Nach dem Bürgerentscheid

Ikea-Streit: Sporthalle statt Möbelhaus

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Einen Handschlag auf den Sieg: (v.l.) Patrick Keil von der CSU Feldkirchen; Christian Hierneis, Vorsitzender der Kreisgruppe München Stadt und Land des Bund Naturschutz, sowie Markus Büchler, Kreisvorsitzender der Grünen und Landtagskandidat, freuen sich nach der Auszählung über das Nein der Bürger zu Ikea.

Feldkirchen - Bei den Ikea-Gegnern herrscht nach dem Bürgerentscheid ausgelassene Party-Stimmung. Sie arbeiten schon an alternativen Plänen für das Grundstück. Der Möbelgigant nimmt unterdessen andere Gemeinden ins Visier.

Wir wollen keinen Ikea! Das haben die Bürger in Feldkirchen mit hoher Wahlbeteiligung entschieden. Nachdem am Abend des Bürgerentscheids das Ergebnis bekannt war, leerte sich das Rathaus schnell. Die Befürworter, Bürgermeister Werner van der Weck mit seiner SPD und die UWV-Fraktion, gingen geschlagen nach Hause. Die Stimmung: gedrückt.

Ganz anders bei den Ikea-Gegnern. Sie feierten in der Scheune des Gruberhofes an der Aschheimer Straße. „Mit der Feier wollen wir nicht nachtreten“, sagte der CSU-Ortsvorsitzende und Gemeinderat Reinhard Mulzer. Da möge man ihn nicht falsch verstehen. „Sie ist ein Dankeschön an alle, die sich beteiligt haben.“ Gestern haben die Mitglieder der Bürgerinitiative sämtliche Plakate wieder eingesammelt. Nach dem Motto: Reden wir nicht mehr darüber.

Aus für neuen Ikea: Das meinen die User

„Ich hoffe, dass die andere Seite im Gemeinderat keine Blockadehaltung betreibt“, sagte CSU-Gemeinderat Mulzer. Feldkirchen brauche die Südumfahrung. „Der Bürgermeister muss jetzt mit den Grundstückseigentümern neue Gespräche führen.“ Das werde er im Gemeinderat fordern. Nachdem im Bürgerbegehren die 14. Änderung des Flächennutzungsplans abgelehnt worden ist, hat Mulzer schon eine Idee für die 15. Änderung: eine Sportanlage, auf der Fläche, auf der Ikea angedacht war. Wenn die Gemeinde die Fläche für die Sportanlage kaufe, vielleicht, überlegt der CSU-Gemeinderat, könne man damit den Grundstückseigentümer überzeugen, auch die Straße zuzulassen. Mit Ikea schwindet auch die Chance auf einen Regionalpark. Für Reinhard Mulzer ist das kein Problem. Er hat sowieso nie daran geglaubt. „Dieser Park, allein ihn als Park zu bezeichnen, ist eine Farce.“

Für UWV-Fraktionssprecher Erhard Magori war der Park keine Farce. Die Resolution für Ikea in Verbindung mit einem Regionalpark und der Südumgehung, aus der auch das Pro-Ikea-Ratsbegehren entstanden ist, stammt aus seiner Feder. Verdaut habe er die Ablehnung noch nicht. „Ich bin platt und enttäuscht, bei der Entscheidung war schon großer Frust.“ Natürlich werde er die Grünzone zwischen Feldkirchen weiter verteidigen. „Aber ein Acker weckt immer Begehrlichkeiten.“ Ob die Idee „Regionalpark“ noch einmal aufkommt, ist er skeptisch. „Der Regionalpark war die einzige große Idee in sechs Jahren. Mit Ikea wäre sie zu realisieren gewesen.“ Gut sechs Monate hatte Magori für das Projekt gekämpft. „Der Zeitplan war zu knapp. Wir konnten noch keine Ergebnisse präsentieren. Die Ängste haben überwogen.“

Ikea will in den Münchner Osten. Das ist allen Beteiligten klar. „Ikea ist schon vor langer Zeit auf uns zu gekommen“, sagt der Aschheimer Bürgermeister Helmut Englmann (CSU). Und wenn die schwedische Möbelfirma jetzt wieder in Aschheim anruft? Das werde er nicht kommentieren, „weder positiv noch negativ“, sagte der Bürgermeister gestern.

Magori geht davon aus, dass Ikea an der A 94 entlang suchen wird. Mulzer vermutet Ähnliches. Vaterstetten wäre da die nächste Adresse. Die Gemeinde hat gerade ein neues Gewerbegebiet geplant. Einen Baumarkt möchten sie auch bauen. Einen Segmüller hat die Gemeinde bereits. Passt da nicht auch ein Ikea hin? „Müsste man sich genau anschauen“, sagte der Bürgermeister von Vaterstetten, Martin Wagner (CSU). „Wenn, dann aber nur Ikea ohne irgendwas dabei.“ Neben dem Segmüller wäre vielleicht Platz. „Das ist ja auch ein unterschiedliches Sortiment.“

„Wir wollen weiter einen dritten Standort im Münchner Raum“, sagt der Ikea-Expansionschef für Deutschland, Johannes Ferber. „In Feldkirchen schließen wir die Bücher.“ Vaterstetten als Standort-Alternative möchte er nicht ausschließen. „Wenn ein Projekt scheitert, freuen sich andere.“ Das sei immer so. „Ich gehe davon aus, dass hier bei uns die Telefone klingeln werden.“

Von Klaus-Maria Mehr

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