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„Saß wie das heulende Elend zu Hause“: Sparkasse rettet Frau nach Trickbetrug

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Von: Carl-Christian Eick

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Trickbetrüger gehen am Telefon immer professioneller vor.
Trickbetrüger gehen am Telefon immer professioneller vor. Darauf fiel am Wochenende eine 60 Jahre alte Ickingerin herein – ihre Bank verhinderte Schlimmeres. © Symbolfoto/dpa

Nachdem eine Ickingerin am Telefon leichtsinnig die Zugangsdaten für ihr Online-Konto verraten hatte, verhinderte ihre Bank Schlimmeres.

Icking/Wolfratshausen – Rückblickend ärgert sich Franziska Müller (Name geändert) maßlos über sich selbst. Trotz der Warnungen, die die Polizei beinahe täglich via Medien verbreitet, wäre sie um ein Haar mit bitterer Konsequenz einem Telefonbetrüger auf den Leim gegangen. „Die Geschichte ist kein Ruhmesblatt für mich“, sagt die 60-Jährige. Unserer Zeitung erzählt die Ickingerin sie trotzdem – damit das nächste potenzielle Opfer die Betrugsmasche sofort durchschaut.

„Saß wie das heulende Elend zuhause“: Sparkasse rettet 60-Jährige nach Trickbetrug

„Noch am Freitag habe ich meine Mutter vor Schockanrufen gewarnt“, berichtet die 60-Jährige. Tags darauf, am vergangenen Samstag, klingelt gegen Mittag ihr Handy. Auf dem Display kann Müller lesen: „Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen.“ Sie nimmt das Gespräch an, am anderen Ende der Leitung meldet sich „Sebastian Schmid“, vorgeblich Mitarbeiter der Sparkasse.

„Er war ausgesprochen freundlich und sehr eloquent“, erinnert sich die Ickingerin. Allerdings hatte Herr Schmid eine besorgniserregende Nachricht für sie: Angeblich versuche im Moment im Raum Frankfurt am Main jemand, das Online-Konto des Ehepaars Müller zu hacken. Weil die Sparkasse „rund um die Uhr für ihre Kunden da sei“, rufe er sogar am Samstag an, um die Müllers vor Schaden zu bewahren, säuselte Herr Schmid.

Angeblicher Bankangestellter täuscht Gefahr im Verzug vor

Wenn sie es wünsche, könne man sich gerne am Montag im Sparkassen-Beratungscenter in Wolfratshausen persönlich treffen, um das Konto sperren zu lassen. Auf der anderen Seite: Da Gefahr im Verzug sei, könne er das Konto natürlich auch sofort sperren – sofern ihm Franziska Müller die sechsstellige Transaktionsnummer (TAN) preisgebe. „Im ersten Schock und aus der Sorge heraus, dass das ganze Wochenende Geld von unserem Konto verschwindet“, sei sie nicht hellhörig geworden, sondern habe ihrem Gegenüber leichtsinnig vertraut und die Zugangsdaten verraten.

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Echter Sparkassen-Mitarbeiter reagiert sofort auf Notruf

Kaum war das ominöse Telefongespräch beendet, „hat mich ein sauschlechtes Gefühl beschlichen“, so die 60-Jährige gegenüber unserer Zeitung. Ihr und ihrem Ehemann gelang es relativ schnell, die Handynummer ihres Bankberaters zu recherchieren. „Ich habe gebetet, dass er ans Telefon geht, obwohl es ja Samstag war“, sagt die Ickingerin. Sie hatte Glück: Der Sparkassen-Mitarbeiter reagierte auf den Anruf und wusste auf Nachfrage der besorgten Müllers sofort, dass es beim örtlichen Geldinstitut keinen Mitarbeiter mit dem Namen Sebastian Schmid gibt. Mehr noch: Da er sich nicht in der Nähe von Wolfratshausen aufhielt und auch keine Internetverbindung hatte, bat er sofort einen (echten!) Kollegen, zum Beratungscenter an der Sauerlacher Straße zu fahren.

„Ich saß derweil wie das heulende Elend zuhause“, berichtet Franziska Müller. Sie sah vor ihrem geistigen Auge Minute für Minute Euro um Euro von ihrem Konto auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Dann kam die beruhigende Nachricht: „Es sei nichts passiert“, das Online-Konto konnte noch rechtzeitig vor dem Zugriff eines Unbefugten geschützt werden.

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Ickingerin ärgert sich selbst: „Wie kann man nur so dumm sein?“

„Um Haaresbreite ist das Ganze noch mal gut gegangen“, bilanziert die 60-Jährige das nervenzehrende Geschehen. „Wir sind den beiden Mitarbeitern der Sparkasse sehr, sehr dankbar, dass sie uns geholfen haben.“ In den Augen von Franziska Müller hat es sich als großer Vorteil erwiesen, „dass unsere Bank vor Ort ist“.

Noch immer schimpft sie über sich selbst: „Wie kann man nur so dumm sein?“ Zu ihrer Ehrenrettung sei erwähnt, dass die Trickbetrüger und Schockanrufer laut Polizei äußerst professionell vorgehen. „Wie gesagt: Es begann schon damit, dass auf meinem Handy-Display ein Anruf der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen angezeigt wurde.“

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste: Diese Binsenweisheit hat sich Franziska Müller nochmals hinter die Ohren geschrieben. Und sie betont, was ihr die Mitarbeiter der Sparkasse eingeschärft haben: Niemals werden persönliche Daten oder gar die Transaktionsnummer fürs Online-Banking am Telefon abgefragt. (cce)

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