Ich nahm 113 Kilo ab!

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Endlich geht Umarmen wieder: Freundin Steffi und ihr baldiger Ehemann.

Ramelsbach – Vom 190-Kilo-Koloss zum durchtrainierten 77-Kilo-Mann. Armin Praml (29) hat 113 Kilo abgenommen, unter anderem mit Radfahren. Der Dachauer erklärt, was sonst noch wichtig war.

Zwei Tiefkühlpizzas, ein Pfund Tiramisu und „hinterher noch was Süßes“: Das bezeichnete Armin Praml vor vier Jahren als halbwegs sättigendes Abendessen. Ein 190-Kilo-Koloss war er damals – heute wiegt er nur noch 77 Kilo bei 1,81 Metern Körpergröße! Fit und durchtrainiert schaut er nun aus, der Anlagenmechaniker (29) aus Ramelsbach im Kreis Dachau.

190-Kilo-Mann: Dieses Gewicht brachte Armin Praml 2007 noch auf die Wage.

An einem Nachmittag im Juli 2007 schwor Praml, sein Leben zu ändern. Während seine damalige Freundin, ein Persönchen von 50 Kilo, Wasserträger und andere Einkäufe hoch in die gemeinsame Wohnung schleppte, lag er wie tot auf seiner Wohnzimmercouch, die sich unter fast vier Zentnern Last wölbte. Er konnte ihr einfach nicht zur Hand gehen, weil ihm die Treppe hoch in den ersten Stock alle Kräfte geraubt hatte.
„Ich war immer schon fest, schon als Bub“, erzählt Armin Praml den Dachauer Nachrichten. So mit 18, 19 sei es aber dann schlimm und schlimmer geworden. „Bis zur Fettsucht“, sagt Praml. „Ein unschönes Wort, ist aber wohl passend.“

Radsport interessierte den jungen Mann schon damals, allerdings passiv. Praml schaute sich die Radrennen im Fernsehen an. Dass er einmal selber Rennen fahren würde, hätte im Sommer 2007 niemand für möglich gehalten.

Außer vielleicht Praml selbst. „Mein Wille ist meine Stärke“, schreibt der heute 29-Jährige auf seiner Facebook-Seite. Sein erster Weg damals führte zum Hausarzt. Der teilte seinem abspeckwilligen Patienten erst einmal mit, dass es acht Jahre dauern werde, bis 80 Kilo runter sind.

Fünf Monate später wog Armin Praml noch 120 Kilogramm. Einen Apfel aß er am Tag, manchmal einen ­Joghurt. Mehr nicht. Das Programm war hart, nicht gerade gesund, aber sehr effektiv.

„Kleine Ausrutscher“ gab es, weshalb das Gewicht zwischendrin wieder auf 140 Kilo hochging. Steffi, die neue Freundin, war die Leidtragende. Praml: „Sie musste meine durch Heißhungerattacken ausgelöste schlechte Laune ertragen.“

Steffi ertrug. Und ihr Armin kehrte zurück auf den Abnehmweg. Dass die Pfunde purzelten, lag auch am Sport, den Praml für sich entdeckte: Fitnessstudio und vor allem Radfahren. Im Juni 2010 sollte er in München sein erstes Gaudi-Rennen bestreiten.
Als nahezu untrainierter „Schwer-Athlet“ aber wollte er nicht an den Start gehen. Wenn er an die Vorbereitung zurückdenkt, fallen Praml zwei Worte ein: „Schmerz und Schweiß.“ Wöchentlich strampelte er 150 Trainingskilometer ab. Wenn es draußen in Strömen goss, das Bett warm und der Schweinehund groß waren, half Pramls Freund Adrian Brugger. Der stand vor der Tür und holte ihn zum Training ab, immer.

In diesen Tagen machte sich Armin Praml ein Motto zu eigen, das schon Tour-Sieger Jan Ullrich auf den derbsten Anstiegen in Frankreichs Alpen vorangetrieben hatte: Quäl dich, du Sau!

Das Rennen konnte kommen. Nebenbei unterschritt Praml die 100-Kilo-Grenze. „Ich kam bis auf 97 Kilo, was für mich fast schon an Magersucht grenzte.“

„Nicht mal ganz so schlecht“ sei es verlaufen, das erste Radrennen seines Lebens. Es sollte nicht das letzte sein. Praml meldete sich beim Dachauer Radsportclub Soli an, fuhr dort schon die Vereinsmeisterschaft mit und trainiert mittlerweile mit der Soli-Renngruppe.

Obwohl die Achillessehne zwickt, will Armin Praml am 15. August das Rennen der Hobbyklasse beim Dachauer Bergkriterium gewinnen. Dann gilt alle Aufmerksamkeit dem zweiten wichtigen Termin des Jahres: Am 1. Oktober heiratet Praml seine Steffi.

Thomas Leichsenring

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