"Ich sah nur noch einen Schatten"

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Sieben gebrochene Rippen, schwerer Schock: Den Münchner Hans G. schmerzt der Verlust seines geliebten Jagdpferdes Largos

München - Der Schock über das tragische Ende der Schleppjagd im Schleißheimer Schlosspark am Sonntag sitzt tief bei Hans G. (67). Bruchstückhaft erinnert er sich an den Unfall.

In vollem Galopp hatte sein Pferd Largos 200 Meter vor dem Ziel plötzlich einen Herzstillstand erlitten und war tot zu Boden gestürzt. Der Vaterstettener liegt nun mit sieben Rippenbrüchen und Hämatomen an den Armen im Krankenhaus – der anfängliche Verdacht auf schwere Kopfverletzungen bestätigte sich zum Glück nicht.

Zusammen mit 34 anderen Reitern und flankiert von 40 Jagdhunden war Hans G. am Sonntag im dicht gedrängten Pulk durch den Park galoppiert. Ziel: die Beute erwischen. Die Jagd verlief gut, bis nach dem letzten Hindernis. Bruchstückhaft erinnert sich Hans G. an den Unfall: „Auf einmal war Largos irgendwie unmotiviert, brach nach links aus und strauchelte. Ich konnte nicht mehr auf ihn einwirken. Dann sah ich nur noch einen Schatten, und wir stürzten.“

Im Fall prallt der dunkelbraune Wallach gegen das neben ihm galoppierende Pferd Favorit, dessen Reiter (71) sich beim Sturz schwer verletzt. Hans G. wird unter seinem Largos begraben und verliert kurz das Bewusstsein. Beide Reiter werden sofort von Sanitätern behandelt und ins Krankenhaus gebracht.

Bilder von der Schleppjagd und Kutschengala

Bilder von der Schleppjagd und Kutschengala

Laut Tierarzt erlitt Largos einen Aortenabriss am Herzen, wohl ausgelöst durch die schwüle Hitze und das hohe Alter des Tieres. Jagdkollege Toni Wiedemann, Vorsitzender des bayerischen Schleppjagdvereins und Veranstalter der Schleppjagd in Oberschleißheim: „20 Jahre ist für ein Pferd ein stattliches Alter. Largos hätte sich eigentlich keinen besseren Ort zum Sterben aussuchen können.“ Doch das sieht der 67-jährige Besitzer anders: „Viele Jagdpferde galoppieren noch im Alter von 25 Jahren mit. Mein Largos war so fit und gut im Training. Er hatte Spaß und war voller Power bei der Jagd am Sonntag. Sein Tod kam viel zu früh.“

Der Verlust seines langjährigen Freundes schmerzt den Münchner. Vor 16 Jahren hatte Hans G. den damals vierjährigen Hannoveraner-Wallach in der Nähe von Augsburg gekauft. Als erfahrenes Jagdpferd nahm Largos an 140 Jagdrennen für seinen Reitclub Steinsee (Landkreis Ebersberg) teil – Pferd und Reiter waren ein eingespieltes Team.

Hans G. muss noch drei, vier Tage im Krankenhaus bleiben. Ob er wieder reiten wird? „Ich steige auf jeden Fall wieder in den Sattel. Ich muss aber warten, bis ich keine Schmerzen mehr habe. Das wird lange dauern.“

Christina Lewinsky

So geht es weiter mit den Jagden

Seit 110 Jahren findet die traditionelle Schleppjagd in Bayern statt. Doch bereits letztes Jahr kam es zu einem schweren Unfall, als eine Reiterin auf der Strecke stürzte. Auch am Sonntag die traurige Bilanz: zwei schwer verletzte Reiter, ein totes Pferd. Ist die Schleppjagd in den Alleen des Schlossparks Schleißheim überhaupt noch verantwortbar?

Bei der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung gibt man sich vorerst gelassen. „Es ist jetzt Sache des Veranstalters, Vorschläge zu machen, wie man solche Vorfälle zukünftig vermeiden kann“, sagt der Leiter der Zentralabteilung, Jochen Holdmann, zur tz. Schuldzuweisungen werde es nicht geben, bevor der Hergang des Unfalls nicht restlos geklärt sei.

Laut Dieter Rügemer vom Bayerischen Reit- und Fahrverband, einer der beiden Veranstalter der Schleppjagd, werde sich nächstes Jahr nichts Grundlegendes ändern. „Gegen eine Jagd mit 35 Pferden und 40 Hunden ist kein Sicherheitskraut gewachsen.“ Man denke aber über eine Verringerung der Teilnehmerzahl nach. Das eigentliche Problem während der Jagd: Die Zuschauer ließen ihre Hunde oft unkontrolliert auf die Jagdstrecke laufen. Das sei besonders gefährlich, wenn der Jagdpulk im schnellen Tempo heranprescht, so Rügemer.

Auch Toni Wiedemann vom Schleppjagdverein Bayern sieht keinen Bedarf für Änderungen: „Unsere Teilnehmer sind alle sehr erfahren. Trotzdem kommt es bei einer Jagd natürlicherweise zu Stürzen. Das lässt sich nicht verhindern.“

Dr. van Gaal, Vorsitzender vom Verein Gewerkschaft für Tiere, mahnt: „Bei solchen Veranstaltung werden die Tiere oft bis über ihre Grenzen hinaus belastet. Strengere Kontrollen sind hierbei wünschenswert.“

CL

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