63,7 Prozent Wahlbeteiligung

Feldkirchner sagen "Nein" zu Ikea

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Ikea-Gegner freuen sich parteiübergreifend: (v.l.) Reinhard Mulzer (CSU), der CSU-Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch aus Haar, Patrick Keil (CSU), Christian Hierneis vom Bund Naturschutz und Markus Büchler von den Grünen.

Feldkirchen - Die Entscheidung ist gefallen: Die Feldkirchner wollen nicht, dass die Gemeinde weiter mit dem schwedischen Möbelhaus Ikea verhandelt. Das Ratsbegehren wurde abgelehnt - und das Bürgerbegehren angenommen.

Die Zuschauerränge im Sitzungssaal des Rathauses sind voll besetzt. Die Feldkirchner warten lange auf ein Ergebnis. Die Wahlhelfer machen es spannend. „Und das ist noch milde ausgedrückt“, sagt ein sichtlich angespannter Bürgermeister Werner van der Weck (SPD). Immer wieder geht er im Saal auf und ab, als wolle er ein Ergebnis herbeirennen. Der Bürgermeister ist für weitere Verhandlungen mit Ikea. Der CSU-Ortsvorsitzende Reinhard Mulzer ist „nervös, sehr nervös“, sagt er. Er hat den Bürgerentscheid gegen Ikea mit angestrengt.

Um Viertel vor neun ist klar: Die Feldkirchner haben das Ratsbegehren für weitere Verhandlungen mit Ikea mit 1730 Nein-Stimmen zu 1414 Ja-Stimmen abgelehnt. Das Bürgerbegehren gegen Ikea ist mit 1881 zu 1225 Stimmen angenommen worden. Es steht fest: Ikea muss draußen bleiben. „Ich kann gar nicht enttäuscht sein. Die Bürger haben entschieden“, sagt Bürgermeister van der Weck. „Die Gegner haben mit ihren teilweise falschen Behauptungen wohl mehr Menschen überzeugen können.“ Die Abstimmung ist trotzdem für ihn bindend, sagt der Bürgermeister, auch nach der Zwölf-Monats-Frist. Er selber werde keine neue Kampagne für Ikea anstrengen. Aber: „Wenn die Bürger auf uns zukommen und sagen: Wir haben unsere Meinung geändert. Dann wäre das etwas anderes.“

Ikea-Gegner Reinhard Mulzer ist einfach nur glücklich. „Es freut mich, dass die Bürger entscheiden konnten.“. Die hohe Wahlbeteiligung zeige: Das Thema bewegt die Feldkirchner. „Wir haben nicht nur unsere Anhänger mobilisiert. Da hat sich der Einsatz aller gelohnt.“ Trotzdem haben sich rund 1400 Bürger für Ikea ausgesprochen. „Weil die Bürger dachten, nur mit Ikea kommt die Südumgehung.“ Es liege jetzt am Gemeinderat, das Gegenteil zu beweisen. „Das war doch nur ein taktisches Geplänkel beider Grundstückseigentümer. Wir werden das neu verhandeln“, sagt der CSU-Gemeinderat.

„Die Südumfahrung wird so nicht kommen“, sagt dagegen der Bürgermeister. „Der Eigentümer wird nicht mit sich reden lassen.“ Über ein Enteignungsverfahren möchte er gar nicht nachdenken. Er glaube nicht, „dass wir ein deutliches öffentliches Interesse nachweisen können“.

Der Ikea-Projektmanager für Feldkirchen, Frank Stubenrauch, sieht ein wenig niedergeschlagen aus. Vielleicht ist er auch nur geschafft. Versagt habe er sicher nicht in seinem Job, sagt er auf Nachfrage. „Mit Niederlagen muss man leben. Das war heute sicher eine.“ Ikea habe Feldkirchen ein gutes Angebot gemacht. „Das Verhältnis ist nach wie vor gut. Wir bleiben in Kontakt.“ Einen Plan-B habe Ikea noch nicht. Ob man jetzt mit einer anderen Gemeinde verhandle? „Müssen wir intern entscheiden.“

von Klaus-Maria Mehr

Worüber die Bürger im einzelnen abgestimmt haben, erfahren Sie hier.

A uf der Facebookseite der Münchner Landkreis-Redaktion gibt es aktuelle Infos zum Bürgerentscheid.

mm

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