Umgestürzter Baum sorgt für Bahnchaos

Raste ICE 1715 knapp an Katastrophe vorbei?

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Die Passagiere im ICE1715 hatten Riesen-Glück.

München - Ein ICE raste am späten Sonntagabend auf der Strecke zwischen Ingolstadt und München in einen Baum, der auf den Schienen lag. Der Zug hätte leicht entgleisen können! Eine Passagierin berichtet.

Kurz nach Ingolstadt, noch etwa eine halbe Stunde bis zur Endstation. Um 22.47 Uhr soll am Sonntagabend der ICE 1715, der um 12.45 Uhr in Binz auf der Ostseeinsel Rügen gestartet war, den Hauptbahnhof in München erreichen. Plötzlich, um 22.15 Uhr – der Zug ist gerade zwischen Baar-Ebenhausen und Rohrbach (Ilm) unterwegs – erschüttert ein Schlag den Neigetechnik-Express. „Man hat ganz deutlich gespürt, dass der Zug auf was draufgefahren ist“, sagt Maria W., die von Berlin nach München unterwegs war. „Und dann hat man ein Geräusch gehört, wie wenn was mitgeschleppt wird“, sagt sie zur tz.

Mitgeschleift wurde von dem Zug ein Baumstamm mit ordentlichen Dimensionen,der kurz zuvor auf die viel befahrene Hochgeschwindigkeitsstrecke München - Ingolstadt gefallen war. Warum, weiß man bei der Bahn noch nicht genau. „Wir gehen davon aus, dass es witterungsbedingt war“, so eine Sprecherin der DB zur tz.

Sicher ist, dass der Stamm seitlich hochgewirbelt wurde und dabei die Oberleitung auf einer Länge von 750 Metern sowie den Stromabnehmer des ICE beschädigte. Der Zug, der gerade noch mit 160 km/h dahingerauscht war, stand still. Man mag sich nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn der Baum den 402 Tonnen schweren ICE zum Entgleisen gebracht hätte. So kamen die rund 200 Fahrgäste mit dem Schrecken davon.

ICE rast gegen Baum: Bilder von der Unfallstelle

ICE rast gegen Baum: Bilder von der Unfallstelle

Dann jedoch begann für sie ein stundenlanges Warten, bei dem die Bahnmitarbeiter mit Sprach- und Informationslosigkeit glänzten, wie Maria W. verärgert schildert. „Zuerst hat der Lokführer noch durchgesagt, was passiert ist“, erzählt sie. Dass ein hochgewirbelter Baum die Oberleitung beschädigt habe und man versuche, Ersatzbusse zu organisieren. Später dann, dass der Zug wohl doch nach München abgeschleppt werde. „Vom Zugpersonal war niemand zu sehen“, sagt Maria W. „Da herrschte drei Stunden lang komplettes Schweigen.“

Da nur eingeschränkt Strom zur Verfügung stand, war die Klimaanlage abgeschaltet, und wie lange Licht und Toilettenspülung funktionieren würden, wusste niemand zu sagen. In ihrem Abteil hätten die Reisenden die Situation „mit stoischer Ruhe“ ertragen, die Bundespolizei war jedoch mit einer Streife am Zug. Grund des Einsatzes: Unmutsbekundungen der Passagiere.

Auch ein Regionalzug, der in der Gegenrichtung fuhr, war von der Streckensperrung betroffen. Wegen des Oktoberfestes war es der Bahn nicht gelungen, rechtzeitig ausreichend Ersatzbusse zu organisieren, sodass die Fahrgäste dieses Zuges mit Großraumtaxis zum nächsten Bahnhof befördert wurden. Wie hoch der Schaden an Zug und Anlagen ist, konnte die Bahn am Montag noch nicht sagen. Der Fernverkehr wurde umgeleitet.

Am Montagfrüh um 4.22 Uhr kam der havarierte ICE, gezogen von einer Diesellok, mit 336 Minuten Verspätung im Hauptbahnhof in München an, um 5.15 Uhr war Maria W. schließlich in ihrer Wohnung.

V. Pfau

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