Lebensgefährliche Köder

Hund Hannibal schluckt Wurst mit Rasierklingen

Dobermann Hannibal geht es wieder gut. Das in einer Tierklinik gemachte Röntgenbild zeigt die zwei lebensgefährlichen Rasierklingen.

Ein Hundehasser hat an einem Weiher bei Berglern lebensgefährliche Köder ausgelegt. Dobermann Hannibal hat eine solche Wurst mit Rasierklingen geschluckt. Nach einer OP geht es ihm gut.

Berglern – Einen Schock hat Charlotte Nobles am Montag an einem Weiher bei Berglern erlebt. Ihr Hund Hannibal hat einen mit Rasierklingen präparierten Köder gefressen. Der Wurst im Gras konnte der Dobermann einfach nicht widerstehen. „So schnell konnte ich gar nicht reagieren, da war die Wurst weg“, erzählt die 54-Jährige aus Notzingermoos. Sofort fuhr sie mit ihrem Liebling zum Tierarzt, von dort ging es weiter zur Notoperation in einer Tierklinik in München.

Wenn nicht 20 Zentimeter neben dem ersten Happen ein weiterer im Gras gelegen wäre, hätte die Hundehalterin die Gefahr für den achteinhalbjährigen Rüden gar nicht so schnell erkannt. „Es war so eine Art Polnische Wurst“ – und nicht die einzige lebensgefährliche Falle, die ein Unbekannter an dem Weiher neben der Straße zwischen Berglern und Eitting ausgelegt hatte. Bereits am Sonntag hatte ein Hundebesitzer eine mit einem Metallstift versehene Wurst gefunden und sie tags darauf der Polizei übergeben. Das teilt Inspektionsleiter Anton Altmann im Pressebericht mit.

„Hannibals Glück war, dass er den Köder nur geschluckt und nicht gekaut hat“, erzählt Nobles. In der Narkose habe sich der Hund aber übergeben und die Klinge blieb in der Speiseröhre stecken. Am Ende wurde sie endoskopisch entfernt. Hannibal geht es wieder gut.

Nobles hat Anzeige erstattet. Streifenbeamte haben das Gebiet gestern bereits nach weiteren Hundefallen abgesucht. Altmann rät Hundebesitzern nun, in diesem Bereich vorsichtig zu sein. Auch Nobles warnt vor der Gefahr – unter anderem auf Facebook. Vor einem Jahr habe es dort bereits solche Vorfälle gegeben, heißt es in einem Kommentar zu ihrem Beitrag in dem sozialen Netzwerk.

Nobles habe genau richtig reagiert, sagt Dr. Alfred Ertl auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wenn man einen solchen Verdacht hat, dann muss man sofort zum Röntgen“, erklärt der Langenpreisinger Tierarzt (61). Wenn ein Tier Anzeichen von Unwohlsein zeige, würde mancher Halter zu abführenden Hausmitteln greifen – zum Beispiel Sauerkraut, mit Kartofffelbrei und Soße vermischt. In diesem Fall hätte das fatale Folgen gehabt. Dann wäre der scharfe Gegenstand im Verdauungsapparat weitergerutscht und hätte schwerste Verletzungen verursacht.

„Die Ermittlungschancen sind sehr gering“, meint der Erdinger Polizeichef über die Suche nach dem Täter. Diese Fälle seien äußerst selten, sagen Polizist Altmann und Tierarzt Ertl. Und auch Angie Schöner vom Tierschutzverein Erding fallen wenige solche Anschläge ein. Vor einem Jahr sei ein Hund in ihrem Heimatort Kirchberg vergiftet worden. Die Hundebeauftragte des Vereins ist entsetzt über die Brutalität, sieht aber auch die Hundehalter in der Pflicht. Erstens sollten Herrchen und Frauchen Rücksicht auf andere Menschen nehmen: indem sie Hundekot wegräumen und bei besonders ängstlichen Zeitgenossen sofort den Hund zurückpfeifen.

Zweitens könne man die Tiere durchaus so erziehen, dass sie Versuchungen widerstehen. „Mit Liebe und Konsequenz ist das machbar“, sagt die 63-Jährige. „Besonders verfressene Hunde“ müssten im Zweifel mit einem Maulkorb vor den Folgen ihrer Gier geschützt werden.

All das beherzigt Charlotte Nobles. „Ich war mit Hannibal vier Jahre lang vier Mal pro Woche in der Hundeschule.“ Und seine Hinterlassenschaften räume sie immer weg. Dennoch habe sie erst kürzlich an ihrem bisherigen Lieblingsweiher Anfeindungen von einem anderen Badegast erlebt. Hannibal ist gesund, das sei das Wichtigste. „Und jetzt müssen wir uns halt einen neuen Weiher suchen.“

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