Polizei will Durchfahrt unterbinden

Schleichweg auf die Autobahn - hier wird illegal abgekürzt: „Fahrer zum Teil sehr aggressiv“

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Verlockende Abkürzung: Viele Verkehrsteilnehm er nutzen die Raststätte Höhenrain als Autobahnauffahrt.

Beliebter Schleichweg: Bürger aus Icking und Berg fahren täglich über die Raststätte Höhenrain auf die Autobahn. Das illegale Befahren soll jetzt ein Ende haben.

Höhenrain/Icking –Die unscheinbare Straße führt um die Kurve zur Raststätte Höhenrain. Von dort direkt auf die Autobahn nach Wolfratshausen. Wählt man am Weiher die Abzweigung nach links, findet man sich nach der Unterführung bald auf der Autobahnauffahrt in Richtung München wieder. Das einzige Problem: Zwei Verbotsschilder zieren die beiden kurzen Straßenabschnitte. Wer sich daran hält? Kaum jemand, wie man täglich beobachten kann. Die nächstgelegenen Anschlussstellen befinden sich in Schäftlarn und Wolfratshausen. Vielen Bürgern aus den Gemeinden Icking und Berg ist das zu weit.

Der Autobahndirektion Südbayern ist das illegale Befahren der gesperrten Zufahrt wohlbekannt. „Bei Kontrollfahrten ist mir aufgefallen, dass die Fahrer zum Teil sehr aggressiv und schnell fahren“, berichtet Pressesprecher Josef Seebacher. Als er sich vor einigen Wochen ein Bild von der Situation machen wollte, hupten ihn mehrere Autofahrer an. An vielen vergleichbaren Stellen musste die Autobahndirektion schon auf die Gefährdung reagieren, die aus der Rücksichtslosigkeit der Wagenlenker resultiert. Das verbotswidrige Befahren der Strecken unterbanden sie mit Schranken.

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„Flächenbedarf wäre erheblich größer und Umbau teuer“

„Das bestehende Verbot für die Allgemeinheit hat einen einfachen Grund“, erklärt Seebacher. Der Parkplatz einer Rast- und Tankanlage mit Fußgängern und rückwärts ausparkenden Fahrzeugen vertrage sich nicht mit dem schnellen Verkehr, den eine offizielle Autobahnauffahrt mit sich bringt. „Der Höhenrainer Parkplatz ist dafür schlicht nicht ausgelegt.“

Grundsätzlich sei es möglich, das Gelände zu einer Anschlussstelle auszubauen. „Der Flächenbedarf wäre aber erheblich größer und der Umbau teuer“, so der Pressesprecher. Die Rastanlage müsse anders konzipiert werden, die Fahrgassen verbreitert. Die Legalisierung der Anschlussstelle würde darüber hinaus zu deutlich mehr Verkehr auf umliegende Straßen führen, die dafür ungeeignet seien. Zu den Anwohnern würden sich auch auswärtige Verkehrsteilnehmer gesellen. Einer Änderung müsste in jedem Fall das Bundesverkehrsministerium zustimmen. Grundlage ist laut Seebacher ein Gutachten, das die Umlagerung des Verkehrs auf andere Straßen detailliert nachweist.

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Verbotene Durchfahrt an Raststätte Höhenrain: Bürgermeister erklärt Überlegungen

Hin und wieder steht ein Streifenwagen an den Zufahrten zu den Raststätten. „Die Beamten sanktionieren die Durchfahrt mit einem Bußgeld von 25 Euro“, erklärt Julius Metz von der Verkehrspolizeiinspektion Weilheim. „Wird aber ein anderer Verkehrsteilnehmer behindert, kostet das Ganze 75 Euro und einen Punkt auf dem Flensburger Punktekonto“, warnt er. Das sei der Fall, wenn ein Fußgänger ausweichen oder ein anderes Fahrzeug scharf bremsen muss. Kommt es zum Unfall, sind 90 Euro und ein Punkt fällig.

„Die Frage, ob man die Auffahrt für die Allgemeinheit öffnet, haben wir vor zehn Jahren intensiv diskutiert“, erinnert sich Rupert Monn, Bürgermeister von Berg. Seine Gemeinde ist mit Höhenrain am meisten betroffen. „Momentan nutzen die Bürger die illegale Auffahrt gerne selbst, bei einer Öffnung wären sie allerdings von deutlich mehr Verkehr betroffen“, sagt Monn. Auch die Berger könnten sich den Umweg über Percha und die viel befahrene A 952 sparen oder die zehn Kilometer über Münsing zur Anschlussstelle Wolfratshausen. „Wir haben damals mit Land- und Bundestagsabgeordneten gesprochen, aber eine Veränderung gab es nicht“, so der Berger Rathauschef. Ob sich das Straßenbild nun, ein Jahrzehnt später, wandelt, bleibt abzuwarten.

Leonora Mitreuter

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