Doch wie war Toni dorthin gekommen?

Bei einem Gewitter war der große Hund aus Angst in die S-Bahn geflüchtet und erst am Flughafen München „ausgestiegen“. Die Bundespolizei (oben) kümmerte sich um den Vierbeiner.

Die Antwort wusste die Flughafenpolizei. In der Nacht ging die Meldung ein, dass ein Hund am Bahnsteig des Flughafens herumläuft. Toni muss also auf seiner Flucht vor dem Gewitter an der Haltestelle Harthaus in die S8 gestiegen und bis zur Endstation gefahren sein. Der S-Bahn-Halt ist zwar einige Minuten von seinem Zuhause entfernt, doch Toni kennt den Weg gut. „Wir fahren oft mit ihm S-Bahn, das macht ihm viel Spaß“, sagt Tonis Herrchen. Der Vierbeiner habe wohl auch Zuflucht im Zug gesucht, weil es stark regnete. „Er hat nicht nur Angst vor Donner, er wird auch nicht gerne nass.“

Am Flughafen stieg Toni aus, irrte umher und lief schließlich in den Tunnel. Das hätte auch böse enden können. „Zum Glück hat ihn die S-Bahn nicht überfahren“, sagt Uwe Frank. Der 48-Jährige ist froh, dass es der Polizei gelang, Toni einzufangen. „Die S-Bahn ist langsam hinter ihm hergefahren und hat ihn aus dem Tunnel getrieben, dann hat er sich brav anleinen und mitnehmen lassen.“ Denn obwohl er gefährlich aussieht und der Rasse nach zu den Schutzhunden gehört, ist Toni ein ganz Lieber. „Er lässt sich von jedem anfassen und freut sich über alle Menschen.“

Die Bundespolizisten brachten den Vierbeiner dann in der Früh dem Gnadenhof des Münchner Tierschutzvereins. Als sein Frauchen ihn von dort abholte, war die Freude groß. Daheim bekam Toni ein extra großes Stück Wurst. Sein aufregendes Abenteuer scheint er gut verkraftet zu haben. Uwe Frank: „Er war nur wahnsinnig müde und hat den ganzen Abend geschlafen.“

Marion Bischof

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