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Kruzifix, der Jesus ist weg: Unbekannte schrauben Herrgott-Figur von Feldkreuz in Icking ab - Familie entsetzt

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Von: Cornelia Schramm

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Ein Feldkreuz ohne Herrgott: Thomas Stahn (41) und seine ganze Familie sind schockiert. Jemand hat die Jesus-Figur geklaut.
Ein Feldkreuz ohne Herrgott: Thomas Stahn (41) und seine ganze Familie sind schockiert. Jemand hat die Jesus-Figur geklaut. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Seit 30 Jahren wachte ein geschnitzter Herrgott über Spaziergänger und Radfahrer in einem Waldstück bei Icking. Familie Stahn hat das Feldkreuz einst aufgestellt – und jetzt völlig verwaist vorgefunden.

Icking – Und plötzlich war der Herrgott weg. Familie Stahn aus Icking im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist fassungslos: Jemand hat die Jesus-Figur von ihrem Feldkreuz geschraubt und mitgenommen. Vom handgeschnitzten Gottes Sohn fehlt jede Spur. Jetzt ermittelt sogar die Polizei.

Irmgard Stahn ist geschockt. „Mir fehlen die Worte“, sagt die 67-Jährige. „Wir können nicht verstehen, wer so etwas tut.“ Das hölzerne Feldkreuz mit Dacherl und Blumenkasten stand hier im Waldstück ihrer Familie fast 30 Jahre lang an einer Weggabelung. Es war immer ein Ort zum Krafttanken. Viele Spaziergänger, Radfahrer und Jogger kamen hier vorbei. „Hier konnte jeder innehalten, sich in Ruhe Gedanken machen oder ein Gebet sprechen“, sagt Stahn. „Über den Grund für diesen respektlosen Diebstahl können wir nur mutmaßen.“

Irschenhausen: Unbekannte klauen geschnitzten Herrgott

Vandalismus schließt Familie Stahn aus. Beschädigt ist das Kreuz, an dem die Jesus-Figur aus Lindenholz angeschraubt war, nämlich nicht. „Sie wurde nicht mit Gewalt abgerissen. Jemand muss sie vorher inspiziert und dann das richtige Werkzeug mitgenommen haben“, sagt Stahn. „Vielleicht soll sie sogar noch weiterverkauft werden.“

Zwischen 19. Dezember und 8. Januar muss die Tat passiert sein. „Im Weihnachtsstress waren wir länger nicht vor Ort“, sagt Stahn. Sonst geht ihre Familie hier im Wald zwischen Irschenhausen und der A 95 aber fast jeden Sonntag spazieren. Das Marterl zu schmücken, hat Tradition. Stiefmütterchen, Palmbuschen oder ein Strauß mit selbstgepflückten Blumen bringen Leben auf die schattige Kreuzung.

Jetzt ist das Feldkreuz bis auf ein paar Zweige verwaist. Bei seinem Rundgang am Sonntag fiel Stahns Ehemann Hans-Peter das herrgottslose Marterl auf. Gemeinsam mit Sohn Thomas, Tochter Anna und dem Enkelchen suchte der 70-Jährige die ganze Umgebung ab. Doch die Figur lag nicht in den Sträuchern und war nicht mit Laub bedeckt.

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Feldkreuz im Wald: Familien-Erinnerungen sind unbezahlbar

Inzwischen ermittelt auch die Polizei Wolfratshausen und sucht nach Zeugen. „So etwas kommt wirklich sehr selten vor“, sagt eine Sprecherin und gibt zu: „Auch wir fragen uns, was der oder die Täter jetzt mit der Jesus-Figur machen wollen.“

Die Polizei beziffert den Schaden auf 400 Euro. Familie Stahn bedeutete die sechzig Zentimeter große, geschnitzte Jesus-Figur aber weit mehr als das. In ihrem Wald stand schon immer ein Marterl. Früher hing ein Herrgott aus Gusseisen daran. Hans-Peter Stahn und seine Frau Irmgard erneuerten es, als sie Anfang der 1990er-Jahre ihren Hof in Irschenhausen übernahmen.

Mit Dacherl, Blümchen und Herrgott: So stand das Feldkreuz fast 30 Jahre in einem Waldstück bei Icking.
Mit Dacherl, Blümchen und Herrgott: So stand das Feldkreuz fast 30 Jahre in einem Waldstück bei Icking. © privat

„Wir haben die Figur in Südtirol gekauft und hier im Wald von einem Pfarrer weihen lassen“, erinnert sich Irmgard Stahn. Danach feierte die Familie mit Freunden ein großes Fest. Seit jenem Herbsttag bringt das Feldkreuz der neuen Generation auf dem Schmotz-Hof Glück. Erinnerungen hängen am Herrgott, dessen helles Lindenholz die Jahrzehnte nun schon grau eingefärbt hatten.

„Uns tut es wahnsinnig Leid, dass er weg ist“, sagt Stahn. „Wir wollen noch ein paar Spaziergänger befragen, ob sie etwas beobachtet haben. Wenn wir ihn aber nicht zurückbekommen, sind wir uns schon jetzt uneinig, was wir tun sollen.“ Hans-Peter Stahn will das verwaiste Marterl auf jeden Fall wieder mit einem Herrgott bestücken. Irmgard Stahn aber schreckt davor zurück. „Dann kommt auch der wieder weg.“ (sco)

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